Bundestagswahl 2025
: Friedrich Merz ist zum Erfolg verpflichtet

Die Regierungsbildung wird nicht leicht – doch das darf jetzt keine Rolle spielen. Friedrich Merz muss eine funktionierende, erfolgreiche Regierung organisieren, um einen Triumph der Rechten in vier Jahren zu verhindern.
Kommentar von
Ulrich Becker
Ulm
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Bundestagswahl - CDU-Wahlparty: 23.02.2025, Berlin: Friedrich Merz (CDU), Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat, steht im Konrad-Adenauer-Haus nach der Prognose zum Ergebnis der Bundestagswahl auf der Bühne. Am Sonntag fand die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wahlsieger Friedrich Merz kündigte am Sonntagabend an, schnell eine Regierung zu bilden.

Michael Kappeler/dpa

Jetzt ist es amtlich: Das Land bekommt einen neuen Kanzler, die Union ist der klare Wahlsieger – auch wenn Friedrich Merz und die CDU/CSU von einem besseren Ergebnis geträumt hatten. Die Inhalte der Union haben in vielen Fällen den Nerv getroffen, als Menschenfänger hingegen hat sich der Spitzenkandidat nicht erwiesen.

Die Regierungsbildung wird für den Sauerländer nicht leicht: Sollte es für ein Zweierbündnis reichen, muss er mit einer angeschlagenen SPD in eine Koalition, die sich nach ihrer verheerenden Niederlage erst wieder neu finden muss.

Kämen – falls der Einzug des BSW die Mehrheits-Arithmetik verschiebt – die Grünen hinzu, würde das Dreierbündnis mit dem erfolglosen Spitzengrünen Robert Habeck zur Nagelprobe für den Unionsfrieden: Der Anti-Grünen-Einflüsterer Markus Söder hatte eine Zusammenarbeit mit ihm stets ausgeschlossen. Zentrale Unions-Forderungen wie die Zurückweisung von Migranten stünden auf der Kippe.

Die gefühlten Sieger dieser Wahl sitzen allerdings ganz woanders: Die AfD hat im Vergleich mit der Bundestagswahl im September 2021 ihren Stimmenanteil nahezu verdoppelt. Die Themen der rechten und rechtsextremen Kräfte verfangen bei den Unzufriedenen weiterhin, auch wenn die schlimmsten Befürchtungen ausgeblieben sind.​

Vom Kampf gegen die AfD haben die Linken profitiert: Ihre über acht Prozent sind ein kleines Wunder, misst man diesen Anteil an den Erfolgsaussichten der Partei von vor etwa sechs Wochen. Vor allem Jung- und Erstwähler haben mit der Linken die Option gewählt, die am allerweitesten vom rechten Lager entfernt ist.​

Kleines Wunder für die Linken

Für die zukünftige Koalition stellen die starken Ränder ein grundsätzliches Problem dar: Grundgesetzänderungen, etwa zur Reform der Schuldenbremse, werden in dieser Konstellation nahezu unmöglich. Doch das alles darf keine Rolle spielen: Es gilt, was auch die Kandidaten selbst in den Talkrunden immer wieder betont haben: Diese Legislatur muss ein Erfolg werden, andernfalls ist ein Triumph der Rechten in vier Jahren kaum noch zu verhindern.

Anm. d. Red.: Dieser Kommentar wurde mit Blick auf die Hochrechnungen leicht aktualisiert.

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