Irgendwie muss es ja weitergehen. Auch beim FC Bayern München. Der Fußball-Rekordmeister versucht, seine Fans auf Youtube zu bespaßen. Mit Interviews, Challenges, Trainingshighlights. Kleine Häppchen in der Fußball-Fastenzeit.
Währenddessen halten die Bayern-Bosse eine Videokonferenz nach der anderen ab. Es geht um die Zukunft des Vereins, der Bundesliga, des deutschen Fußballs. Fußball in Corona-Zeiten – wie kann das funktionieren? Noch hat niemand eine abschließende Antwort. Klar ist nur: Irgendwie muss es ja weitergehen. So ist der Stand in den deutschen Profi-Ligen.

Bundesliga: Politiker sind optimistisch, Experten skeptisch

Die Fortsetzung der Bundesliga-Saison ist zur Staatsaffäre geworden. Die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder sowie Gesundheitsminister Jens Spahn starteten persönlich den Vorstoß. „Der 9. Mai ist ein denkbarer Termin, an dem man starten könnte“, sagte Laschet bei „Bild Live“. Söder und Spahn pflichteten bei: Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab dem 9. Mai wäre für Millionen Fußballfans wieder ein Stück Normalität, sagte Spahn.
Ein sehr kleines Stück Normalität. Die Politiker machten klar: Wenn Bundesliga, dann nur mit Geisterspielen. Und selbst das reiche nicht, meint Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft (GDP). Es bestehe die begründete Gefahr, dass Fans sich trotz eines Kontaktverbots vor den Stadien versammeln, um ihre Mannschaften zu unterstützen, sagt Radek.
Ein weiterer Streitpunkt: Corona-Tests. Der Deutschen Fußball-Liga (DFL) droht ein Desaster: Sollte sich ein Bundesliga-Beteiligter mit dem Coronavirus infizieren, könnte er etliche weitere Personen bei den Spielen anstecken. Deswegen braucht die DFL Tests. Viele Tests. Experten schätzen, rund 20.000 werden für die restlichen neun Spieltage benötigt. Das sei vertretbar, sagt die DFL. Laut ihren Berechnungen würde das Konzept „weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität“ in Deutschland ausmachen. Das Robert-Koch-Institut sieht das anders: „Ich denke, man sollte die Tests dort anwenden, wo es medizinisch sinnvoll ist“, sagte Vizepräsident Lars Schaade.
Der Ball liegt nun bei der DFL. Am Donnerstag wollen sich die Vereine beraten. Zahlreiche Szenarien sind denkbar. Vom Saisonabschluss nach Plan bis zum Eil-Modus mit Spielen im Zwei-Tages-Rhythmus. Am Schluss wollen die Vereine ein Konzept vorlegen. Es könnte zu einem der wichtigsten Dokumente in der deutschen Fußball-Geschichte werden.

2. Bundesliga: Diese Regeln gelten für das Bundesliga-Unterhaus

In der 2. Liga bereitet man den Neustart vor: Die Mannschaften trainieren seit Anfang April in Kleingruppen wieder auf dem Platz.
Der Grund: Die DFL vertritt die Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Was für Bayern München und Borussia Dortmund gilt, gilt auch für den VfB Stuttgart und den 1. FC Heidenheim. Geben die Behörden grünes Licht, rollt auch im Bundesliga-Unterhaus wieder der Ball.

3. Liga: Die Zukunft der Vereine steht auf dem Spiel

Eine Videokonferenz musste die Wogen glätten. Am Dienstag einigten sich die Clubs auf eine „sachlich, konstruktive Diskussion“. Zuvor war ein Richtungsstreit ausgebrochen. Acht Vereine – darunter Waldhof Mannheim – plädierten in einem Schreiben, die Spielzeit abzubrechen. Andere Clubs setzen sich vehement dafür ein, die Saison zu Ende zu spielen.
Die Stimmung ist gereizt. Die acht abbruchswilligen Klubs stehen auf einem Abstiegsplatz, sind abstiegsgefährdet oder belegen einen Aufstiegsrang. Ihr gemeinsamer Plan sieht vor, dass die derzeitige Tabelle zählt, es aber keine Absteiger gibt. Dafür zwei Aufsteiger: den MSV Duisburg und Waldhof Mannheim, die momentan an der Tabellenspitze stehen.
Den anderen Aufstiegsaspiranten wären damit jede Chance genommen. Entsprechend verärgert fiel die Reaktion aus. „Bei einem Abbruch wäre die Liga aus meiner Sicht kaputt. Es gibt deshalb eine klare Mehrheit in der Liga, die Saison sportlich zu Ende zu führen“, sagte Michael Henke, Sportchef des FC Ingolstadt, der momentan Platz 5 belegt.
Die Klubs streiten, der DFB entscheidet. Der Verband kann als Ausrichter verbindlich festlegen, wie es weiter geht. Abbruch oder Geisterspiele? Eine Frage, die letztlich auch über die Zukunft vieler Teams entscheidet. Etliche Vereine in der 3. Liga sind finanziell angeschlagen. Die Corona-Pandemie könnte für sie der Todesstoß sein.