Trauerfeier für Franz Beckenbauer
: „Du fehlst mir sehr“ - Emotionaler Abschied vom „Kaiser“ in der Allianz-Arena

In München haben sich am Freitag tausende Menschen von Franz Beckenbauer verabschiedet. Bei der Gedenkfeier in der Allianz Arena waren Bundespräsident, Kanzler, Weggefährten und Fans anwesend.
Von
Amelie Schröer,
Steffen Wolff
München
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Am Freitag (19.01.) nimmt die Sportwelt Abschied von Franz Beckenbauer.

dpa; Collage: Befunky

Servus, Kaiser - mit einer emotionalen Gedenkfeier haben sich der FC Bayern und der deutsche Fußball von Franz Beckenbauer verabschiedet. In Trauer und tiefer Dankbarkeit versammelten sich am Freitagnachmittag langjährige Weggefährten wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gemeinsam mit etwa 35.000 Fans in der Allianz Arena, um an die wichtigste Figur der deutschen Fußballgeschichte zu erinnern.

Plötzlich „Kaiser“-Wetter vor Gedenkfeier

Mit musikalischer Einstimmung durch eine Blaskapelle, den berühmten Tölzer Knabenchor und den Saxophonisten Noah Fischer sind tausende Besucher in der Allianz Arena auf die große Gedenkfeier des FC Bayern für Franz Beckenbauer eingestimmt worden. Eine gute Stunde vor dem offiziellen Beginn der Trauerfeier riss am Freitag zudem der Himmel über München auf: Kaiser-Wetter um den Gefrierpunkt am Tag des Abschieds vom Fußball-„Kaiser“ Beckenbauer - das passte.

In der Nordkurve war eine riesige Bühne errichtet worden. Am Mittelkreis auf dem Rasen lag ein Banner, das Beckenbauer im Trikot mit der Nummer 5 zeigt. Daneben Gedenk-Kränze, darunter nach Angaben des FC Bayern auch von anderen Fußballvereinen wie dem FC Barcelona oder dem FC Liverpool.

Wegbegleiter Beckenbauers legen Rosen nieder

Elf Wegbegleiter haben zu Beginn der Trauerfeier für Franz Beckenbauer auf dem Rasen der Allianz Arena stellvertretend für die Gäste das Andenken der Fußball-Legende gewürdigt. Zum Gesang von Star-Tenor Jonas Kaufmann, der am Freitag „Time to say Goodbye“ in der italienischen Version „Con te partiro“ vortrug, schritten unter anderen Paul Breitner, Günter Netzer, Karl-Heinz Rummenigge und Bastian Schweinsteiger auf den Platz. Sie legten am Mittelkreis, wo ein Banner Beckenbauer im Trikot mit der Nummer 5 zeigte, rote Rosen nieder.

Gedenkfeier des FC Bayern München für Franz Beckenbauer in der Allianz Arena: Karl-Heinz Rummenigge, ehemaliger Fußballspieler, Wolfgang Overath und Lothar Matthäus (l-r) legen Blumen nieder.

Christian Charisius, dpa

„Der FC Bayern wird immer ein Kaiserreich bleiben“

Bayern-Präsident Herbert Hainer hat Beckenbauer mit emotionalen Worten gewürdigt. „Mia san Franz. Er wird uns fehlen als Persönlichkeit, als Mensch. Man musste ihn einfach bewundern“, sagte Hainer in seiner Trauerrede: „Der FC Bayern wird immer ein Kaiserreich bleiben - und das auf ewig.“

Beckenbauer sei „ein Vorbild für alle Generationen“, gewesen, ergänzte Hainer. Zu seinem Tod sagte er: „Die Welt des FC Bayern München, die gesamte Fußballwelt wurde dunkler. Für den FC Bayern München bedeutete Franz Beckenbauer alles.“ Doch der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters sagte auch: „Franz glaubte fest daran, dass der Tod nur eine Etappe ist. Dass er ein Teil von uns bleibt. Lieber Franz - dieser Gedanke ist tröstlich, dass Du weiter bei uns bist.“

Steinmeier würdigt Beckenbauer: Stimme des Kaisers wird fehlen

Mit emotionalen Worten hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Fußball-Legende gedacht. „Ich weiß nicht, ob die Engel im Himmel Sport treiben. Aber wenn, dann werden sie in den vergangenen Tagen schon sicher diese neue, etwas bayerisch klingende Stimme gehört haben: „Geht‘s raus und spielt‘s Fußball!“, sagte der 68-Jährige in seiner Trauerrede: „Eine Stimme, die wir alle kennen und die uns jetzt für immer fehlen wird. Die Stimme des Kaisers. Die Stimme Franz Beckenbauers.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält während der Trauerfeier für den verstorbenen Fußballstar eine Rede.

Christian Charisius

Auf der ganzen Welt hätten die Menschen Beckenbauer „bewundert, verehrt, geliebt“, ergänzte Steinmeier: „Als diplomatisches Naturtalent wurde er zum beliebtesten Botschafter unseres Landes.“ Beckenbauer habe sich „um Deutschland verdient gemacht“, äußerte der Bundespräsident. Er habe dem Land nicht nur ein Fußball-Sommermärchen geschenkt, „sondern er hat einen neuen, freundlichen Blick auf uns selbst geschenkt, und das vergessen wir nicht“.

Söder würdigt Beckenbauer als „Fußball-Gott“

Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war Franz Beckenbauer „schon eine Art Fußball-Gott und einer der allerallergrößten Bayern“. Er würdigte die am 7. Januar gestorbene Fußball-Legende als „zeitlose Ikone. Drei Generationen haben ihn bewundert und geschätzt.“

Beckenbauer habe den FC Bayern „in die große goldene Ära geführt. Wissen Sie, was mich immer beeindruckt? Das sind alles Spieler mit einem starken Selbstbewusstsein. Aber einen haben sie immer als den Chef anerkannt, einem sind sie gefolgt. Und wenn er gesagt hat, wir raufen uns zusammen und werden Weltmeister: Dann sind sie ihm gefolgt. Das war Franz Beckenbauer, der Chef des deutschen Fußballs.“

Beckenbauer, Weltmeister als Spieler und Trainer, beeindruckte Söder insbesondere durch seinen Charakter. „Erfolge auf dem Platz sind das eine, aber Erfolge als Mensch sind besonders beeindruckend.“ Söder schloss seine Rede mit den Worten: „Gott schütze Franz Beckenbauer.“

Hoeneß über Beckenbauer: „Du fehlst mir sehr“

Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat in einer berührenden Gedenkrede für seinen alten Freund Franz Beckenbauer besonders dessen menschliche Qualitäten hervorgehoben.

„Seine Fähigkeit, sich um andere zu kümmern, hat mir immer außergewöhnlich gut gefallen. Wenn man ein Problem hatte: Dann ging man zum Franz. Er hat sich darum gekümmert. Franz war großzügig ohne Ende. Er war immer da für andere, er hat nie nach oben gebuckelt und nach unten getreten, sondern umgekehrt. Lieber Franz, Du bist jetzt zwölf Tage tot. Du fehlst mir sehr. Vielen Dank.“

Emotionaler Abschied von Fußball-Legende Franz Beckenbauer

Der Tod von Franz Beckenbauer kam für viele überraschend. Am 7. Januar 2024 starb er im Alter von 78 Jahren „im Kreise seiner Familie“. Er war eine der prägendsten Persönlichkeiten des Fußballs weltweit. Der Vereinslegende wollte der FC Bayern zum Abschied einen „besonderen, emotionalen Rahmen“ bieten und seine Leistungen als Spieler und Trainer würdigen. Dafür fand in der Münchner Allianz-Arena eine große Trauerfeier statt. Der FC Bayern München hatte dafür Freunde und Wegbegleiter aus dem nationalen und internationalen Sport, der Kultur und Politik sowie alle Fans eingeladen, um an diesem Nachmittag von dem ehemaligen Fußballprofi und -Trainer zu gedenken.

Ehrengäste und Weltmeister-Generationen

Im Ehrengastbereich tummelte sich die Prominenz, zuvorderst aus dem Fußball. FIFA-Präsident Gianni Infantino, UEFA-Chef Aleksander Čeferin, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Bundestrainer Julian Nagelsmann sowie dessen Vorgänger Joachim Löw und Hansi Flick waren da, ebenso DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke - und auch Oliver Kahn.

Neben den Profis des FC Bayern um Manuel Neuer und Thomas Müller und dem Frauen-Team waren auch die deutschen Weltmeister-Generationen um Günter Netzer und Paul Breitner (1974), Lothar Matthäus und Rudi Völler (1990) sowie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger (2014) im Stadion live dabei, ebenso Tennis-Legende Boris Becker. Sie alle bleiben auf Erden - der „Kaiser“ aber ist nun im Fußball-Himmel.