Joachim Löw hört als Bundestrainer der Deutschen Nationalmannschaft auf – nach der EM im Sommer 2021. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit. Demnach hat Löw selbst darum gebeten, seinen bis zur WM 2022 laufenden Vertrag aufzulösen.
„Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit, gleichzeitig aber weiterhin mit einer ungebrochen großen Motivation, was das bevorstehende EM-Turnier angeht“, wird Löw in der DFB-Mitteilung zitiert.
DFB-Präsident Fritz Keller bezeichnete Jogi Löw als einen der größten Trainer im Weltfußball. „Jogi Löw hat den deutschen Fußball wie kaum ein anderer über Jahre hinweg geprägt und international zu höchstem Ansehen verholfen. Nicht nur aufgrund seiner sportlichen Errungenschaften, sondern auch wegen seiner Empathie und Menschlichkeit. Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig. Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen.”
Der größte Erfolg von Joachim Löw war der Weltmeistertitel mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2014 in Brasilien.
Der größte Erfolg von Joachim Löw war der Weltmeistertitel mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2014 in Brasilien.
© Foto: Christian Charisius/dpa

Jogi Löw hört als Bundestrainer der Nationalmannschaft auf

Oliver Bierhoff, Direktor der Nationalmannschaften und der DFB-Akademie, betonte sein vertrauensvolles Verhältnis zu Löw. „Unter Jogi stand die Nationalmannschaft wieder für Spielfreude und attraktiven Offensivfußball, diese Mannschaft und ihre Spieler haben sich unglaublich mit ihm entwickelt. Ich bedauere, dass sich nach der EURO unsere Wege beruflich voneinander trennen. Persönlich werden wir verbunden bleiben.“

Das sagen Weggefährten zu Jogi Löws Abschied:

Fritz Keller (DFB-Präsident): "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Joachim Löw. Der DFB weiß, was er an Jogi hat, er ist einer der größten Trainer im Weltfußball. Jogi Löw hat den deutschen Fußball wie kaum ein anderer über Jahre hinweg geprägt und international zu höchstem Ansehen verholfen. Nicht nur aufgrund seiner sportlichen Errungenschaften, sondern auch wegen seiner Empathie und Menschlichkeit. Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig. Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen."
Oliver Bierhoff (Direktor Nationalmannschaften und DFB-Akademie): "Ich bedauere, dass sich nach der EURO unsere Wege beruflich voneinander trennen. Persönlich werden wir verbunden bleiben. Daran aber denke ich im Moment nicht, zumal ich weiß, dass Jogis volle Konzentration und Energie in den nächsten Wochen und Monaten einzig und allein der Vorbereitung auf die Europameisterschaft gelten. Uns verbindet im Sommer weiterhin ein großes gemeinsames Ziel."
Bastian Schweinsteiger (Weltmeister von 2014): "Mein Respekt gilt Joachim Löw. Auch ich habe ihm persönlich viel zu verdanken. Ich wünsche ihm und dem Team zum Abschluss den EM-Titel."
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident beim WM-Triumph 2014): "Unsere gemeinsame Zeit mit dem Höhepunkt Brasilien 2014 war überragend, weil zwischen uns absolutes Vertrauen herrschte. Jogi hat eine Ära geprägt."
Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandschef Bayern München): "Joachim Löw hat eine enorm erfolgreiche Ära des deutschen Fußballs geprägt, mit dem Gewinn der WM 2014 in Brasilien als Höhepunkt. Der DFB ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Wir wünschen Joachim Löw zum Ausklang seiner großartigen Bundestrainer-Karriere eine erfolgreiche EM. Er hat sich einen würdigen Abschluss verdient."
Karl-Heinz Rummenigge wünscht Jogi Löw eine erfolgreiche letzte EM.
Karl-Heinz Rummenigge wünscht Jogi Löw eine erfolgreiche letzte EM.
© Foto: Arne Dedert/dpa
Lothar Matthäus (Rekordnationalspieler): "Das ist eingeschlagen wie eine Bombe. Aber es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können. Er nimmt den Druck von der Mannschaft, es wird nicht mehr über Neuaufbau gesprochen. Jetzt kann man sich wieder auf das konzentrieren, was auf dem Platz passiert. Ich sehe viele Leute, die diese Position gerne machen und gut ausfüllen können. Ich sehe Ralf Rangnick als großen Favoriten. Ich weiß, dass mein Name gespielt wird, aber ich beschäftige mich mit diesem Thema absolut nicht."
Joseph S. Blatter (früherer FIFA-Präsident): "Joachim Löw ist eine große Persönlichkeit. Aber wie viele erfolgreiche Menschen bekam er plötzlich mehr Kritik als Lob zu hören - wohl, weil er an seinem eigenen Leistungsausweis gemessen wurde. Wegen seiner Vergangenheit in Winterthur, Schaffhausen und Frauenfeld genießt Löw auch in der Schweiz große Sympathien. Dank ihm stand uns die deutsche Nationalelf noch näher."
Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "Es ist erstmal eine traurige Nachricht - trotzdem ist er noch im Amt. Das ist das Wichtige, dass er das große Turnier noch macht. Er hat einen extremen Impact gehabt auf den deutschen Fußball. Er hat eine Epoche mit Titeln geprägt. Er hat eine tolle Karriere als Nationaltrainer hingelegt. Ich hoffe, dass die noch einen glorreichen Abschluss findet. Und dann bin ich gespannt, wo er als nächstes seine Fußstapfen hinterlassen wird."
Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Joachim Löws Entscheidung verdient viel Respekt, weil es sich um eine Entscheidung der eigenen Stärke handelt. Löw hat in seiner Zeit als Bundestrainer Großartiges für den deutschen Fußball geleistet. Alle im deutschen Fußball sind nun dazu aufgerufen, ihren Teil beizutragen, um Joachim Löw im Sommer jenen großen Abschluss zu ermöglichen, den er verdient."
Rudi Völler (Sport-Geschäftsführer Bayer Leverkusen und ehemaliger Teamchef): "Jogi Löws Entscheidung verdient Respekt. Er hat uns mit seinen jeweiligen Mannschaften bei vielen Turnieren tollen Fußball geboten und durch den Titelgewinn bei der WM 2014 Großartiges für den deutschen Sport geleistet. Jetzt hat Jogi die Chance, befreit in die EM in diesem Sommer zu gehen und einen wunderbaren Abschluss zu schaffen. Dafür werden wir alle ihm die Daumen drücken."
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (rechts) ist gespannt, wer neuer Bundestrainer wird. Der Trainer des FC Liverpool Jürgen Klopp (links) könnte Löw ablösen.
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (rechts) ist gespannt, wer neuer Bundestrainer wird. Der Trainer des FC Liverpool Jürgen Klopp (links) könnte Löw ablösen.
© Foto: Dave Thompson/dpa
Alexander Rosen (Sportchef TSG Hoffenheim): "Jogi Löw hat eine Ära geprägt, die als eine der erfolgreichsten Phasen in die Geschichte der Nationalmannschaft und des deutschen Fußballs eingegangen ist. Eine herausragende Leistung mit dem WM-Titel als bisherigen Höhepunkt. Vor seiner Entscheidung habe ich großen Respekt und wünsche ihm und dem deutschen Fußball eine erfolgreiche EM als Abschluss."
Frank Kramer (Trainer Arminia Bielefeld und ehemaliger DFB-Nachwuchscoach): "Es war eine hervorragende Zusammenarbeit. Wir haben uns hervorragend verstanden - und ich kann nur noch einmal sagen, der Jogi ist ein absoluter Fußball-Experte. Das ist jemand, der einen überragenden Job gemacht hat. Alles andere verbietet sich. Von außen sollte man so fair sein und diese Arbeit über so viele Jahre auf diesem Topniveau einfach anzuerkennen und den nötigen Respekt walten zu lassen."
Horst Heldt (Sport-Geschäftsführer 1. FC Köln): "Ich habe Jogi Löw in all den Jahren - und zwar nicht nur als Nationaltrainer - als zuverlässigen, authentischen Menschen kennengelernt und gute Gespräche mit ihm geführt. Mit ihm geht eine extrem erfolgreiche Ära zu Ende. Seine Entscheidung gilt es zu respektieren. Damit hat der DFB genug Zeit, sich personell neu auszurichten."

Bundestrainer Jogi Löw: Die Stationen seiner Karriere

Persönliches

  • Name: Joachim "Jogi" Löw
  • Geburtsdatum: 3. Februar 1960
  • Geburtsort: Schönau (bei Freiburg)
  • Schulabschluss: Mittlere Reife
  • Erlernter Beruf: Großhandelskaufmann
  • Hobbys: Reisen, Lesen, Sport

Karriere als Spieler

  • als Jugendlicher FC Schönau und Eintracht Freiburg,
  • ab 1978 SC Freiburg,
  • 1980/81 VfB Stuttgart,
  • 1981/82 Eintracht Frankfurt,
  • 1982 bis 1984 SC Freiburg,
  • 1984/85 Karlsruher SC,
  • 1985 bis 1989 SC Freiburg,
  • 1989 bis 1992 FC Schaffhausen,
  • 1992 bis 1994 FC Winterthur,
  • 1994/95 FC Frauenfeld (Spielertrainer)
  • Spiele/Tore: 52 Spiele/7 Tore in der 1. Bundesliga, 252/81 in der 2. Bundesliga, 4/0 in der U21-Nationalmannschaft

Karriere als Trainer

  • 1992 bis 1994 FC Winterthur (A-Junioren);
  • 1994/95 FC Frauenfeld (Spielertrainer);
  • 1. Juli 1995 bis 30. Juni 1998 VfB Stuttgart (bis 13. August 1996 als Assistenztrainer, 14. August 1996 bis 20. September 1996 als Interimstrainer, ab 21. September 1996 als Cheftrainer);
  • 1998/99 Fenerbahce Istanbul;
  • 25. Oktober 1999 bis 19. April 2000 Karlsruher SC;
  • 3. Januar 2001 bis 27. Februar 2001 Adanaspor;
  • 10. Oktober 2001 bis 18. Juni 2002 FC Tirol Innsbruck;
  • 1. Juli 2003 bis 24. März 2004 Austria Wien;
  • 30. Juli 2004 bis 11. Juli 2006 Assistenztrainer der deutschen Nationalmannschaft;
  • seit 12. Juli 2006 Bundestrainer

Erfolge als Trainer

  • Weltmeister 2014,
  • dritter Platz bei der WM 2010,
  • zweiter Platz bei der EM 2008,
  • dritter Platz bei der WM 2006,
  • DFB-Pokal-Sieger 1997 (VfB Stuttgart),
  • österreichischer Meister 2002 (FC Tirol Innsbruck)
  • Bilanz als Bundestrainer: 189 Spiele, 120 Siege, 38 Unentschieden, 31 Niederlagen