Unter dem Druck der Wirtschaft und vieler Bürger hat Österreich nach sechs Wochen Lockdown am Montag wieder alle Geschäfte geöffnet. Es gelten allerdings verschärfte Vorsichtsmaßnahmen. „Das Tragen von FFP2-Masken ist Pflicht“, sagte Kanzler Sebastian Kurz. Die Lockerungen im einzelnen:
  • Öffnung der Geschäfte mit reduzierter Kundenzahl
  • Öffnung von Schulen im Schichtbetrieb
  • Öffnung der Friseure (mit Testpflicht)
  • Öffnung von Museen
  • FFP2-Maskenpflicht
  • Schärfere Regeln bei der Einreise

Tirol: Ausreise ab Freitag nur noch mit negativem Test

Im Bundesland Tirol wird die Aufbruchstimmung allerdings gebremst. Von Osttirol abgesehen ist vom kommenden Freitag an für zehn Tage eine Ausreise nur noch mit negativem Corona-Test möglich, sagte Kanzler Kurz. Der Ausbruch der südafrikanischen Variante sei derzeit der größte bekannte derartige Fall in der EU. Wenn sich so eine Mutation schnell und stark ausbreite, werde das erneut viele Menschenleben kosten, so Kurz. „Und der Weg zur Normalität wird sich noch einmal um Monate verzögern.“
Das Bundesland hatte sich in den vergangenen Tagen teils vehement gegen eine Sonderbehandlung in Österreich gewehrt. Am Montag sprach die Bundesregierung in Wien eine Reisewarnung für das bei Deutschen beliebte Bundesland aus. Diese hat jedoch nur einen Appell-Charakter.
Die südafrikanische Mutation, die als ansteckender gilt, ist nach Angaben des Wiener Gesundheitsministeriums in Tirol bisher in rund 300 Fällen nachgewiesen worden. Die Zahl der aktiven Fälle betrage 129. Das Land ging bisher von geringeren Zahlen aus.

Österreich lockert: Friseure dürfen wieder öffnen

Friseure dürfen wieder Kunden bedienen. Für einen Termin bei den körpernahen Dienstleistungen ist aber ein negativer Test nötig, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Schulen und Museen wieder offen

Auf vielfachen Wunsch von Eltern werden die Schulen in den Präsenzunterricht übergehen, teils allerdings in einem Schicht-System und mit Corona-Tests. Zu berücksichtigen seien vor allem soziale und psychologische Folgen der Maßnahmen, sagte Kurz. Schüler, die seit Anfang November nur wenige Tage Unterricht hatten, sollen so ihre Lehrer und Mitschüler wieder treffen können. Dazu soll es regelmäßige Corona-Tests und ein Rotationssystem für ältere Schüler geben. Auch Museen können wieder besucht werden. Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen bleiben bestehen.

Einreise Österreich: Einreise von Deutschland nach Österreich

Die Einreiseregeln werden verschärft, um möglichst die Verbreitung ansteckenderer Corona-Mutation zu verhindern oder zu verzögern. Pendler müssen nun an der Grenze nach den Worten von Gesundheitsminister Rudolf Anschober einmal in der Woche Corona-Tests vorweisen.
„Verstehen Sie diese punktuellen Lockerungen nicht als Entwarnung“, sagte Kurz. Wenn die Zahlen der Neuinfektionen wieder stiegen, würden die Maßnahmen erneut verschärft.

Einreise nach Österreich: Welche Regeln gelten für Urlauber und Grenzgänger?

Die österreichische Regierung hat die Einreiseregeln verschärft. Bis zum 31. März gilt eine neue Einreiseverordnung. Diese sieht folgendes vor:
  • Reisende aus Deutschland müssen bei Einreise zehn Tage in Quarantäne.
  • Vor der Einreise muss man sich elektronisch anmelden. Einen Nachweis dafür muss man ausgedruckt oder auf dem Handy dabei haben.
  • Transitreisende sind davon ausgenommen.
  • Es finden stichprobenartig Grenzkontrollen statt.
  • Grenzpendler müssen sich nun einmal pro Woche testen lassen.

Demo gegen Corona-Maßnahmen mit 10.000 Menschen

Eigentlich hatte die Regierung die Zahl von rund 700 Neuinfektionen am Tag als Ziel ausgegeben, um das öffentliche Leben wieder hochzufahren. In den vergangenen Tagen lag diese Zahl bei durchschnittlich etwa 1300. Am Sonntag hatten trotz eines Versammlungsverbots nach Angaben des Innenministeriums rund 10.000 Menschen in Wien gegen den Corona-Lockdown demonstriert.
Am Wochenende demonstrierten in Wien zahlreiche Kritiker der Maßnahmen.
Am Wochenende demonstrierten in Wien zahlreiche Kritiker der Maßnahmen.
© Foto: Georg Hochmuth/DPA
„Wir wollen diesem Land, den Menschen Zuversicht geben“, sagte der Ministerpräsident der Steiermark, Hermann Schützenhöfer. Am 15. Februar will die Regierung erneut beraten. Dann gehe es darum, ob eventuell weitere Öffnungsschritte gegangen werden könnten, meinte Kurz. Die Gastronomie, die Hotellerie, alle Tourismusbetriebe und die Theater hoffen auf einen Start in die Saison 2021. Kurz machte aber auch klar, dass bei einem exponentiellen Anstieg der Zahl der Neuinfektionen die Maßnahmen erneut verschärft würden.

Impfungen auch in Österreich schleppend gestartet

Die Opposition hat unterschiedliche Ansichten zum Konzept der Regierung. „Das Gesundheitssystem steht nicht vor dem Kollaps“, erinnerte die Chefin der liberalen Neos, Beate Meinl-Reisinger, an die zentrale Begründung für einen Lockdown. Die rechte FPÖ forderte die Öffnung auch der Lokale und einen ausdrücklichen Verzicht auf einen weiteren Lockdown auch bei erneut steigenden Infektionszahlen. Die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner warnte vor einer dritten Welle, wenn man weit über die Schulen hinaus öffne.
Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt österreichweit bei rund 100 Fällen. Bei einer Verdoppelung dieser Zahl sollten die Alarmglocken wieder läuten, sagte Kurz. Die Impfungen sind im Januar wie in vielen Staaten erst schleppend angelaufen. Bis Ostern hofft das Land, das neun Millionen Einwohner hat, aber darauf, dass eine Million Bürger einen kompletten Impfschutz haben.

Corona Fallzahlen Österreich: Aktuelle Corona-Zahlen

Die aktuellen Zahlen laut Robert Koch-Institut (Stand 9.2 , 8:00 Uhr)
  • Zahl der Infizierten: 422.572
  • Zahl der Toten: 7984
  • Zahl der Genesenen: 394.191
  • Aktive Corona-Fälle: 20.397
  • Anzahl der getätigten Corona-Tests: 10.442.158

Corona Portugal: Mutation sorgt für extrem hohe Fallzahlen

Portugal ist aktuell stark von Corona betroffen: Extrem gestiegenen Fallzahlen, Verbreitung der Mutation, Reisewarnung und Einstufung des Auswärtigen Amts als Hochinzidenzgebiet. So ist die Lage im Land.