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: Traumberuf Spieleentwickler: Fragen und Antworten

Wie wird man Spieleentwickler? Und wird die Kritik von Spielern eigentlich ernst genommen? Produzent Graham Nardone über die Ansprüche der Next-Gen-Konsolen und seine Arbeit bei EA.
Von
Iris Simon
Stuttgart
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  • Videospiele werden immer beliebter und damit auch die Berufe in der Branche. Was man dabei wissen muss und wie die Arbeit so ist, erklärt Graham Nardone von EA im Interview.

    Videospiele werden immer beliebter und damit auch die Berufe in der Branche. Was man dabei wissen muss und wie die Arbeit so ist, erklärt Graham Nardone von EA im Interview.

    Foto: Sebastian Gollnow/dpa
  • Graham Nardone ist Lead Producer des neuen Sims 4-Erweiterungspack „Ab ins Schneeparadies“ von Electronic Arts.

    Graham Nardone ist Lead Producer des neuen Sims 4-Erweiterungspack „Ab ins Schneeparadies“ von Electronic Arts.

    Foto: EA
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Mit neuen Konsolen wie der Playstation 5 oder der XBox Series S/X entwickeln sich die technischen Voraussetzungen weiter, gleichzeitig steigt damit auch der Anspruch der Spieler und es muss ein immer größer werdender Markt abgedeckt werden. Graham Nardone ist Lead Producer des neuen Sims 4-Erweiterungspack „Ab ins Schneeparadies“ von Electronic Arts und kennt sich mit den Möglichkeiten, aber auch den Problemen bei der Entwicklung eines Spiels besten aus und gibt Tipps für alle die - wie er - Spieleentwickler werden möchten:

Wie lange dauert die Produktion eines neuen DLC wie „Ab ins Schneeparadies“?

Graham Nardone: „Es ist jetzt ein Jahr her, dass wir zum ersten Mal diskutiert haben, welches Thema das zehnte Erweiterungspaket von Die Sims 4 haben soll. Diese ersten Gespräche beginnen mit einer kleinen Gruppe, und dann wächst das Team im Laufe der Zeit, während wir das Erweiterungspaket produzieren.“

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?

„Als Produzent bringt jeder Tag andere Verantwortlichkeiten mit sich. Mein Fokus ändert sich ständig, wenn ich zwischen den Bedürfnissen des Teams, des Projekts und unseren Spielerinnen und Spielern jongliere. Deshalb macht mir die Produktion so viel Spaß - es gibt immer wieder neue Aufgaben, die mich auf neue Art und Weise herausfordern. Zu Beginn jedes Projekts, und dann später, wenn wir Tests durchführen, habe ich die Möglichkeit, mit unseren Feature-Designern zusammenzuarbeiten. Es ist großartig, kreativ zu den Sims beizutragen, denn jeder von uns hat Lebenserfahrungen, aus denen wir schöpfen und die die Ideen bereichern, die wir im Spiel zum Leben erwecken.“

Spielen Sie selbst?

„Auf jeden Fall! Ich habe mich schon in jungen Jahren für Spiele interessiert und wusste schon als Teenager, dass ich einmal in der Games-Industrie arbeiten möchte. Ich habe das große Glück, dass ich auch nach mehr als einem Jahrzehnt in dieser Branche meine Leidenschaft für das Spielen und die Arbeit an Games behalten habe.“

Was ist ihr Lieblingsspiel?

„Meine Lieblingsspiele sind Spiele wie Goldeneye, EverQuest und Destiny. Die stehen für verschiedene Abschnitte in meinem Leben und bleiben mich auch wegen Freunde, mit denen zusammen ich sie gespielt habe, in guter Erinnerung. Zur Zeit spiele ich vor allem Apex Legends.“

Spieleentwickler ist für viele junge Menschen ein Traumberuf. Wie sind Sie zu Ihrem Job gekommen?

„Ich arbeite seit 2009 für Die Sims, aber begonnen hat alles eigentlich schon 1998 mit der Veröffentlichung von Rainbow Six auf PC. Ich trat in diesem Spiel einem Online-Clan für den kompetitiven Mehrspieler-Modus bei und freundete mich mit einer Reihe von Leuten in dieser Gruppe an. Einer von ihnen hat dann bei Maxis beim Sims-Team angefangen. Im Laufe der Jahre interessierten sich immer mehr Leute von den Freundeskreis für einen Job in der Branche und da war es natürlich praktisch, jemand bei EA zu kennen, der eine Empfehlung aussprechen konnte. Das war nicht mein erster Job in der Branche, aber dieses Netzwerk von Freunden war entscheidend, um von der offenen Stelle beim Sims-Team zu erfahren und die Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu bekommen.“

Was würden Sie jungen Leuten raten, die eine Karriere wie Ihre einschlagen möchten?

„Auch wenn man Games liebt, sollte man versuchen, in die eigentliche Entwicklung von Games reinzuschnuppern, um herauszufinden, ob das einem genauso liegt. Dabei ist es immer gut, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Zusammen kann man etwas entwickeln, was einen ein bisschen abhebt, das hilft auf jeden Fall, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Es gab noch nie eine bessere Zeit, um an einem kleinen Indie-Projekt zu arbeiten, frei verfügbare Entwicklungs-Tools zu nutzen und mit Freunden zusammenzuarbeiten. Die Erfahrung, mit einem Team von Leuten an einem kleinen Projekt zu arbeiten, wird von unschätzbarem Wert sein, wenn es darum geht, aus dieser Erfahrung eine Karriere zu machen.“

Wie wichtig sind Ihnen die Rückmeldungen der Spieler?

„Positive Kommentare fühlen sich natürlich immer gut an. Aber noch wichtiger ist das konstruktives Feedback der Spielerinnen und Spieler. Das ist ein großer Teil der Gründe, warum wir in der Sims-Community so aktiv sind. Unsere „SimGurus“ sind Mitglieder des Entwicklungsteams, die sich auf verschiedenen sozialen Plattformen mit den Spielerinnen und Spielern unterhalten und von den Änderungen und Ergänzungen hören, die sie gerne im Spiel umgesetzt sehen würden. Da sich jede Version der Sims über mehrere Jahre erstreckt, ist es für uns von entscheidender Bedeutung, dass wir das Spiel ständig weiterentwickeln, um die Erfahrungen zu bieten, die die Spielerinnen und Spieler suchen.“

Haben neue Technologien Ihre Arbeit erschwert oder vereinfacht?

„Neue Technologien machen die tägliche Arbeit auf keinen Fall schwerer, sie geben vielmehr neue Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der Sims-Serie, die es ja nun schon seit zwei Jahrzehnte gibt. Bei Maxis sind wir eigentlich nie mit dem Status quo zufrieden, sondern wollen uns und das Spiel immer weiterentwickeln. Uns Entwicklerinnen und Entwickler können Fortschritte in der Technologie auch neue Möglichkeiten bieten, unseren Arbeitssprozess zu verbessern. Dies ist entscheidend, um mit der großen Nachfrage der Sims-Spieler nach mehr Inhalten Schritt halten zu können.“

Verfolgen Sie die Einführung der neuen Konsolengeneration?

„Ja, sehr sogar. In der letzten Generation habe ich persönlich vom PC auf die Konsole gewechselt, um darauf Die Sims 4 zu spielen, daher ist die Einführung neuer Hardware für mich natürlich besonders aufregend. Die Sims 4 auf der PlayStation 5 und der Xbox-Serie S/X zu spielen, war sofort beeindruckend mit schnellen Ladezeiten und einer schnelleren Framerate.“

Stellen Sie die neuen Konsolen und die darin enthaltenen Technologien vor Herausforderungen?

„Für Spieleentwicklerinnen und -entwickler bringen Verbesserungen der Technologie letztlich immer auch neue kreative Möglichkeiten mit sich, um unsere Ideen zum Leben zu erwecken. Das birgt natürlich auch neue Herausforderungen, aber ich denke, die Spieleindustrie ist insofern etwas Besonderes, als so viele der Menschen, die in ihr arbeiten, auch selbst Gamer sind. Ich freue mich auf die neuen Erfahrungen, die diese nächste Generation mit Sicherheit mitbringen wird.“