Unwetter in Spanien aktuell: Fünf Tote, Chaos und eine wundersame Kindesrettung

04.09.2023, Spanien, Buenache de Alarcón: Die Gemeinde hat am Samstag schwere Hochwasserschäden erlitten.
Lola Pineda/EUROPA PRESS/dpaStarke Unwetter haben in Spanien mindestens fünf Menschenleben gefordert und erhebliche Verwüstungen und Schäden verursacht. Mitten in dieser Tragödie brachte die Rettung eines kleinen Jungen jedoch einen Funken Trost. Viele Medien bezeichneten es einhellig als ein „Wunder“.
Unwetter in Spanien — Welche Regionen sind betroffen?
Am Samstag und Sonntag wurden weite Teile Spaniens von Unwettern heimgesucht, die Starkregen, Orkanböen, Blitzschläge und Hagel mit sich brachten. Dies führte zu erheblichen Flugverspätungen und zwang vielerorts zur Einstellung des Eisenbahnverkehrs. Hunderte Passagiere waren daher gezwungen, in Bahnhöfen in Madrid, Málaga und anderen Städten in der Nacht auf Montag unfreiwillig zu übernachten.
Dutzende Straßen wurden gesperrt, Parks geschlossen und zahlreiche Gebäude, darunter Häuser, Keller, Garagen und Unterführungen, wurden von Wasser und Schlamm überschwemmt. Fassadenteile und Dachziegel stürzten auf die Straßen, und Bäume wurden entwurzelt. Landwirtschaftliche Flächen in verschiedenen Regionen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen.
In der katalanischen Gemeinde Alcanar, in der knapp 10.000 Menschen leben, wurde am Sonntag aufgrund der gefährlichen Überschwemmungen sogar ein mehrstündiges Ausgehverbot verhängt. Der Wetterdienst verzeichnete dort innerhalb von nur 24 Stunden eine Regenmenge von 215 Litern pro Quadratmeter. Die Situation normalisierte sich am Montag nur langsam, wobei der U–Bahn– und Autoverkehr in Madrid immer noch erheblich beeinträchtigt waren.
Tote und Vermisste nach Unwetter in Spanien
Leider konnten drei Männer, deren Leichen am Montag in der Provinz Toledo südöstlich von Madrid gefunden wurden, nicht gerettet werden, wie von der Regierung der Region Kastilien–La Mancha berichtet wurde. Eines der Opfer verstarb in der Gemeinde Bargas in einem Fahrzeug. In Casarrubios del Monte wurde ein 20–jähriger Mann tot aus einem Garagenfahrstuhl geborgen, während in der Gemeinde Camarena ein 50–jähriger Mann leblos in einem Bach gefunden wurde.
Bereits am Samstag waren zwei Männer im Alter von 31 und 34 Jahren im Nordosten Spaniens in Saragossa beim Überqueren einer Schlucht ins reißende Wasser gestürzt und ertrunken. Am Montag wurden neben dem Vater des geretteten Zehnjährigen noch mindestens zwei weitere Personen vermisst: ein 83–jähriger Mann und eine jüngere Frau.
Kleiner Junge wird auf wundersame Weise gerettet
Inmitten des Leidens spendete aber die Rettung eines kleinen Jungen etwas Trost. Der Zehnjährige sei am Montag gegen acht Uhr morgens im Westen der Region Madrid auf einem Baum gefunden worden, nachdem er dort bei Starkregen und Orkanböen die ganze Nacht verbracht habe, teilte der regionale Notdienst mit.
Gemäß den Informationen der Behörden floh der Junge am Sonntagabend auf einen Baum. Zuvor wurde das Fahrzeug seiner Familie in der Nähe von Aldea del Fresno von den Wassermassen des über die Ufer getretenen Flusses Alberche mitgerissen. Der Vater, der am Steuer saß, wurde am Montag noch vermisst. Die Mutter und die Schwester konnten sich aus eigener Kraft retten. Der Zehnjährige wurde zufällig von einem Finca–Wärter gefunden, der ihn unterkühlt und mit verschiedenen Verletzungen am Körper entdeckte. Seinem Retter habe er dabei immer und immer wieder nur „Danke, danke, danke“ gesagt, berichtete die Zeitung „El País“ unter Berufung auf den Mann.
Ebenfalls für bewegende Momente sorgte die Geschichte einer Rentnerin, die nachts in Buenache de Alarcón in der Provinz Cuenca von zwei Polizisten gerettet wurde, als „das Wasser bis zum Hals stand“ und sie nicht aus ihrem Haus konnte, wie sie weinend dem spanischen TV–Sender RTVE erzählte. Die 73–jährige Felicia sagte: „Ich würde jetzt tot und begraben sein (...) ich weiß nicht, wie ich mich bedanken soll“, sagte die 73 Jahre alte Felicia, als RTVE ihr ihre beiden Retter vorstellte.
Unwetter in Spanien — Wie ist die Lage auf Mallorca?
Auf der beliebten Urlaubsinsel Mallorca blieb die Lage derweil trotz Unwetterwarnung der dritthöchsten Stufe Gelb ruhig. Am Flughafen in Palma kam es zwar nach Angaben der Verwaltungsbehörde Aena zu Verspätungen von durchschnittlich 50 Minuten. Am Sonntag sei bisher aber kein einziger Flug gestrichen worden, hieß es. Mehrere Fähren, die die Balearen mit dem Festland verbinden, wurden gestrichen. Mallorca war erst am vorigen Wochenende vom Sturm Betty heimgesucht worden, der zu chaotischen Verhältnissen vor allem auf dem Flughafen Son Sant Joan in Palma geführt hatte.
Vorhersage: So wird das Wetter in Spanien heute und an den kommenden Tagen
Die heftigen Unwetter mit Starkregen, Gewittern und Orkanböen sollten laut spanischem Wetterdienst in einigen Regionen mindestens bis Montag früh anhalten. Für Dienstag, 5. September, ist eine Wetterberuhigung angesagt. Hier kann es maximal im Norden Spaniens noch zu Regenfällen kommen. Am Mittwoch soll es im ganzen Land trocken bleiben.
In der vergangenen Woche wurden bereits aus Teilen Italiens, Slowenien, Österreich und auch aus dem Süden Deutschlands Unwetter mit starken Regenfällen gemeldet.
Informationen rund um das Thema Klimawandel und die Folgen gibt es auf unserer Klimawandel–Themenseite.
