• Die lange stockende Corona-Impfkampagne in Deutschland nimmt allmählich Tempo auf
  • Doch es zeichnet sich bereits ab, dass auch die derzeitigen Auffrischungsimpfungen nicht die letzten sein könnten.
  • Die Omikron-Variante des Coronavirus bereitet zunehmend Sorge.
  • Welche Pläne gibt es daher bereits für eine vierte Impfung ?
  • Wie äußert sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach dazu?

Beratungen zur 4. Impfung gegen Corona in Deutschland

Bei ihrer ersten regulären Konferenz in diesem Jahr haben die Gesundheitsminister außerdem über eine mögliche vierte Impfung beraten. Bisher läuft in Deutschland die Booster-Impfkampagne für Auffrischungsimpfungen, in der Regel mit der dritten Spritze. Israel impft hingegen bereits das vierte Mal. die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die sachsen-anhaltische Ressortchefin Grimm-Benne ließ zunächst offen, inwiefern man diesem Beispiel folgen will. Nötig seien zunächst weitere wissenschaftliche Untersuchungen, sagte sie. Die Gesundheitsminister sehen bisher noch keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage für die Entscheidung über eine 4. Impfung.

4. Impfung gegen Corona in Israel: Wer wird nochmal geboostert?

Binnen einer Woche haben schon mehr als eine Viertelmillion Israelis eine vierte Corona-Impfdosis erhalten. Das israelische Gesundheitsministerium teilte am Sonntag mit, bisher seien 254 000 Menschen mit der vierten Dosis geimpft worden. Entsprechend einer Expertenempfehlung bekommen diese bisher nur über 60-Jährige, Immungeschwächte und medizinisches Personal.
Der israelische Regierungschef Naftali Bennett sprach am Sonntag bei der wöchentlichen Kabinettssitzung von einer hohen Impfbereitschaft innerhalb der Risikogruppen, „die sehr viele schwere Erkrankungen und Leid vermeiden wird“.
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Israel ist in der Omikron-Welle so hoch wie nie seit Beginn der Pandemie. Laut Gesundheitsministerium sind binnen 24 Stunden mehr als 17 500 neue Fälle registriert worden.
Angesichts steigender Infektionszahlen auch bei medizinischem Personal erwägt das Gesundheitsministerium nach Medienberichten, Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenschwestern und -pfleger trotz positivem Corona-Befund arbeiten zu lassen, solange sie keine Symptome haben. Grund sei die Sorge vor einem Pflege-Notstand wegen einer Isolierung von Fachkräften.
Im vergangenen Jahr war Israel immer wieder als Vorreiter beim Impfen gegen das Coronavirus beschrieben worden. Doch nur rund 61 Prozent der 9,4 Millionen Israelis gelten noch als vollständig geimpft. Dies sind zweifach Geimpfte bis zu sechs Monate nach der Zweitimpfung und Menschen mit Booster-Impfung. 30 Prozent der Bevölkerung sind gar nicht geimpft, bei rund neun Prozent ist die Gültigkeit der Impfung schon abgelaufen.

Das sagt Gesundheitsminister Lauterbach zur 4. Impfung gegen Corona

Gesundheitsminister Karl Lauterbach geht wie andere Experten davon aus, dass eine vierte Corona-Impfung nötig wird: „Ich persönlich würde von einer vierten Impfung ausgehen“. Der SPD-Politiker sagte auf eine entsprechende Nachfrage im Dezember, man wisse nicht, wie lange der Booster-Schutz bei der Omikron-Variante anhalte. Möglicherweise sei der Impfschutz nicht allzu dauerhaft. „Darauf sind wir vorbereitet und haben spezifischen Omikron-Impfstoff gekauft beim Unternehmen Biontech.“
Lauterbach sprach von insgesamt 80 Millionen Dosen, mit denen ab April oder Mai gerechnet werde. Zusätzlich solle auch wieder Moderna-Impfstoff beschafft werden, damit eine Auswahl angeboten werden könne. „Aber ich würde persönlich als Wissenschaftler davon ausgehen, dass wir davon ausgehen müssen, dass eine sogenannte vierte Impfung, das wäre es dann ja, dass die notwendig sein wird.“

Biontech zur 4. Impfung mit Blick auf Omikron

Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech hatte im November bekanntgegeben, dass er an der Entwicklung eines angepassten Impfstoffs arbeite. Die EU-Staaten wollen sich 180 Millionen Dosen davon liefern lassen. Die Hersteller Biontech/Pfizer wollen bis März - unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung - einen an Omikron angepassten Impfstoff bereitstellen. Sie gehen aber davon aus, dass auch ihr derzeitig verwendeter Impfstoff weiterhin vor einer schweren Erkrankung schützt - allerdings auch davon, dass angesichts von Omikron zwei Dosen keine vollständige Impfung mehr sind.

Wann wird mit der vierten Corona-Impfung in Deutschland gerechnet?

Nach Einschätzung des Deutschen Hausärzteverbandes wird ab Sommer 2022 eine weitere Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erforderlich sein. Das bedeutet also eine vierte Impfung oder ein 2. Booster. „Wir rechnen damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig sein wird“, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der "Bild"-Zeitung. Er sagte, er hoffe, dass die vierte Corona-Impfung „schon in Verbindung mit der Grippe-Impfung" verabreicht werden könne, „um den Schutz vor Corona in eine Routine zu überführen".

Wie viele Corona-Impfungen kommen noch?

Die häufig gestellte Frage, ob künftig immer weitere Impfungen notwendig seien, könne Karl Lauterbach aktuell noch nicht seriös beantworten. „Das wird davon abhängen, wie lange die Booster-Impfung wirkt. Zur Impfroutine kann man noch nichts sagen“, meinte Lauterbach. Daher lasse sich auch nicht prognostizieren, wie es mit Corona in einem Jahr aussehe. „Das weiß niemand. Das wäre ein Blick in die Kristallkugel. Ich gehe aber davon aus, dass sich neue Varianten bilden werden. Ob sie gefährlicher werden, kann niemand sagen“, so der Mediziner. Man müsse sich auf jeden Fall „Flexibilität“ bewahren und die Maßnahmen ständig an die jeweiligen Entwicklungen und neuen medizinischen Erkenntnisse anpassen.