Der linksgerichtete frühere Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien gewonnen. Die Wahlbehörden erklärten Lula am Sonntag nach Auszählung von fast allen Wahllokalen mit rund 51 Prozent der Stimmen in der Stichwahl zum Sieger der Präsidentschaftswahl. "Dieses Land braucht "Frieden und Einheit“, erklärte Lula in São Paulo vor jubelnden Anhängern. Der rechtsradikale Amtsinhaber Jair Bolsonaro erhielt 49 Prozent der Stimmen. Noch immer hat er sich nicht zu Wort gemeldet.
  • Wie sehen die Hochrechnungen und Prognosen aus? Wann gibt es Ergebnisse?
  • Kandidaten: Wer steht in Brasilien zur Wahl?
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Wahl in Brasilien: Lula gewinnt - das sind die Ergebnisse

Mit einem äußerst knappen Ergebnis hat der Linkspolitiker Luiz Inácio Lula da Silva die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gewonnen. Lula erhielt 50,9 Prozent der Stimmen, wie die Wahlbehörde am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte. Auf den rechtsextremen Amtsinhaber Jair Bolsonaro entfielen 49,1 Prozent der Stimmen. Aus zahlreichen Ländern erreichten den ehemaligen Gewerkschaftsführer, der das größte Land Lateinamerikas bereits von 2003 bis 2011 regiert hatte, Glückwünsche. Auch Umweltschützer zeigten sich erleichtert. Bolsonaro schwieg zunächst zu seiner Niederlage
Luiz Inácio Lula da Silva küsst seinen Stimmzettel bei der Wahl 2022.
Luiz Inácio Lula da Silva küsst seinen Stimmzettel bei der Wahl 2022.
© Foto: Lincon Zarbietti/dpa

Bolsonaro schweigt weiter: Erkennt er die Ergebnisse an?

Amtsinhaber Bolsonaro äußerte sich bis Montagvormittag (Ortszeit) zunächst nicht zu seiner Niederlage. Selbst seine engsten Mitarbeiter konnten ihn laut brasilianischen Medien nicht erreichen. Er sei am Wahlabend früh ins Bett gegangen, hieß es. Am Montagmorgen habe Bolsonaro wortlos seine Residenz in Brasília verlassen. Viele Brasilianer befürchten, dass der Ex-Militär das Wahlergebnis nicht akzeptieren wird. Bolsonaro hatte im Wahlkampf das elektronische Wahlsystem infrage gestellt und mit Behauptungen über Wahlbetrug provoziert. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder gewaltsame Aktionen von Alliierten Bolsonaros gegeben.
Verschiedene Vertreter von staatlichen Institutionen machten jedoch noch in der Wahlnacht klar, dass sie das Wahlergebnis anerkennen. So war Parlamentspräsident Arthur Lira, einer der engsten Verbündeten Bolsonaros, unter den ersten Politikern, die Lulas Sieg anerkannten.

Wahlbeteiligung: Wahlpflicht verspricht hohe Beteiligung

In Brasilien gilt eine Wahlpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger zwischen 18 und 70 Jahren. Wählen dürfen auch alle Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren und alle, die über 70 sind. Bei diesen Gruppen ist es aber nicht verpflichtend. Entsprechend hoch wird die Wahlbeteiligung in Brasilien sein: In der ersten Runde haben 80 Prozent der Stimmberechtigten ihre Stimmen abgeben, 20 Prozent blieben fern.
Wer in Brasilien seiner Wahlpflicht nicht nachkommt, muss entweder eine Erklärung - z.B. Krankheit - dafür liefern oder ein Bußgeld zahlen. Wer nicht wählt, dem kann auch der Zugang zu bestimmten Dienstleistungen verwehrt werden. So müssen Brasilianer und Brasilianerinnen bei der Beantragung eines Reisepasses nachweisen, dass sie bei der letzten Wahl abgestimmt haben.

Kandidaten in Brasilien: Bolsonaro gegen Lula

Im ersten Wahlgang gab es sieben Kandidaten, für die sich die Brasilianer und Brasilianerinnen entscheiden konnten. Nach der Auszählung der Stimmen war klar, dass es eine Stichwahl geben würde: keiner der Kandidaten konnte mehr als 50 Prozent der Stimmen gewinnen. Luiz Inácio Lula da Silva kam auf 48,42 Prozent, der rechtsextreme Amtsinhaber Jair Bolsonaro erhielt 43,21 Prozent der Stimmen. Somit gibt es bei der Stichwahl folgende Kandidaten:
Der aktuelle Präsident von Brasilien ist der 2018 gewählte Jair Bolsonaro. Bolsonaro ist ein rechtsextremer Politiker, der in den letzten Jahren häufig den Spitznamen „Tropen-Trump“ bekommen hat. Ähnlich wie der ehemalige Präsident der USA schürt auch Bolsonaro vor der Wahl Zweifel am Wahlsystem. „Es ist unmöglich, dass wir im ersten Wahlgang nicht gewinnen“, sagte er noch vor dem ersten Durchgang. Beobachter befürchten, dass sich in Brasilien nach einer möglichen Niederlage Bolsonaros Szenen wie am 6. Januar 2021 in Washington abspielen: Dort hatten bewaffnete Trump-Anhänger das Kapitol gestürmt, mehrere Menschen starben. Bolsonaro hat schon vier Mal die Partei gewechselt. 2022 gehört er der Liberalen Partei „Partido Liberal“ an.
Bolsonaro tritt gegen den Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva – kurz „Lula“ – an. Lula war von 2003 bis 2011 bereits Präsident von Brasilien. Er gehört der linksgerichteten Arbeiterpartei „Partido dos Trabalhadores“ an. Der Ex-Gewerkschafter Lula erhält seine meiste Unterstützung im armen Nordosten des Landes und unter den Menschen mit einem geringen und mittleren Einkommen. Er will das Sozialsystem „Bolsa Família“ für arme Familien ausbauen, untere Einkommen von Steuern befreien sowie mit kleinen und mittleren Unternehmen, die sich während der Corona-Pandemie verschulden mussten, über Hilfen verhandeln.