Gähnende Leere in vielen Briefkästen: Bei der Deutschen Post AG lief der Betrieb in den letzten Tagen nur schleppend. Sowohl Briefe als auch Pakete bleiben zum Teil länger liegen. Vor den nächsten Tarifgesprächen bei der Post an diesem Montag geriet die Zustellung gehörig ins Stocken. Nach Unternehmensangaben waren am Freitag und Samstag mindestens 4300 von rund 140.000 Tarifbeschäftigten im Warnstreik. Zudem streikt die Gewerkschaft Verdi auch allgemein im Öffentlichen Dienst. Kein Bereich bleibt ausgenommen: Kitas und Pflegeeinrichtungen werden genauso betroffen sein wie die Müllabfuhr in Ulm und sogar Krankenhäuser.

Streik bei der Post: Briefporto erst 2019 auf 80 Cent erhöht

Bei der Post drohen in den nächsten Jahren massive Einsparungen. Unter anderem ist im Gespräch, künftig am Montag ganz auf die Briefzustellung zu verzichten, was zu Jobverlusten führen könnte. Dies, obwohl das Briefporto erst 2019 auf 80 Cent erhöht wurde. Konkurrierende Briefdienste fordern sogar eine Rücknahme der Anhebung. Angesichts der Nachrichten lag die Aktie der Deutschen Post AG zu Beginn der Woche mit etwa 2 Prozent deutlich im Minus.

Verdi wollte 5,5 Prozent bei der Post

Die Gespräche dauerten an, teilte das Unternehmen mit. Die Post setze auf „konstruktive und lösungsorientierte Gespräche“. Zugleich wurde ein „unterschriftsreifes Angebot“ in Aussicht gestellt. Verdi hatte eine lineare Erhöhung der Löhne um 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Am Mittwochmittag wurde dann eine Einigung der Tarifkommission bekannt. Die Gespräche seien am Mittwochvormittag erfolgreich abgeschlossen worden, teilten Sprecher der Gewerkschaft Verdi und der Post mit.

Warnstreik im öffentlichen Dienst

Beobachter gehen davon aus, dass sich die Streiksituation im Öffentlichen Dienst in den nächsten Tagen verschärfen wird. Vom aktuellen Warnstreik bei Post und DHL betroffen waren folgende Bundesländer:
  • Berlin und Brandenburg (1400 Beschäftigte)
  • Baden-Württemberg (unter anderem Stuttgart, Fellbach, Erbach, Reutlingen, Pforzheim, Rastatt, Mühlacker, Lörrach, Staufen, Rottweil, Rottenburg, Karlsruhe, Freiburg, Efringen-Kirchen, Korntal-Münchingen, Mannheim, Heidelberg)
  • Bayern (insbesondere Briefzentren Straubing, Regensburg und Kolbermoor)
  • Hamburg (360.000 Haushalte)
  • Hessen (Verzögerungen im ganzen Land)
  • Niedersachsen und Bremen (Ballungsräume)
  • Nordrhein-Westfalen (Köln, Düsseldorf und andere)
  • Rheinland-Pfalz und Saarland (2000 Mitarbeiter)
  • Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
  • Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (hunderttausende Briefe und Pakete)



Warnstreiks im Öffentlichen Dienst: Vor allem Krankenhäuser und Kitas betroffen

Nach dem Beginn der Warnstreiks im öffentlichen Dienst müssen sich die Menschen auf Ausstände in noch weit größerem Umfang einstellen. „Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen die Beschäftigten in der gesamten Breite des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen zu Warnstreiks aufrufen“, sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke der dpa in Berlin. Bereits für diesen Mittwoch sind weitere Ausstände in mehreren Bundesländern geplant. „In dieser Tarifauseinandersetzung ist Energie“, sagte der Verdi-Chef. Eine bedeutende Rolle werden laut Werneke die Kliniken spielen. „In den Krankenhäusern dampft und brodelt es“, sagte der Verdi-Chef.