Lebensmittel und Medikamente
: Israel reagiert auf Kritik: Erste Hilfslieferungen erreichen Gaza

Viele Menschen im abgeriegelten Küstenstreifen leiden Hunger. Seit März lässt Israel nur wenige Hilfslieferungen durch. Angesichts wachsender Kritik hat das Militär nun eine Kehrtwende angekündigt.
Von
dpa
Gaza
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Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern stehen am Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen an. (zu dpa: «Kolonne von 100 Lkws mit Hilfslieferungen erreicht Gaza»)

Mohammed Arafat/AP/dpa
  • Israel öffnet erstmals seit Monaten Grenzübergang für 100 Lastwagen mit Hilfsgütern nach Gaza.
  • Humanitäre Feuerpause von 10 bis 20 Uhr in Teilen Gazas angekündigt, sichere Korridore eingerichtet.
  • UN warnt vor Hungerkrise, 2 Millionen Menschen in Gaza betroffen – Israel weist dies zurück.
  • Bundeskanzler Merz drängt Netanjahu auf Waffenruhe und mehr humanitäre Hilfe.
  • Deutschland, Frankreich und UK fordern Waffenruhe und Freilassung der Geiseln durch Hamas.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor dem Hintergrund einer drohenden Hungerkrise im Gazastreifen erreichen erstmals seit Monaten Hilfslieferungen im großen Stil das abgeriegelte und umkämpfte Küstengebiet: Am Sonntag fuhr eine Kolonne von rund 100 Lastwagen mit Gütern für die notleidende Bevölkerung über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom in den Gazastreifen, wie Quellen im Palästinensergebiet bestätigten.

Wenige Stunden zuvor hatte das israelische Militär angekündigt, bis auf Widerruf jeden Tag von 10 bis 20 Uhr Ortszeit eine selbst erklärte humanitäre Feuerpause in Teilen des Gazastreifens einzuhalten. Die Pause gelte in den Gebieten, in denen die Armee nicht operiere: Al-Mawasi im Südwesten des abgeriegelten Küstenstreifens, in Deir al-Balah im Zentrum sowie in der Stadt Gaza im Norden.

Ferner würden von 6 bis 23 Uhr Ortszeit Korridore eingerichtet, um die sichere Durchfahrt von Konvois der UN- und anderer Hilfsorganisationen zu ermöglichen, die Lebensmittel und Medikamente an die Bevölkerung im gesamten Gazastreifen liefern und verteilen, teilte die Armee weiter mit.

Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern fahren in den Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen ein. (zu dpa: «Kolonne von 100 Lkws mit Hilfslieferungen erreicht Gaza»)

Mohammed Arafat/AP/dpa

Seit März nur wenig Hilfsgüter nach Gaza gelangt

Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher begrüßte die Ankündigung des israelischen Militärs. „Mit unseren Teams vor Ort werden wir alles tun, was wir können, um in diesem Zeitfenster so viele hungrige Menschen wie möglich zu erreichen“, schrieb er auf der Plattform X.

Mit der Öffnung humanitärer Korridore und mit den befristeten Einstellungen der Kampfhandlungen reagierte Israel auf weltweit wachsende Kritik auf seine Kriegsführung im Palästinensergebiet. Seit der Beendigung einer Waffenruhe durch Israel im März sind nur noch wenige Hilfsgüter dorthin gelangt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte zuletzt vor einer tödlichen Hungerkrise unter den rund zwei Millionen Bewohnern des Gazastreifens. Israel bestreitet die Gefahr einer tödlichen Hungerkrise und spricht stattdessen von einer „Kampagne“ der islamistischen Hamas.

Auslöser des Gaza-Kriegs war der Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seither sind laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde fast 60.000 Menschen getötet worden. Die unabhängig nicht überprüfbaren Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Sie werden aber von UN-Organisationen als weitgehend zuverlässig angesehen.

Merz telefoniert mit Netanjahu

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat derweil erneut mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu telefoniert und auf eine Verbesserung der humanitären Lage im Gazastreifen gedrungen. „Der Bundeskanzler brachte seine große Sorge zur katastrophalen humanitären Lage in Gaza zum Ausdruck. Er forderte Premierminister Netanjahu auf, alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um umgehend einen Waffenstillstand zu erreichen“, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit.

Merz habe Netanjahu dazu aufgerufen, der hungernden Zivilbevölkerung in Gazastreifen die dringend notwendige humanitäre Hilfe jetzt zukommen zu lassen. „Den von der israelischen Regierung angekündigten Maßnahmen müssten nun rasch substanzielle weitere Schritte folgen“, hieß es aus Berlin. Die Bundesregierung wolle in den nächsten Tagen in Absprache mit den E3 (Frankreich und Großbritannien), anderen europäischen Partnern, den USA und den arabischen Staaten entscheiden, wie sie zu einer Verbesserung der Lage beitragen könne.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten bereits am Freitag eine Erklärung veröffentlicht, in der sie eine sofortige Waffenruhe im Gaza-Krieg und die umgehende und bedingungslose Freilassung aller israelischen Geiseln fordern, die die Terrororganisation Hamas in dem Küstengebiet festhält.

Der Regierungssprecher bekräftigte, dass eine Anerkennung Palästinas für Deutschland aktuell nicht auf der Tagesordnung stehe. Die Bundesregierung betrachte sie weiter als einen der abschließenden Schritte auf dem Weg hin zur Verwirklichung einer Zwei-Staaten-Lösung.