• Impfungen gegen das Coronavirus sollen die Pandemie stoppen.
Die dritte Corona-Welle hat nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts in Deutschland begonnen. Um diese möglichst einzudämmen, setzt die Bundesregierung auf Schnelltests und Impfungen. Die Zulassung des Impfstoffs von Johnson & Johnson könnte dabei helfen.

Corona dritte Welle: RKI-Chef betont Wichtigkeit von Impfung

„Wir haben ganz klare Anzeichen dafür: In Deutschland hat die dritte Welle schon begonnen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler im Gespräch mit der UN-Journalistenvereinigung (ACANU) in Genf. „Ich bin sehr besorgt.“ Die strikte Anwendung von Schutzmaßnahmen wie Maske tragen und Abstand halten sei trotz Impfungen weiter dringend nötig. Für den Anstieg der Zahlen spielen auch die Mutationen des Coronavirus eins Rolle.
RKI-Chef Lothar Wieler warnt vor der dritten Welle in Deutschland. (Archivbild)
RKI-Chef Lothar Wieler warnt vor der dritten Welle in Deutschland. (Archivbild)
© Foto: Tobias Schwarz/DPA

Corona Impfung: 80 Prozent Immunität im Herbst

Die Impfkampagne sei ein Wettlauf gegen das mutierende Virus. Die Ziellinie sei aber in Sicht: Wenn es keine Unterbrechungen wegen Produktionsausfällen oder aus anderen Gründen gebe, könnten bis Herbst 80 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus sein. „Wenn das der Fall ist, können alle Maßnahmen aufgehoben werden“, sagte Wieler.

Zulassung für Corona-Impfstoff von Johnson& Johnson

Die EU-Kommission hat am Donnerstag den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen. Mit der Entscheidung der Brüsseler Behörde kann der vierte Impfstoff europaweit verabreicht werden. Es ist der erste, bei dem eine Dosis für den angestrebten Schutz reicht. Zuvor hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in Amsterdam das Präparat zur Zulassung für Menschen ab 18 Jahren empfohlen.
Bei den bereits genutzten Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca sind je zwei Impfungen vorgesehen. Der neue Impfstoff von der Johnson & Johnson-Tochter Janssen wie auch die vorhergehenden wurden bedingt zugelassen. Dafür sind weniger umfangreiche Daten als normalerweise nötig. Diese müssen laut EMA aber zumindest zeigen, dass der Nutzen des Arzneimittels seine Risiken überwiegt.
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erklärte, das Präparat „bringt uns unserem gemeinsamen Ziel, bis Ende des Sommers 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen, einen weiteren Schritt näher“. Laut Kommission „kann Janssen ab dem zweiten Quartal 2021 beginnen, 200 Millionen Dosen“ an die EU zu liefern. Zudem hätten die EU-Länder vertraglich die Möglichkeit zum Kauf weiterer 200 Millionen Dosen. Die Janssen-Dosen kämen zu den 600 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer, 460 Millionen Dosen von Moderna und 400 Millionen Dosen von Astrazeneca hinzu. Insgesamt beläuft sich das Volumen an Impfstoffen, sollte die Option der 200 Millionen Dosen ausgeschöpft werden, auf 1,86 Milliarden Dosen.
Der Impfstoff von Johnson & Johnson basiert wie der von Astrazeneca auf der sogenannten Vektortechnologie, während die von Biontech/Pfizer und Moderna mRNA-Impfstoffe sind. Bei der Vektortechnologie besteht der Impfstoff aus einem anderen, unschädlichen Virus. Es ist so verändert worden, dass es ein Gen zur Herstellung eines bestimmten Proteins des Coronavirus enthält. Das Immunsystem des Geimpften erzeugt dann natürliche Abwehrkräfte gegen dieses Protein. So ist der Körper vorbereitet, wenn sich die Person mit dem Coronavirus anstecken sollte.

Corona Impfung in Arztpraxen: Ab Mitte April impfen Hausärzte

Ein großer Teil der Impfungen - egal mit welchem Vakzin - wird durch Hausärzte vorgenommen werden. Der Start der Massenimpfungen in den Arztpraxen kann sich jedoch bis Mitte April verzögern. Ziel sei es, frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April damit zu beginnen. Das beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Mittwoch nach dreistündigen Video-Beratungen als Empfehlung an die Regierungschefs von Bund und Ländern.
Der Impfstart in den Praxen war am Montag zunächst noch für Anfang April vorgesehen gewesen und steht auch jetzt unter dem Vorbehalt, dass es „die noch zu konkretisierenden Liefermengen der Hersteller für April zulassen“. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte mitgeteilt, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder zeitnah über die Empfehlungen der Gesundheitsministerkonferenz entscheiden wollen.

Impfzentren weiter Teil der Strategie

Der bayerische Gesundheitsminister und derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek (CSU), beschrieb die Strategie als Zwei-Säulen-Modell: „Wir binden ab April die Hausärzte ein, und wir halten an der bewährten Struktur der Impfzentren fest, die die Bundesländer in den vergangenen Monaten aufgebaut haben.“ In der Anfangsphase im April werde noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, damit Ärzte im ganzen Land voll durchstarten könnten. „Aber wenn die Lieferungen so kommen, wie der Bund sie uns in Aussicht gestellt hat, dann können wir die Impfungen bei den Ärzten schnell hochfahren.“

Corona Impfung Deutschland Zahlen: Im Sommer bis zu 10 Millionen Impfdosen pro Woche

Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz rechnet weiter mit einer rasanten Steigerung des Impftempos. „Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten viel mehr Impfdosen zur Verfügung haben. Es werden jede Woche mehr, mehrere Millionen in der Woche müssen verimpft werden. Im Sommer geht es um bis zu 10 Millionen Impfungen in der Woche - in den Impfzentren, in Arztpraxen und Betrieben“, sagte er der „Bild“.
Auch die Zahnärzte boten an, bei den Impfungen zu unterstützen. Zahnärzte seien als approbierte Ärzte grundsätzlich dazu befähigt, Impfungen durchzuführen, sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Wolfgang Eßer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Mit ihrer Expertise und Fachkompetenz hat die Zahnärzteschaft schon frühzeitig ihre Unterstützung bei Test- und Impfmaßnahmen angeboten. Das Angebot gilt weiterhin.“

Karl Lauterbach für Corona-Impfung beim Hausarzt

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht derweil nicht davon aus, dass die Einbindung der Hausärzte in die Corona-Impfstrategie vor Ende April große Auswirkungen haben wird. „Es ist richtig, die Hausärzte in die Impfstrategie einzubinden, auch wenn sich dadurch das Impftempo wegen des Mangels an Dosen bis Ende April noch nicht wesentlich erhöhen lässt“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“.

Corona weltweit: Mehr als zwei Millionen Corona-Tote

Die WHO hatte den Ausbruch des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt. Zu dem Zeitpunkt waren weltweit 118.000 Infektionen gemeldet und knapp 4300 Menschen nach einer Infektion gestorben. Ein Jahr später sind es nach der WHO-Statistik fast 120 Millionen gemeldete Infektionen weltweit und gut 2,6 Millionen Todesfälle.