• US-Präsident Donald Trump ist am Coronavirus erkrankt, laut seinem Leibarzt geht es ihm „sehr gut“
  • Doch es gibt auch Meldungen über „besorgniserregende“ Werte
  • In Trumps Umfeld sind immer mehr Personen positiv getestet
  • Er wird in einem Krankenhaus mit dem Medikament Remdesivir behandelt
  • Ärzte kritisieren die Behandlung, weil erst die Wirksamkeit getestet werden müsse
  • Die EU prüft mögliche Nierenschäden im Zusammenhang mit der Gabe von Remdesivir

Trump nach Corona-Erkrankung mit Remdesivir behandelt

US-Präsident Donald Trump wird wegen seiner Infektion mit dem Coronavirus mit dem Arzneistoff Remdesivir behandelt. Das ging am Freitagabend aus einem Schreiben seines Leibarztes Sean Conley hervor, wenige Stunden nachdem Trump ins Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda nördlich von Washington gebracht worden war.
Der 74-Jährige wurde am Freitag per Hubschrauber in die nahe der Hauptstadt Washington gelegene Klinik Walter Reed geflogen. Seine Sprecherin erklärte, es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme auf Anraten der Ärzte. Trump selbst betonte, er fühle sich „sehr gut“. Laut seinem Arzt wird er mit einem experimentellen Antikörper-Cocktail behandelt.
Verwirrung hatte es zuletzt um den wirklichen Gesundheitszustand des US-Präsidenten gegeben. Trumps Stabschef Meadows wurde in Medienberichten mit den Worten zitiert, dass die Werte des Präsidenten „in den vergangenen 24 Stunden sehr besorgniserregend“ gewesen seien; „die nächsten 48 Stunden werden entscheidend für seine Behandlung sein“, sagte er demnach.
Diese Einschätzung stimmte nicht mit der ersten offiziellen Einschätzung von Trumps Leibarzt und der des Präsidenten selbst überein. Sean Conley hatte in seiner offiziellen Stellungnahme zur Corona-Infektion des Präsidenten und der First Lady Melania in der Nacht zum Freitag mitgeteilt, sowohl dem Präsidenten als auch der First Lady gehe „es derzeit gut“. Auch Trump selbst erklärte in einem aufgezeichneten Video: „Ich denke, dass es mir sehr gut geht.“

Trump soll nach Corona-Infektion vom Krankenhaus aus arbeiten

„Ich denke, dass es mir sehr gut geht“, hatte der Republikaner in dem vor seinem Flug ins Krankenhaus im Weißen Haus aufgezeichneten Video am Freitag gesagt. Auch seiner ebenfalls mit dem Coronavirus infizierten Ehefrau Melania gehe es „sehr gut“.
Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany erklärte, der Präsident werde in den „kommenden Tagen“ vom Krankenhaus aus arbeiten. Trump erhalte das Antivirus-Mittel Remdesivir. Auf zusätzlichen Sauerstoff sei er nicht angewiesen.

Video Corona: Donald Trump und Melania positiv getestet

Ärzte kritisieren Remdesivir-Behandlung - EU prüft mögliche Nierenschäden

Ärzte sehen Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde, nicht als Allheilmittel bei einer Covid-19-Erkrankung, oft aber als hilfreich. Nach Angaben des Herstellers kann die Arznei das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf der Corona-Krankheit Covid-19 deutlich vermindern.
Die EU-Arzneimittelbehörde EMA aber prüft nach eigenen Angaben Berichte über mögliche Nierenschäden durch die Einnahme von Remdesivir. Es lägen Berichte vor, wonach einige Patienten mit der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 nach der Einnahme des Medikaments akute Nierenschäden erlitten hätten, erklärte die Behörde am Freitag. Nun werde untersucht, ob es einen ursächlichen Zusammenhang gebe. Es sei ebenso möglich, dass Covid-19 selbst Nierenschäden verursachen könnte.
Die EU-Kommission hatte Remdesivir auf Empfehlung der EMA Anfang Juli im Schnellverfahren für die Behandlung von Corona-Patienten zugelassen. Zur Bedingung wurde dabei gemacht, dass die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen des Mittels weiter untersucht werden. Die EMA empfiehlt die Zulassung von Remdesivir ausschließlich für die Behandlung von erwachsenen Corona-Patienten sowie von Jugendlichen ab zwölf Jahren, die an einer Lungenentzündung leiden und mit Sauerstoff versorgt werden müssen.
Forschungen zu Remdesivir gab es unter anderem an der Universität in Düsseldorf.
Forschungen zu Remdesivir gab es unter anderem an der Universität in Düsseldorf.
© Foto: DPA

Bewertung von Remdesivir fußt auf NIAID-Studie

Die Bewertung fußt im Wesentlichen auf einer Studie des US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID). Darin heißt es, dass Remdesivir die Behandlung von Corona-Patienten erheblich beschleunigen, jedoch vermutlich nicht die Sterblichkeitsrate senken könne.
Remdesivir wurde von dem US-Konzern Gilead eigentlich zur Behandlung von Ebola entwickelt.
  • Remdesivir ist ein sogenanntes Nukleotidanalogon
  • Remdesivir wurde von dem US-Konzern Gilead entwickelt
  • Es ist ursprünglich zum Einsatz gegen Ebola- und Marburgvirusinfektionen entwickelt
  • In den USA und Japan erhielt das Medikament bereits Ausnahmegenehmigungen für die Behandlung von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus

Trump am Freitag wegen Corona in Krankenhaus geflogen

Trump lief am frühen Freitagabend (Ortszeit) zu dem auf dem Rasen des Weißen Hauses wartenden Präsidentenhubschrauber Marine One. Der Präsident trug dabei eine Schutzmaske und reckte seinen Daumen in Richtung der Fotografen.
Der Hubschrauber landete nach kurzem Flug am Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda im Bundesstaat Maryland. Dort unterzieht sich Trump auch seinen alljährlichen medizinischen Untersuchungen. Mit seinen 74 Jahren und deutlichem Übergewicht gehört Trump zur Gruppe der Corona-Risikopatienten.
Der Präsident hatte in der Nacht zum Freitag bekanntgegeben, dass er und seine Frau Melania positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Amtsgeschäfte führt der 74-Jährige nach Angaben des Weißen Hauses vorerst weiter.
Sein Leibarzt Sean Conley erklärte, Trump sei nach dem positiven Test mit einem experimentellen Antikörper-Cocktail behandelt worden. Der Präsident habe „als Vorsichtsmaßnahme“ eine Acht-Gramm-Dosis synthetischer Antikörper des US-Pharmakonzerns Regeneron erhalten.
US-Präsident Donald Trump war am Freitag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus in der Nähe von Washington geflogen worden. Er hat sich mit dem Coronavirus infiziert und wird nun offenbar mit Remdesivir behandelt.
US-Präsident Donald Trump war am Freitag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus in der Nähe von Washington geflogen worden. Er hat sich mit dem Coronavirus infiziert und wird nun offenbar mit Remdesivir behandelt.
© Foto: DPA
Trump sei „ermüdet, aber guter Dinge“, versicherte Conley. Die First Lady habe lediglich „leichten Husten und Kopfschmerzen“. Eine Sprecherin von Melania Trump teilte mit, der 14-jährige Sohn Barron des Präsidentenpaars sei negativ getestet worden.

Remdesivir: „Medikament nicht verabreichen, bevor Wirksamkeit nicht bewiesen ist“

Bei Experten sorgte die Behandlung des Präsidenten mit dem noch nicht zugelassenen Medikament für Kritik. „Wir sollten dem Präsidenten dieses Medikament nicht verabreichen, bevor seine Wirksamkeit bewiesen ist“, twitterte etwa der Bostoner Notfallmediziner Jeremy Faust.
Die Wirksamkeit von Remdevisir wird derzeit in klinischen Studien untersucht. Regeneron-Chef Leonard Schleifer sagte der "New York Times", Trump sei der erste Patient, der das Mittel erhalte. Sein Unternehmen habe das Medikament auf Bitten des Weißen Hauses zur Verfügung gestellt.
Die Nachricht von der Ansteckung des Präsidenten, der die Gefahr durch das Coronavirus über Monate heruntergespielt hatte, schlug einen Monat vor der Präsidentschaftswahl ein wie eine Bombe. Das Wahlkampfteam des Republikaners erklärte, alle bislang geplanten Wahlkampfveranstaltungen würden verschoben oder virtuell abgehalten.

Offenbar immer mehr Menschen in Trumps Umfeld mit dem Coronavirus erkrankt

Nach der Coronavirus-Infektion von US-Präsident Donald Trump werden immer mehr Ansteckungen in seinem Umfeld bekannt. Auch Trumps Wahlkampfchef Bill Stepien wurde positiv auf das Virus getestet, wie das Wahlkampfteam in der Nacht zu Samstag bestätigte. Trump wurde weiter im Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda nördlich von Washington behandelt. Trump schrieb auf Twitter aus der Klinik: „Es läuft gut, denke ich! Ich danke euch allen. Liebe!!!!“
Nach Trump Ansteckung richtet sich der Fokus inzwischen besonders auf eine Veranstaltung mit dem Präsidenten, bei denen viele der nun Infizierten waren: Die Vorstellung der konservativen Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den freien Posten am Supreme Court am Samstag vor einer Woche im Rosengarten des Weißen Hauses. Dort versammelten sich auf engem Raum mehr als 100 Menschen. Auf Fotos und Videos ist zu sehen, dass wenige Masken trugen oder Abstand hielten. Teilnehmer umarmten sich oder schüttelten sich die Hände.
Bei mindestens sieben Teilnehmern fielen seitdem Corona-Tests positiv aus: Neben dem Präsidenten und First Lady Melania Trump sind das die frühere Trump-Beraterin Kellyanne Conway, die Senatoren Mike Lee und Thom Tillis, der Präsident der katholischen Universität Notre Dame, John Jenkins, sowie ein Reporter. Die Nachbesetzung des Richterpostens durch Barrett soll trotzdem planmäßig laufen.
Weitere nun Infizierte haben US-Medienberichten zufolge an der Vorbereitung Trumps für die TV-Debatte des Republikaners mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden am Dienstag in Cleveland im Bundesstaat Ohio teilgenommen. Beteiligt an der Vorbereitung war neben Conway und Stepien auch die enge Trump-Beraterin Hope Hicks, deren Infektion Trump am Donnerstagabend öffentlich machte, bevor sein eigenes positives Testergebnis bekannt wurde.

Genesungswünsche für Trump nach Corona-Infektion

Trumps Sohn Donald Trump Jr. sagte dem Sender Fox News, es sei "offensichtlich", dass sein Vater seine Corona-Infektion "sehr ernst" nehme. "Aber er ist ein Kämpfer", fügte Trump Jr. hinzu.
Genesungswünsche kamen derweil von Trumps Vorgänger Barack Obama. "Obwohl wir uns inmitten eines großen politischen Kampfes befinden, den wir sehr ernst nehmen, senden wir beste Wünsche an den Präsidenten und die First Lady", sagte Obama bei einer Veranstaltung zum Sammeln von Wahlkampfspenden für Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Der 77-jährige Biden absolvierte einen geplanten Wahlkampfauftritt in Michigan.
Zuvor hatte auch Biden Trump eine rasche Genesung gewünscht. Sein Wahlkampfteam kündigte an, als Reaktion auf die Erkankung des Präsidenten sämtliche Wahlwerbung zurückzuziehen, die Trump in ein schlechtes Licht rückt.
Auch von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erreichten das Ehepaar Trump Genesungswünsche. "Ich hoffe, dass sie ihre Corona-Infektion gut überstehen und bald wieder ganz gesund sind", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).