Für Deutschland ist der 8. Mai ein komplizierter Tag, der Tag der Befreiung. Denn er könnte genauso gut auch „Tag der Kapitulation“ heißen. Am 8. Mai 1945 hat Nazi-Deutschland kapituliert und die alliierten Mächte gingen als Sieger aus dem Zweiten Weltkrieg in Europa hervor. In Deutschland wird der Tag der Befreiung nicht als Feiertag zelebriert. In vielen Teilen von Europa ist der 8. Mai – Victory in Europe Day – aber ein wichtiger Festtag.

Tag der Befreiung: Was war am 8. Mai 1945?

Die Kurzbeschreibung dessen, was am 8 Mai 1945 passiert ist lautet: Die Kapitulation von Deutschland wurde rechtskräftig, somit war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Das Ende des Krieges im Pazifik war erst am 2. September, nachdem die Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki gefallen waren.
Deutschland hat aber eigentlich schon am Tag vorher, am 7. Mai, die Kapitulation aller Streitkräfte unterzeichnet. Sei trat aber erst am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft. Aus diesem Grund wird auch in Russland erst am 9. Mai, dem „Tag des Sieges“ die Kapitulation Deutschlands gefeiert. Nach Moskauer Zeit war die Kapitulation am 9. Mai um 01:01 Uhr rechtskräftig.
Unterzeichnet wurde die Kapitulation von Generaloberst Alfred Jodl in der französischen Stadt Reims. Er tat dies in Stellvertretung für die deutsche Führung, nachdem Adolf Hitler am 30. April 1945 Selbstmord begangen hatte.

8. Mai in Deutschland und der DDR: Feiertag oder Gedenktag?

Seit der Wiedervereinigung ist der 8. Mai in Deutschland kein Feiertag. In der DDR wurde der Tag zwischen 1950 und 1967 aber nach sowjetischem Vorbild als „Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus“ gefeiert. Danach wurde er nur noch einmal, und zwar am 8. Mai 1985 – genau 40 Jahre nach der Kapitulation also – als gesetzlichen Feiertag gehandhabt. Auch in der BRD hat es zu diesem Jahrestag eine Gedenkveranstaltung gegeben.
Am 30. April 2015 hat das Land Brandenburg den 8. Mai zu einem offiziellen Gedenktag erklärt. Er ist aber kein Feiertag, es ist weder arbeits- noch schulfrei.
Am 8. Mai 2020, zum 75. Jahrestag also, war der Tag in Berlin ein gesetzlicher Feiertag. Das war aber eine einmalige Ausnahme.

Am 7. Mai 1945 unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl (M) in einem Schulhaus in Reims die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation Deutschlands.
Am 7. Mai 1945 unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl (M) in einem Schulhaus in Reims die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation Deutschlands.
© Foto: dpa

Tag der Befreiung - Victory in Europe: So wird der 8. Mai in Europa gefeiert

Während der Jahrestag zur bedingungslosen Kapitulation Deutschlands hierzulande lange verschwiegen wurde, ist dieser Tag für viele Nachbarstaaten in Europa ein Feiertag. Es wird sowohl an die Opfer des Krieges gedacht wie auch die Befreiung Europas vom Faschismus zelebriert. In folgenden Ländern ist der 8./9. Mai ein Feiertag:
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Österreich
  • Tschechien
  • Polen
  • Slowakei
  • Russland
  • Ukraine
  • Litauen
  • Lettland
  • Estland
  • Europäische Union (“Europe Day“)
  • Armenien
  • Aserbaidschan
  • Belarus
  • Bosnien und Herzegowina
  • Georgien
  • Israel
  • Kasachstan
  • Kirgistan
  • Moldau
  • Serbien
  • Slowakei
  • Tadschikistan
  • Turkmenistan
  • Usbekistan
  • (Niederlande: 5. Mai)
  • (Dänemark:: 5. Mai)
  • (Italien: 25. April)

Feldmarschall Wilhelm Keitel, Oberkommandierender der Wehrmacht (1938-45), unterschreibt in Berlin-Karlshorst die Kapitulations-Urkunde der deutschen Wehrmacht.
Feldmarschall Wilhelm Keitel, Oberkommandierender der Wehrmacht (1938-45), unterschreibt in Berlin-Karlshorst die Kapitulations-Urkunde der deutschen Wehrmacht.
© Foto: dpa

Tag des Sieges in Russland: Parade am 9. Mai

In Russland und anderen ehemaligen Sowjetstaaten wird der 9. Mai als gesetzlichen Feiertag begangen. In Russland wird an diesem Tag der Sieg der Sowjetunion im „Großen Vaterländischen Krieg“ gefeiert. Für Russland in der 9. Mai eines der wichtigsten Feiertage im Jahr. Seitdem Wladimir Putin in Russland der Präsident ist, gibt es am 9. Mai wieder eine jährliche Militärparade. Auf dem Roten Platz in Moskau gibt es zudem eine Rede von Präsident Putin. Dieses Jahr kommt den Feierlichkeiten besondere Bedeutung zu, da Russland in der Ukraine einmarschiert ist. Die Streitkräfte stehen unter Druck, bis zum 9. Mai Erfolge in der Ukraine zu erzielen. Putin wird in seiner Rede Parallelen zwischen dem sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland und seinem erklärten Ziel der "Entnazifizierung" der Ukraine ziehen wollen.