Die Inflation liegt in Deutschland aktuell bei 10 Prozent, so hoch, wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die Preise steigen schnell an – so schnell, dass der Wohlstand hierzulande droht, massiv zu verfallen. Das macht vielen Menschen Angst und sie fragen sich, wie wir aus diesem Schlamassel wieder rauskommen. Wie geht die Inflation wieder vorbei? Wir stellen Szenarien vor, die jetzt möglich sind.

Inflationsrate aktuell: Das ist der Stand der Dinge

Aktuell befindet sich Deutschland, wie auch große Teile der restlichen westlichen Welt, in einer Zeit der hohen Inflation. Das bedeutet: Die Preise steigen und die Bevölkerung wird dadurch ärmer. Die Wirtschaft leidet oft mit, da sie sowohl von den höheren Preisen (z.B. für Energie) betroffen ist, aber auch unter der sinkenden Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger leidet. Insgesamt stellen aber Ökonomen fest, dass Inflation für die Wirtschaft nicht immer schlecht ist. Deshalb gilt eine geringe Inflationsrate von rund 2 Prozent als Zeichen einer gesunden Wirtschaft.
Es gibt drei Phasen der Inflation: Die steigende Inflation (Phase 1), die stabilisierte Inflation (Phase 2) und die Disinflation (Phase 3). Im Moment befinden wir uns in Phase 1, wie eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts zeigt. Die Preise in Deutschland werden nach dessen Erwartung in den kommenden Monaten nahezu flächendeckend weiter steigen. Nach der monatlichen Unternehmensumfrage des Instituts wollen im Lebensmittelhandel alle Unternehmen durchgängig die Preise erhöhen. Auch Gas und Strom werden sich laut Einschätzung der Münchner Ökonomen weiter verteuern, ebenso wie die Preise in der Gastronomie. „Die Inflationswelle dürfte daher leider noch nicht abebben“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Das Ifo-Institut befragt für seine Konjunkturprognosen monatlich mehrere tausend Unternehmen, dabei geht es auch um Preiserwartungen. Demnach planen im Saldo 100 Prozent der Lebensmittelhändler Preiserhöhungen und über 92 Prozent der Drogerien. Bei Blumen, Pflanzen waren es knapp 90 Prozent, bei Fahrrädern und Schreibwaren jeweils deutlich über 80 Prozent. In der Gastronomie waren es über 87 Prozent, bei Hotels gut 62 Prozent. Ähnlich verhält es sich in einigen Industriezweigen wie der Bekleidungs- oder Elektroindustrie.

Was kommt nach der Inflation?

Bei einer so hohen Inflationsrate wie wir sie derzeit erleben, müssen die Zentralbanken handeln. Das Problem: aktuell ist die Entscheidung zu handeln, eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Denn wenn die Zentralbanken die Inflation nicht bekämpfen, dann wächst die Gefahr, dass sich die Teuerungsrate noch mehr erhöht und wir sogar in eine Hyperinflation rutschen. Aber auch die Bekämpfung der Inflation ist schädlich für die Wirtschaft und Ökonomen erwarten dadurch eine Rezession. Das liegt daran, dass die Zentralbanken zur Bekämpfung er Inflation den Leitzins anhaben müssen. Das hat zur Folge, dass Kredite teurer werden und dadurch weniger Unternehmen investieren, Privatpersonen weniger Häuser und Wohnungen kaufen. Das würgt letztlich die Wirtschaft ab – und die Preise müssen wieder nachgeben. Wir kommen so in Phase 2 und 3 der Inflation. Der Nebeneffekt dieses Handelns ist aber die Rezession. Und das führt unweigerlich zu noch mehr Leid. Tatsächlich sind Ökonomen in Deutschland überrascht, das wir nicht schon längst in einer stecken.

Hyperinflation

Das Gespenst der Inflation: Die Hyperinflation. Eine Hyperinflation wird definiert als eine Inflationsrate von über 50 Prozent. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Hyperinflation wie folgt:
„Bei Hyperinflation nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu, da jeder sein Geld möglichst sofort für Güter ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.“
In Deutschland kennen wir aus Geschichtsbüchern die Bilder aus der Hyperinflation in der Weimarer Republik: Menschen, die Geldscheine in Koffern herumtrugen, um beim Bäcker einzukaufen. Im Jahr 1923 konnte man für 1 US-Dollar 4,2 Billionen Mark bekommen. Seitdem verfolgt Deutschland die Angst vor einer solcher Hyperinflation wie ein Gespenst. Eine Hyperinflation stört das normale Funktionieren einer Wirtschaft massiv und führt zu sozialen Spannungen und zu großem Misstrauen in die Regierung.
Ein Gutschein über fünfhundert Milliarden Mark, ausgegeben von der Bayerischen Staatsbank 1923.
Ein Gutschein über fünfhundert Milliarden Mark, ausgegeben von der Bayerischen Staatsbank 1923.
© Foto: dpa

Rezession

Das Wort „Rezession“ kommt vom lateinischen „recedere“ was zurückweichen, zurückziehen, weggehen bedeutet. Eine Rezession ist also ein „Rückzug“ bzw. ein Schrumpfen der Wirtschaft. Eine Wirtschaft stürzt dann in eine Rezession, wenn sie an zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgeht. Verschlimmert sich eine Rezession, dann fällt die Wirtschaft in eine Depression. Ökonomen sprechen von einer Depression, wenn die Wirtschaft über einen längeren Zeitraum schrumpft. Die letzte „Große Depression“ (englisch: Great Depression“) war von 1929 bis 1939 nach dem Börsencrash, als die Welt in einer Weltwirtschaftskrise gestürzt wurde. Was eine Rezession für die normalen Bürger bedeutet, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ist die Rezession also unausweichlich?

Aktuell müssen wir diese Frage leider mit einem „Ja“ beantworten. Wie oben bereits beschrieben sind Ökonomen schon überrascht, dass wir noch nicht in einer sind. Das ist vielleicht ein gutes Zeichen, vielleicht wird die Rezession und nicht so schwer treffen. Das bleibt aber abzuwarten.
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem Herbstgutachten damit, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr - wegen des guten ersten Halbjahrs - noch um insgesamt 1,4 Prozent wachsen wird. Bereits im dritten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber schon leicht geschrumpft sein, und im Winterhalbjahr sei ein deutlicher Rückgang zu erwarten.
Im kommenden Jahr werde das BIP daher insgesamt um 0,4 Prozent zurückgehen. Ausgehend von diesem niedrigen Niveau erwarten die Forscher 2024 wieder ein Wachstum von 1,9 Prozent.