Bundestagswahl 2025
: Erneute Kanzlerkandidatur – Scholz und SPD glauben weiter an Aufholjagd vor Wahl

Die SPD stellt sich fast geschlossen hinter Olaf Scholz und kürt ihn erneut zum Kanzlerkandidaten. Während 2021 Scholz noch von den Fehlern anderer profitiert hat, ist die Ausgangslage inzwischen eine andere.
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AFP STATISTISCH
Berlin
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SPD-Bundesparteitag: 11.01.2025, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) winkt zu den Delegierten nach seiner Kür zum SPD-Kanzlerkandidaten beim außerordentlichen Bundesparteitag. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) winkt zu den Delegierten nach seiner Kür zum SPD-Kanzlerkandidaten beim außerordentlichen Bundesparteitag.

Michael Kappeler/dpa
  • SPD-Parteitag nominierte Olaf Scholz erneut als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2025.
  • Trotz schwacher Umfragewerte hoffen Scholz und die SPD auf ein „Wahlkampfwunder“ wie 2021.
  • Wahlforscher bezweifeln eine erneute Aufholjagd; Scholz steht für die schlechte Bilanz der Ampel-Regierung.
  • Wichtige Themen für Wähler sind aktuell die Wirtschaftslage und Migration.
  • Chancen für SPD auf Platz eins werden als extrem unwahrscheinlich eingeschätzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Fast einmütig hat der SPD-Parteitag Amtsinhaber Olaf Scholz am Samstag wieder zum Kanzlerkandidaten gemacht. Scholz und die SPD wollen nun in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl gegen die schwachen Umfragewerte ankämpfen. Wahlforscher sind aber äußerst skeptisch, dass Scholz eine ähnliche Aufholjagd wie 2021 noch gelingen kann.

Aus seiner Zeit als Hamburger Regierungschef wisse er, dass Wahlkämpfe auch im Winter ein gutes Ende finden könnten. „In Hamburg habe ich mich zweimal im Februar zur Wahl gestellt und zweimal gewonnen“, sagte Scholz. Später sagte er im Sender Phoenix, die SPD starte bei der Bundestagswahl zwar „nicht aus der Pole Position“. Er wolle aber dafür sorgen, dass die Partei „wie beim letzten Mal (...) am Ende doch das Rennen macht“.

Danach sieht es bisher nicht aus: Die SPD stand bei der Nominierung von Scholz zum Kanzlerkandidaten Ende November bei 14 bis 16 Prozent. Die ersten Umfragen in diesem Jahr geben ihr 14 bis 17 Prozent - in den sieben Wochen hat sich damit de facto nichts bewegt.

SPD hofft auf ein „Wahlkampfwunder“

Die SPD bleibt meist weiter auf Platz drei hinter der AfD und weit abgeschlagen hinter der führenden Union, die bei 29 bis 33 Prozent verortet wird. Im ZDF-"Politbarometer“ rutschte die SPD nun sogar auf Platz vier hinter die Grünen.

Die Sozialdemokraten hoffen dennoch weiter auf ein „Wahlkampf-Wunder“ wie 2021. Auch damals war die SPD mit Umfragewerten unter 15 Prozent gestartet, sie ging dann mit 25,7 Prozent als Gewinnerin über die Ziellinie.

Die SPD sei in den Umfragen „noch nicht da wo wir hinwollen“, räumte Ko-Parteichefin Saskia Esken vor den Parteitagsdelegierten ein. „Manch einer hat uns schon abgeschrieben.“ Die SPD lasse sich davon „mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken“.

Das klingt wie Pfeifen im Walde, tatsächlich zeigt 2021 aber auch: Die Aufholjagd der SPD fand erst kurz vor der Wahl statt. Sechs Wochen vor dem Urnengang sprangen die SPD-Werte plötzlich über 20 Prozent. Drei Wochen vor der Wahl lagen die Sozialdemokraten dann an der Spitze.

Ausgangslage für Scholz im Vergleich zu 2021 deutlich schwieriger

Doch Meinungsforscher verweisen auf wesentliche Unterschiede zur letzten Bundestagswahl. „2021 profitierte Scholz ganz klar von den Fehlern der anderen“, sagt Peter Matuschek vom Meinungsforschungsinstitut Forsa der Nachrichtenagentur AFP. Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sei damals wegen einer Plagiatsaffäre „entzaubert“ worden, der Unionskandidat Armin Laschet (CDU) habe Fehler gemacht, wie den Lacher beim Besuch eines Flutgebiets nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal.

Heute sei für Scholz die Ausgangslage „deutlich schwieriger“, sagt Roland Abold vom Meinungsforschungsinstitut infratest dimap AFP. Er sei damals trotz seiner Ministerzeit als Kanzlerkandidat „neu und relativ unverbraucht“ erschienen. „Heute steht er maßgeblich für die schlechte Regierungsbilanz und wird mit dem Scheitern der Ampel-Regierung identifiziert.“ Matuschek pflichtet bei: „Bei Scholz haben wir selten Werte für einen amtierenden Bundeskanzler gesehen, die so schlecht waren.“

Wichtigste Themen für die Wählerinnen und Wähler seien derzeit die Wirtschaftslage und Migration, sagt infratest-Experte Abold. „Hier ist es aktuell um die Kompetenzen, die der SPD bescheinigt werden, nicht so gut bestellt.“ Den bisherigen Fokus der SPD auf soziale Kernthemen wie Mindestlohn und Rente hält Forsa-Experte Matuschek nicht für erfolgversprechend: Das stoße zwar nicht auf Ablehnung, soziale Themen seien in der Mitte der Gesellschaft „aber für viele nicht so wichtig“.

Das Fazit der Wahlforscher: Beide bezeichnen es als „extrem unwahrscheinlich“, dass es die SPD noch auf Platz eins schafft. „Der Abstand zur Union ist einfach zu groß“, meint Matuschek. Scheitert Scholz mit seinem Aufholplan, wird er als SPD-Kanzler mit der kürzesten Amtszeit in die Parteigeschichte eingehen.