Trinkwassernotstand in Uruguay
: Nur noch 10 Tage Wasser - Ein Land betet für Regen

Uruguay hofft verzweifelt auf Niederschlag. Weil in der Hauptstadt Montevideo das Trinkwasser dramatisch knapp wird, ruft die Kirche sogar zu Gebeten auf.
Von
David Hahn
Montevideo
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Wenn das Wasser versiegt: Weltweit mehren sich die Berichte von Trinkwassernotständen. Uruguay erlebt nun die längste Dürre seit mehr als 100 Jahren.

Emilio Morenatti/dpa

Teile Uruguays werden laut dem staatlichen Institut für Meteorologie und Klima (Inumet) von der schlimmsten Dürre seit 115 Jahren heimgesucht. In der Hauptstadt Montevideo zeichnet sich ein dramatischer Wassernotstand ab.

Trinkwasserversorgung versiegt – Es bleiben nur 10 Tage Wasser

Die Zeitung „El Observador“ berichtet am Dienstagmorgen: „Es bleibt nur noch für zehn Tage Wasser“ Der Stausee Paso Severino, der die Hauptstadt Montevideo mit Trinkwasser versorgt, ist nahezu versiegt. Einst stellte dieser Millionen Hektoliter Wasser für die Versorgung der 1,4 Millionen Menschen in Uruguays Metropole sicher. Nun beträgt der Vorrat derzeit nur noch erschreckende drei Prozent. Vize-Umweltminister Gerardo Armadilla, der sich in dieser Woche ein Bild vor Ort machte, erklärte: „Wir hoffen, dass der Regen, wenn er auch nur gering sein wird, wenigstens hilft, den aktuellen Stand zu halten.“

Gebete für Regen bisher unerfüllt

Für den Wochenbeginn hatte Inumet teils heftige Regenfälle angekündigt; doch die ziehen alle nördlich des Einzugsgebietes rund um den Rio Santa Lucia vorbei. Vielleicht, so die Hoffnung der Verantwortlichen, gelangt ja doch ein bisschen davon in den Stausee nördlich von Montevideo. Von fünf Millimeter pro Quadratmeter ist die Rede; die könnten wieder ein oder zwei Tage Entspannung bringen. Es ist ein Hangeln von Schauer zu Schauer.

Die Kirche in Montevideo lässt inzwischen am Ende jedes Gottesdienstes um Regenfälle beten. Die Stoßgebete „Wir bitten dich, gib uns den Regen, den wir brauchen“ gehen auf Initiative von Kardinal Daniel Sturla zurück, Erzbischof der Millionenstadt. Nicht wenige Menschen zünden anschließend Kerzen an.

Streit über Verantwortung des Wassernotstands in Uruguay

Die aktuelle Situation ist auch ein absoluter Ausnahmefall. Inumet erklärt die lang anhaltende Dürre mit dem Wetterphänomen „La Nina“ und der natürlichen Variabilität der Atmosphäre. Diese Faktoren führten dazu, dass es in den vergangenen Jahren in Brasilien zu viel und in Argentinien und Uruguay deutlich zu wenig regnete. Im Stausee Paso Severino ist das dramatische Ergebnis dieser Entwicklung zu sehen: ein weithin ausgetrocknetes Becken. Die Politik streitet nun über die Verantwortung für die missliche Lage. Die linke Opposition um den traditionell starke „Frente Amplio“ wirft der Regierung des konservativen Präsidenten Luis Lacalle Pou Versagen beim Krisenmanagement vor. Allerdings hätten laut KNA es in den vergangenen Jahrzehnten linke wie auch rechte Regierungen versäumt, das Problem frühzeitig anzupacken. Mit Hochdruck sucht die Politik nun nach kurzfristigen Lösungen. Saltos Bürgermeister Andres Lima sagte der Zeitung „El Pais“, seine Kommune biete das Wasser aus den lokalen Thermalbrunnen an. Angesichts der zugespitzten Lage ist davon auszugehen, dass das Wasser-Thema auch den Wahlkampf im kommenden Jahr bestimmen wird. Auch weltweit sind die meisten Süßwasserreserven vom Austrocknen bedroht.

Steuersenkungen und kurzfristige Lösungen

Die Politik reagiert mit einer Steuersenkung auf Trinkwasser. Die Menschen decken sich in Montevideo nun verstärkt mit den großen Sechs-Liter-Trinkwasserkanistern ein. Der Inhalt stammt aus dem Rest des Landes, wo es keine Probleme mit der Wasserversorgung gibt. Autowaschanlagen verweisen darauf, eigene Brunnen zu haben.

Der wegen mangelnder Investitionen in die Kritik geratene Versorger OSE mischt das letzte Restwasser aus dem Stausee mit dem Wasser des großen Rio de la Plata, an dessen Ufern Montevideo und Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires auf der südlichen Gegenseite liegen. Doch dadurch erhöht sich der Chlor- und Salzgehalt des Wassers. Den Antrag des Versorgers, den Salzgehalt noch weiter zu erhöhen, lehnte das Gesundheitsministerium laut „El Observador“ (Dienstag) ab.

(Mit Material der KNA)

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