Deutschland steuert in eine Rezession. Das, was lange befürchtet wurde wird nun Realität: Drei Quartale hintereinander werde die Wirtschaft schrumpfen, im zu Ende gehenden Sommerquartal, im Herbst und Anfang 2023. Für das Gesamtjahr 2022 rechnen die Experten wegen des besseren ersten Halbjahrs noch mit einem kleinen Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, für 2023 sagen sie dann einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent voraus.
Das eine Rezession nichts Gutes bedeutet, wissen die meisten. Doch warum genau? In diesem Text erklären wir, was eine Wirtschaftskrise für den normalen Menschen bedeuten könnte.

Rezession Definition: Was bedeutet das Wort überhaupt?

Das Wort „Rezession“ kommt vom lateinischen „recedere“ was zurückweichen, zurückziehen, weggehen bedeutet. Eine Rezession ist also ein „Rückzug“ bzw. ein Schrumpfen der Wirtschaft. Eine Wirtschaft stürzt dann in eine Rezession, wenn sie an zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgeht. Verschlimmert sich eine Rezession, dann fällt die Wirtschaft in eine Depression. Ökonomen sprechen von einer Depression, wenn die Wirtschaft über einen längeren Zeitraum schrumpft. Die letzte „Große Depression“ (englisch: Great Depression“) war von 1929 bis 1939 nach dem Börsencrash, als die Welt in einer Weltwirtschaftskrise gestürzt wurde.

Rezession 2023: Was bedeutet sie für den Bürger?

Viel wird aktuell von einem „Wohlstandsverlust“ in Deutschland gesprochen. Damit ist gemeint, dass in einer Rezession viele Bürgerinnen und Bürger in der Tat weniger haben. Der Durchschnittsbürger wird ärmer. Das liegt auch an der hohen Inflation: Die Menschen geben weniger Geld aus, weil sie sich durch die gestiegenen Preise weniger leisten können. Daran leiden auch die Unternehmen: Sie machen weniger Profit und bleiben auf Lagerbeständen sitzen. Das kann dazu führen, dass die Unternehmen gezwungen sind, Menschen zu entlassen. Eine hohe Arbeitslosenquote häufig die Folge einer Rezession. Das führt zu einem Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist: die vielen Arbeitslosen stehen vor großen Problemen und können noch weniger Geld ausgeben, was die Unternehmen noch weiter in die Krise stürzt. Dadurch müssen mehr Arbeiter entlassen werden und der Kreislauf beginnt von vorne.
In der Industrie führen Inflation und Rezession ebenso zu Produktionsschwierigkeiten. Durch gestiegene Preise fällt es Unternehmen schwer, ihre Produkte herzustellen und auszuliefern, z.B. weil Teile oder Rohstoffe so viel teurer werden, dass sich das Unternehmen diese kaum noch leisten können. Auch das führt langfristig zu Arbeitslosigkeit.
Ob 2023 wirklich eine hohe Arbeitslosigkeit droht, ist aber nicht sicher. Denn in Deutschland erleben wir zugleich einen erheblichen Fachkräftemangel. Unternehmen haben Probleme, überhaupt Stellen zu besetzen, da die richtigen Kräfte fehlen. Es stellt sich also die Frage, ob Unternehmen in dieser Situation wirklich Arbeiter entlassen, die sie später womöglich brauchen. Damit wäre die aktuelle Rezession sehr anders als vorangegangene, sodass Ökonomen nicht sicher sagen können, was die Folgen sind.

Rezessionen in Deutschland seit 1945

Natürlich ist es nicht die erste Wirtschaftskrise, die das Land durchleben wird. Hier eine Liste der Rezessionen in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs:
  • 1966/67 (Einbruch nach dem Wirtschaftswunder)
  • 1974/75 (Erste Ölkrise)
  • 1980-82 (Zweite Ölkrise)
  • 1991-93 (Wiedervereinigung)
  • 2002/03 (Dot-Com-Bubble)
  • 2008/09 (Finanzkrise)
  • 2012/13 (Eurokrise)
  • 2020 (Corona)

Pleitewelle als Folge einer Rezession?

Der Fall des Düsseldorfer Klopapierherstellers Hakle ließ aufhorchen: Das Unternehmen ist wegen der stark gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten zum Sanierungsfall geworden und teilte Anfang September mit, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt zu haben. Eine Pleitewelle lässt sich anhand bisher vorliegender Zahlen nicht ausmachen: Im ersten Halbjahr zählte das Statistische Bundesamt mit 7113 Unternehmensinsolvenzen vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Firmenpleiten innerhalb der nächsten zwölf Monate um bis zu 40 Prozent steige, teilte der Verband der Insolvenzverwalter mit: „Dies wäre allerdings auf der historisch niedrigen Basis keine Insolvenzwelle, sondern eine Normalisierung der Zahlen.“ Commerzbank-Chef Manfred Knof befürchtet ebenfalls keine Pleitewelle: Aus Gesprächen mit Kunden nehme er wahr, „dass sie natürlich besorgt sind und dass schwierige Zeiten auf uns zukommen. Aber es ist überhaupt kein Grund für Panikmache“, sagte Knof Anfang September.

Bundesbank sieht Lichtblick auf dem Arbeitsmarkt

Auch die Bundesbank sieht in ihrem Monatsbericht für Oktober das Land kurz vor einer Rezession. Doch es gibt auch Hoffnung: Ein Lichtblick ist der robuste Arbeitsmarkt. „In vielen Bereichen ist die Arbeitsnachfrage hoch“, stellt die Bundesbank fest. „Über die Breite der Wirtschaft ist im Laufe des Winterhalbjahres also nicht von einer signifikanten Verschlechterung am Arbeitsmarkt auszugehen.“
mit dpa