Der „Islamische Staat“ hat in Syrien und im Irak Tausende Jesiden gequält und ermordet. Ein gemeinsamer Antrag von Fraktionen und Ampel, die Gräueltaten nun als Völkermord anzuerkennen, wurde nun vom Bundestag angenommen. Auch vor dem Hintergrund der Kriegsverbrechen in der Ukraine ist die Frage der Anerkennung von Völkermord aktueller denn je. Doch wie definiert sich Völkermord eigentlich und was bedeutet dessen Anerkennung? Alle Infos im Text.

Was ist Völkermord eigentlich?

Völkermord wird auch als Genozid bezeichnet. Es stammt vom griechischen Wort für Herkunft, Abstammung (génos) und dem lateinischen Wort für morden, metzeln (caedere) ab.
Ein Völkermord (oder Genozid) ist seit der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht. Er ist durch die Absicht gekennzeichnet, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“ und unterliegt nicht der Verjährung. Diese rechtliche Definition stammt von Raphael Lemkin und dient auch in der Wissenschaft als Definition des Begriffs Völkermord.
Folgende begangene Handlungen werden nach Artikel II als Völkermord verstanden:
  • Tötung von Mitgliedern der Gruppe
  • Verursachung von schwerem körperlichem/seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe
  • vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen
  • Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind
  • gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe
Diese Handlungen müssen in der Absicht begangen werden, die Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Es macht sich also schon jemand des Völkermordes schuldig, der lediglich beabsichtigt (mit Vorsatz) eine Menschengruppe zu vernichten. Ist eine der oben aufgeführten Handlungen der Konvention tatsächlich durchgeführt worden in Vernichtungsabsicht, dann ist es egal, ob oder wie viele Mitglieder der Gruppe wirklich vernichtet worden sind. Man braucht also für die Strafbarkeit das „Ziel“ nicht erreicht zu haben.

Völkermord: Abgrenzung von anderen Begriffen

Dabei ist es wichtig, den Begriff Völkermord von anderen Begriffen abzugrenzen, da diese oft fälschlicherweise synonym verwendet werden.
  • Verbrechen gegen die Menschlichkeit: breit angelegte oder systematische Übergriffe auf die Zivilbevölkerung
  • Kriegsverbrechen: kriminelle Handlungen, die während eines bewaffneten Konflikts begangen werden und die vor allem gegen die Genfer Konventionen verstoßen
  • Holocaust: das Vorhaben der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg, alle europäischen Juden zu ermorden. Alle Infos zum Holocaust-Gedenktag.

Völkermord: Was bedeutet dessen Anerkennung?

Mehr noch als Kriege, die bereits grausam genug sind, stellt ein Völkermord einen Angriff auf die Idee dar, dass die Menschheit frei von Unterdrückung und Gewalt ist. Die Anerkennung von Verbrechen als Völkermord ist daher mehr als nur ein symbolischer Akt. Durch die Anerkennung wird den Überlebenden eine Stimme gegeben. Für sie ist eine Art Heilung. Denn nichts wünschen sich die Überlebenden mehr als Gerechtigkeit.
Zudem wird durch eine solche Anerkennung die Welt auf die begangenen Verbrechen und auf die Täter aufmerksam gemacht. Es wird zudem Druck auf die Weltöffentlichkeit ausgeübt, den Opfern zu helfen und die Täter ausfindig zu machen und zu bestrafen.