Appell von 200 deutschen Künstlern
: „Lassen Sie Gaza nicht sterben, Herr Merz“

Dringender Appell Kulturschaffender in Deutschland: Angesichts der Hungerkrise in Gaza fordern mehr als 200 Künstler und Schauspieler Kanzler Merz zu einem Stopp von Waffenexporten an Israel auf.
Von
afp/rom
Berlin
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Joko Winterscheidt moderiert das ProSieben-Erfolgsformat „Wer stiehlt mir die Show?“

Joko Winterscheidt freut sich bei der Verleihung vom Deutschen Fernsehpreis 2022 über die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Unterhaltung Show" für "Wer stiehlt mir die Show?". Mit einer Primetime-Show geht die zweitägige Verleihung der Deutschen Fernsehpreise weiter. +++ dpa-Bildfunk +++

„Worte alleine retten keine Leben“: Prominente aus Kultur und Showbusiness, darunter Moderator Joko Winterscheidt, appellieren an die Bundesregierung.

Marius Becker / dpa
  • Über 200 deutsche Künstler fordern Kanzler Merz zu einem Stopp von Waffenexporten an Israel auf.
  • Der Appell kritisiert die humanitäre Lage in Gaza und verlangt ungehinderten Zugang für Hilfsgüter.
  • Zentrale Forderungen: Waffenstopp, Aussetzen des EU-Israel-Abkommens, sofortiger Waffenstillstand.
  • 28 Staaten drängen auf Kriegsende in Gaza – Deutschland schloss sich diesem Appell nicht an.
  • Merz kündigte eine Luftbrücke für Hilfsgüter an, die von Hilfsorganisationen als unzureichend gilt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Angesichts der verheerenden humanitären Lage im Gazastreifen haben mehr als 200 Kulturschaffende Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem offenen Brief zu konkreten Maßnahmen aufgefordert. „Sie haben in den letzten Tagen Stellung bezogen und die israelische Regierung kritisiert“, hieß es in dem Schreiben, welches dem Magazin „Spiegel“ vorliegt, und unter anderem von dem Moderator Joko Winterscheidt und den Schauspielern Benno Fürmann und Anna Thalbach unterzeichnet wurde.

„Wir würdigen das, doch eines ist klar: Worte alleine retten keine Leben“, hieß es in dem Brief weiter. Konkret fordern die insgesamt mehr als 200 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, die „die grauenvollen Verbrechen der Hamas aufs Schärfste“ in dem Brief verurteilen, drei Maßnahmen:

28 Staaten fordern sofortigen Stopp des Kriegs in Gaza

Israel steht angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen nach fast 22 Monaten Krieg international immer mehr unter Druck. 28 Staaten unterzeichneten in der vergangenen Woche einen Appell an Israel zu einer sofortigen Beendigung des Krieges im Gazastreifen. Deutschland gehörte nicht zu den Unterzeichner-Staaten.

Am Montag kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Luftbrücke für Hilfsgüter für den Gazastreifen gemeinsam mit Jordanien an. Hilfsorganisationen kritisierten die Maßnahme als unzureichend. Auch die israelische Regierung, die zwar eine Hungersnot in Gaza weiterhin dementiert, lenkte ein und ließ zuletzt mehr Hilfsgüter in den Küstenstreifen.

Kanada, Großbritannien und Frankreich erhöhen den Druck

International schwindet angesichts des Gaza-Krieges der internationale Rückhalt der Regierung von Benjamin Netanjahu. So hat nach Frankreich und Großbritannien auch Kanada eine Anerkennung eines Palästinenserstaates bei der UN-Vollversammlung im September in Aussicht gestellt. „Kanada beabsichtigt, den Staat Palästina bei der 80. Sitzung der UN-Vollversammlung im September 2025 anzuerkennen“, erklärte der kanadische Premierminister Mark Carney am Mittwoch vor Journalisten in Ottawa. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas begrüßte die „historische“ Entscheidung. Israel verurteilte die Ankündigung und prangerte eine „internationale Kampagne des Drucks“ an.

Die Entscheidung sei von Kanadas „langjähriger“ Überzeugung von einer Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt geprägt, erklärte Carney mit Blick auf die Idee einer friedlichen Koexistenz eines Palästinenserstaats an der Seite Israels. Die Möglichkeit einer solchen Lösung „schwindet vor unseren Augen“, betonte der Regierungschef. Carney verwies auch auf das „unerträgliche“ Leid der Menschen im Gazastreifen und das „anhaltende Versagen“ Israels, im Krieg gegen die Hamas eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden.

Kanada folgte mit der Ankündigung dem Beispiel Frankreichs und Großbritanniens. Paris hatte in der vergangenen Woche angekündigt, im September einen Palästinenserstaat anerkennen zu wollen. Am Dienstag stellte dann auch die britische Regierung die mögliche Anerkennung eines palästinensischen Staates in Aussicht.