Neue SPD-Minister
: Klingbeil wird Vizekanzler, Pistorius bleibt Verteidigungsminister

Die SPD hat ihr künftiges Regierungsteam vorgestellt – mit bekannten Namen und vielen neuen Gesichtern. Die Aufstellung der SPD für die kommenden vier Jahre.
Von
Laura Mensch,
dpa
Berlin
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Koalitionsverhandlungen von Union und SPD abgeschlossen: ARCHIV - 09.04.2025, Berlin: Friedrich Merz (M), Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Bundesvorsitzender, und Lars Klingbeil (r), SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender, geben sich nach einer Pressekonferenz der Parteivorsitzenden von Union und SPD zur Vorstellung des Koalitionsvertrages im Paul-Löbe-Haus die Hand. Links steht Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender. (zu dpa: «Umfrage: Wenig Optimismus für erfolgreicheres Agieren neuer Koalition») Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Lars Klingbeil (rechts) von der SPD ist Vizekanzler und Finanzminister.

Michael Kappeler/dpa
  • SPD stellt neues Regierungsteam vor: Sechs von neun Ministerposten von Frauen besetzt.
  • Verteidigungsminister Boris Pistorius bleibt im Amt.
  • Arbeitsministerin Bärbel Bas ist eine der neuen Ministerinnen.
  • Erklärung von Parteivorsitzenden Lars Klingbeil, Saskia Esken und Generalsekretär Matthias Miersch.
  • SPD betont Mischung aus erfahrenen und neuen Gesichtern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die CDU und CSU haben vergangene Woche bereits ihre neuen Ministerinnen und Minister präsentiert. Darunter sind viele bekannte, aber auch unbekannte Gesichter. Nun hat sich auch die SPD abschließend auf ihr Regierungsteam verständigt.

Die SPD hatte für das schwarz-rote Kabinett unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) neue Gesichter angekündigt – und Parteichef sowie designierter Vizekanzler Lars Klingbeil löst dieses Versprechen ein: Mit Ausnahme von Verteidigungsminister Boris Pistorius wird kein Mitglied der früheren Ampel-Regierung übernommen.

Die Ministerinnen und Minister im Überblick

  • Lars Klingbeil: Finanzminister und Vizekanzler
  • Boris Pistorius: Verteidigungsminister
  • Bärbel Bas: Arbeitsministerin
  • Stefanie Hubig: Justizministerin
  • Verena Hubertz: Bauministerium
  • Reem Alabali-Radovan: Entwicklungsministerin
  • Carsten Schneider: Umweltminister
  • Friedrich Merz

    Friedrich Merz, CDU, Bundeskanzler

    Michael Kappeler/dpa
  • Fraktionssitzung im Bundestag: ARCHIV - 24.03.2025, Berlin: Lars Klingbeil, SPD-Fraktions- und Bundesvorsitzender, gibt eine Pressekonferenz zu Beginn der Fraktionssitzung seiner Partei. Der Deutsche Bundestag kommt am 25.03.2025 zu seiner konstituierenden Sitzung für die 21. Legislaturperiode zusammen. (zu dpa: «Klingbeil: Debatte um Esken ist «beschämend»») Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Lars Klingbeil, SPD, Vizekanzler und Finanzminister

    Kay Nietfeld/dpa
  • Koalitionsverhandlungen von Union und SPD abgeschlossen: ARCHIV - 09.04.2025, Berlin: Johann Wadephul (CDU) steht am Rande einer Pressekonferenz der Parteivorsitzenden von Union und SPD zur Vorstellung des Koalitionsvertrages im Paul-Löbe-Haus. (zu dpa: «Merz will «sehr gute Regierungsmannschaft» präsentieren») Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Johann Wadephul, CDU, Außenminister

    Michael Kappeler/dpa
  • Ukraine-Treffen in Brüssel: 11.04.2025, Belgien, Brüssel: Boris Pistorius (SPD), geschäftsführender Bundesminister der Verteidigung, spricht auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen der internationalen Kontaktgruppe (UDCG) zur Koordinierung von militärischer Unterstützung für die Ukraine im Nato-Hauptquartier. Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Boris Pistorius, SPD, Verteidigungsminister

    Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa
  • Alexander Dobrindt

    Alexander Dobrindt, CSU, Bundesinnenminister

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  • Thorsten Frei: ARCHIV - 05.04.2025, Berlin: Thorsten Frei (CDU), erster parlamentarischer Geschäftsführer der Union, gibt zu Beginn der Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD vor dem Konrad-Adenauer-Haus ein Pressestatement. (zu dpa: «Frei sieht schnelle finanzielle Weichenstellungen») Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Thorsten Frei, CDU, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes

    Christophe Gateau/dpa
  • Katherina Reiche

    Katherina Reiche, CDU, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie

    Helge Toben/dpa
  • Bärbel Bas

    Bärbel Bas, SPD, Ministerin für Arbeit und Soziales

    Anna Ross/dpa
  • Koalitionsverhandlungen abgeschlossen - CDU: 09.04.2025, Berlin: Karin Prien (CDU), Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, kommt zur Sitzung vom Bundesvorstand der CDU im Konrad-Adenauer-Haus. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Karin Prien, CDU, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend

    Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Bildungsministerin Stefanie Hubig: ARCHIV - 04.09.2023, Rheinland-Pfalz, Mainz: Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz, beim Besuch einer Schulklasse. (zu dpa: «Osterferien: Deutsch lernen leicht gemacht») Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Stefanie Hubig, SPD, Bundesjustizministerin

    Boris Roessler/dpa
  • Nina Warken

    Nina Warken, CDU, Gesundheitsministerin

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  • CDU der große Sieger - AfD in Pfalz stark: ARCHIV - 14.06.2024, Berlin: Patrick Schnieder (CDU) am Rednerpult des Deutschen Bundestags (zu dpa: «CDU der große Sieger – AfD in Pfalz stark») Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Patrick Schnieder, CDU, Bundesminister für Verkehr

    Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Karsten Wildberger: HANDOUT - 28.04.2025, ---, --: Karsten Wildberger. Digitalminister soll der Manager Karsten Wildberger werden. Der Chef von Ceconomy, des Mutterkonzerns der Elektronikmarktketten Media Markt und Saturn, soll das neu geschaffene Ressort für Digitalisierung und Staatsmodernisierung übernehmen. Foto: Oliver Roesler
oro-Phot/CECONOMY AG /dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

    Karsten Wildberger, CDU, Digitalminister

    Oliver Roesler oro-Phot/CECONOMY AG/dpa
  • SPD zu VW: ARCHIV - 16.10.2024, Berlin: Verena Hubertz (SPD) nimmt an der Aussprache nach der Regierungserklärung von Kanzler Scholz im Bundestag zum EU-Rat teil. (zu dpa: «SPD-Fraktionsvize warnt vor Job-Abbau bei VW») Foto: Rabea Gruber/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Verena Hubertz, SPD, Ministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

    Rabea Gruber/dpa
  • Carsten Schneider: ARCHIV - 03.04.2025, Berlin: Carsten Schneider (SPD), Ostbeauftragter der geschäftsführenden Bundesregierung, auf der Konferenz der ostdeutschen Regierungschefs in der Vertretung des Freistaates Thüringen. (zu dpa: «Carsten Schneider wird neuer Bundesumweltminister») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Carsten Schneider, SPD, Umweltminister

    Jens Kalaene/dpa
  • Alois Rainer: ARCHIV - 11.09.2020, Berlin: Alois Rainer (CDU/CSU), spricht bei der 172. Sitzung des Bundestags. Debattiert wird über die Beschleunigung von Investitionen. (zu dpa: «Bär soll Forschungsministerin werden - Rainer bekommt Agrar») Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Alois Rainer, CSU, Bundeslandwirtschaftsminister

    Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
  • Member of the Bavarian conservative Christian Social Union (CSU) party Dorothee Baer arrives for the continuation of coalition talks between the conservative CDU/CSU party union and the SPD, on April 8, 2025 at the CDU's headquarters in Berlin. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)

    Dorothee Bär, CSU, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt

    ODD ANDERSEN/AFP
  • Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan: ARCHIV - 10.09.2024, Berlin: Reem Alabali-Radovan (SPD), Staatsministerin der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung und Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus, aufgenommen während einer Pressekonferenz.  Reem Alabali-Radovan ist in ihrem Wahlkreis erneut als Direktkandidatin für die Bundestagswahl nominiert worden. (zu dpa: «Rassismus-Definition für deutsche Verwaltungen ist fertig») Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Reem Alabali-Radovan, SPD, Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

    Soeren Stache/dpa
  • Wolfram Weimer

    Wolfram Weimer, CDU, Kulturstaatsminister

    Thomas Banneyer/dpa
  • Gremiensitzungen CDU: 28.04.2025, Berlin: Jens Spahn (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages, kommt zur Präsidiumssitzung der CDU. Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Jens Spahn, CDU, Fraktionschef der Unionsfraktion

    Fabian Sommer/dpa
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Lars Klingbeil

Lars Klingbeil hat sich in kurzer Zeit bei der SPD in eine absolute Machtposition gebracht. Als Generalsekretär verhalf er 2021 Olaf Scholz ins Kanzleramt, danach stieg der Niedersachse zum Parteichef auf. Nach dem Debakel bei der Wahl 2024 griff er zusätzlich nach dem Fraktionsvorsitz, jetzt wird Klingbeil als Vizekanzler der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt der 47-Jährige für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt muss er sich ins mächtige Finanzressort einarbeiten. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte.

Boris Pistorius

Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt - schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der 65-jährige Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist Pistorius wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt («das schönste Amt der Welt»). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten.

Bärbel Bas

Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas in den vergangenen dreieinhalb Jahren einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die 56-Jährige wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war.

Stefanie Hubig

Stefanie Hubig (56) ist seit 2016 Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz. In der Kultusministerkonferenz ist sie seit 2024 zudem Koordinatorin der SPD-geführten Länder. Doch in Berlin kennt man die SPD-Politikerin vor allem in einer anderen Rolle. Im Bundesjustizministerium begann sie im Jahr 2000 und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats.

Verena Hubertz

Die neue Bauministerin Verena Hubertz ist eine politische Senkrechtstarterin. Die 37-Jährige ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.

Carsten Schneider

Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar. Er versteht sich gut mit dem künftigen Vizekanzler Klingbeil - die beiden waren sogar gemeinsam im Rennrad-Urlaub.

Reem Alabali-Radovan

Auch Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war die 35-Jährige Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter. Als Integrationsbeauftragte machte sie damals keine lange Pause.