Als fünfter Corona-Impfstoff ist am 20.12.2021 das Vakzin des US-Herstellers Novavax in der Europäischen Union zugelassen worden. Der proteinbasierte Impfstoff Nuvaxovid erhielt nach einer entsprechenden Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) eine bedingte Marktzulassung durch die EU-Kommission. "In einer Zeit, in der sich die Omikron-Variante schnell ausbreitet und wir die Impfungen vorantreiben müssen, freue ich mich besonders über die heutige Zulassung des Novavax-Impfstoffs", erklärte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Ist Nuvaxovid der neue Hoffnungsträger im Kampf gegen das Coronavirus? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte vor der Annahme, dass der neue Impfstoff „ein Game Changer wird“.
  • Am 20.12.2021 wurde der Impfstoff Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax in Europa zugelassen
  • Was ist das für ein Impfstoff?
  • Was unterscheidet das neue Vakzin von den Präparaten von Biontech und Moderna?
  • Wie hoch ist die Wirksamkeit von Nuvaxovid?
  • Ist schon etwas über Nebenwirkungen bekannt?

Nuvaxovid – Wie funktioniert der Novavax-Impfstoff?

Nuvaxovid besteht laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Die Proteine werden vom Körper als fremd erkannt und das Immunsystem wird hochgefahren - spezifische Antikörper und T-Zellen werden gebildet. Damit ist man vor einer echten Infektion besser gewappnet. mRNA-Präparate zum Beispiel funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mit Hilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Wie gut wirkt der neue Impfstoff Nuvaxovid von Novavax?

In einer Zulassungsstudie von Novavax lag die Wirksamkeit in Bezug auf Erkrankungen bei 90 Prozent. Das bedeutet, unter den Probanden der geimpften Gruppe traten 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den Probanden einer Kontrollgruppe. Es wurden zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse hauptsächlich auf die Alpha-Variante, die in Deutschland so gut wie vollständig von Delta verdrängt wurde. Bald dürfte Experten zufolge die neue Variante Omikron das Infektionsgeschehen stark beeinflussen. „Auch dieser Impfstoff wird an Omikron angepasst werden müssen“, schrieb Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, kürzlich mit Blick auf das Novavax-Mittel auf Twitter.
Gesundheitsminister Lauterbach warnte aber vor zu viel Erwartungen. Studien zufolge seien die bereits millionenfach verabreichten Impfstoffe von Moderna und Biontech „eine ganze Spur sicherer“.

Hat Nuvaxovid Nebenwirkungen?

Ja, laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat der neue Corona-Impfstoff des Hersteller Novavax vorübergehende Nebenwirkungen. Bei einer Studie mit knapp 30.000 Teilnehmern haben sich nach der Impfung Schmerzen an der Einstichstelle, und Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen gezeigt. Diese tauchten demnach zwar häufig auf, bleiben aber meist leicht.
Wann wäre das Novavax-Präparat nach einer Zulassung in Deutschland einsatzbereit?

Kann der Novavax-Impfstoff nach der Zulassung bald eingesetzt werden?

Die EU-Kommission schloss Anfang August im Namen der Mitgliedstaaten mit Novavax einen Kaufvertrag über bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen in diesem und im kommenden Jahr. Außerdem enthält der Vertrag eine Option auf 100 Millionen weitere Impfdosen in den Jahren 2021, 2022 und 2023. Das deutsche Gesundheitsministerium hat den Impfstoff für kommendes Jahr bereits eingeplant.

Lauterbach: Vier Millionen Dosen Novavax-Impfstoff bestellt

Novavax dürfte laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Anfang 2022 in Deutschland erhältlich sein. Vier Millionen Dosen seien bestellt und würden bald zur Verfügung gestellt, „soweit das Werk liefern kann“, sagte der SPD-Politiker.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat bekannt gegeben, das Deutschland vier Millionen Dosen des Totimpfstoffes Nuvaxovid der US-Firma Novavax bestellt hat. Diese sollen im Januar 2022 geliefert werden.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat bekannt gegeben, das Deutschland vier Millionen Dosen des Totimpfstoffes Nuvaxovid der US-Firma Novavax bestellt hat. Diese sollen im Januar 2022 geliefert werden.
© Foto: Kay Nietfeld/dpa
Gerechnet werde mit einer Lieferung im Januar. Eine spezielle Verteilung innerhalb Deutschlands sei zwar nicht vorgesehen. Er erwarte jedoch größere Nachfrage in einigen Bundesländern wie Sachsen, Sachsen-Anhalt, möglicherweise auch Teilen von Bayern, sagte Lauterbach.

Wieso lehnen manche Menschen die Präparate von Biontech und Moderna ab und warten auf bestimmte Impfstoffe?

Einige scheinen ein größeres Vertrauen in Vakzine zu haben, die nach klassischen Verfahren hergestellt werden. So gibt es bei manchen ein Misstrauen gegen die neue mRNA-Technologie, auf denen die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer beruhen. Es gibt die Befürchtung, dass diese bisher unbekannte Langzeitschäden verursachen könnten. Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich (FC Bayern) etwa hatte sein Impfzaudern zunächst mit „ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht“ erklärt. Nach emotionalen Debatten und einer Corona-Infektion kündigte er kürzlich an, sich nun doch impfen zu lassen. Experten halten es für nahezu ausgeschlossen, dass bei den zugelassenen Impfstoffen noch unbekannte Langzeitfolgen auftreten.

Ministerpräsident Bodo Ramelow fordert Ungeimpfte auch zu Impfungen mit Novavax auf

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte Ungeimpfte mit Misstrauen gegenüber mRNA-Impfstoffen dazu aufgerufen, Novavax zu nutzen. Die Cosmo-Studie, die Einstellungen zum Impfen abfragt, hatte kürzlich jedoch Erwartungen auf Verhaltensänderungen vieler Menschen gedämpft: Es solle nicht damit gerechnet werden, dass sich ein Großteil der bislang Ungeimpften mit einem möglicherweise zukünftig verfügbaren Totimpfstoff impfen lassen werde, hieß es. Denn zur Präferenz trage „sowohl der Gedanke an eine mögliche höhere Sicherheit bei, als auch die Tatsache, dass ein möglicher Impftermin erst in abstrakter Ferne liegt“.

Wenn es um Alternativen zu den zugelassenen Impfstoffen geht, fällt oft der Begriff Totimpfstoff. Was ist ein Totimpfstoff?

Totimpfstoffe enthalten laut Bundesforschungsministerium abgetötete, also nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger. Sie können auch nur Bestandteile oder einzelne Moleküle dieser Erreger enthalten. Beispiele sind Impfstoffe gegen Hepatitis A und Influenza. Der Körper kann dabei den Totimpfstoff nicht vom Erreger unterscheiden und fährt eine gezielte Immunabwehr hoch, die vor einer echten Infektion schützt. Für manche Menschen, die bislang eine Impfung ablehnen, klingt dieser Ansatz „natürlicher“ als beispielsweise der von mRNA-Impfstoffen.

Ist die Klasse der Totimpfstoffe klar abgegrenzt?

Nein. Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet. Wenn die Definition lautet, dass das echte Virus oder zumindest Teile davon im Impfstoff enthalten sein müssen, wäre zum Beispiel Novavax im engeren Sinne gar kein Totimpfstoff. Denn der entscheidende Bestandteil, der die Immunantwort auslösen soll, wurde nicht einem echten Virus entnommen, sondern ist ein gentechnisch hergestelltes Virus-Protein. Andererseits könnte man auch sagen, alle Impfstoffe ohne lebende - also vermehrungsfähige - Erreger sind Totimpfstoffe. „Der Name ist falsch“, sagt Watzl. „Alle bisher zugelassenen Covid-19-Impfstoffe sind Totimpfstoffe.“ Was viele mit Totimpfstoff meinten, seien „Impfstoffe, die auf Prinzipien beruhten, die man auch bei anderen Impfungen anwendet“.

Welche Impfstoffe gegen das Coronavirus könnten noch bald kommen?

Mehrere Produkte sind im sogenannten Rolling-Review-Verfahen der EMA schon in der Begutachtung, obwohl noch nicht alle Teile des Zulassungsantrags vorliegen. Die Impfstoffe der Hersteller Sinovac und Valneva (Frankreich) enthalten beispielsweise abgetötete Coronaviren.

Lohnt es sich, auf andere Impfstoffe zu warten?

„Wenn sich jemand nur mit einem solchen Impfstoff impfen lassen will, dann ist das immer noch besser als komplett ungeimpft zu sein“, sagt Immunologe Watzl. Darauf zu warten hält er aber für unklug - Novavax komme erst nächstes Jahr, Valneva frühestens im zweiten Quartal 2022. „Wer auf diese Impfstoffe wartet, ist noch längere Zeit ungeschützt. Daher: Lieber jetzt impfen als warten.“ Selbst der Chef des Herstellers Valneva hält von Zögern wenig. „Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten“, sagte Thomas Lingelbach, Geschäftsführer des französischen Biotechnologieunternehmens, dem „Spiegel“. „Das wäre ethisch inakzeptabel.“ Er empfehle Verwandten und Bekannten zurzeit Impfstoffe der anderen Hersteller und habe sich selbst kürzlich mit dem mRNA-Produkt von Biontech boostern lassen.

Gibt es denn auch Lebendimpfstoffe?

Ja, zum Beispiel gegen Mumps, Masern und Röteln. Sie enthalten echte Erreger, die sich zwar noch vermehren können, deren krankmachenden Eigenschaften aber abgezüchtet wurden.

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