Seitdem die russische Armee am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert ist, hat die Nato mit den EU-Mitgliedstaaten und den USA weitreichende Sanktionen gegen Russland beschlossen. Auch Soldaten der Nato Einsatztruppe NRF wurden nach Osteuropa verlegt. Vor dem Nato-Gipfel in Madrid Ende Juni hat Generalsekretär Jens Stoltenberg nun weitere Schritte angekündigt: Die NRF wird deutlich verstärkt. Sie soll von 40.000 auf 300.000 Soldaten aufgestockt werden. Hier alle wichtigen Infos:
  • Was ist die NRF?
  • Welche Rolle spielt sie im Russland-Ukraine-Konflikt?
  • Wie viele Soldaten wurden in den Osten verlegt?
  • Was bedeutet die Aufstockung der NRF?
Hier die wichtigsten Antworten auf die Fragen.

Schnelle Eingreiftruppe der Nato: Was ist die NRF?

NRF ist die Abkürzung für „Nato Response Force“ (Deutsch: Nato-Reaktionsstreitmacht). Sie ist die schnelle Eingreiftruppe der Nato und stellt sich aus mehreren nationalen Truppen zusammen. Aktuell besteht sie aus 40.000 Soldaten. Sowohl auf dem Land, per Wasser und Luft kann die NRF von der Nato schnell eingesetzt werden, wo immer sie gebraucht wird.
Seit 2014 existiert die „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF), eine „Speerspitze“ der NRF, die besonders schnell – nach Angaben der Nato innerhalb von zwei bis drei Tagen – abgerufen werden kann. Diese besteht aktuell aus 20.000 Soldaten.
Die NRF soll nach Angaben der Nato vor allem die Möglichkeit bieten, kurzfristig auf militärische Krisen und Gefahrensituationen reagieren zu können, beispielsweise in einem Verteidigungsfall eines Nato-Mitglieds. 2004 wurde die NRF bei den Olympischen Spielen in Griechenland zum Schutz der Veranstaltung eingesetzt, 2005 in den USA als dort der Hurricane „Katrina“ wütete.

NRF wird aufgestockt: Nato will mehr als 300.000 Soldaten bereitstellen

Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine will die Nato "weit über 300.000 Soldaten" in erhöhte Bereitschaft versetzen. Das kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor dem Nato-Gipfel an. Nach seinen Angaben wollen die Staats- und Regierungschefs der 30 Nato-Länder dies auf dem anstehenden Bündnis-Gipfel in Madrid beschließen.
Nach der russischen Invasion in der Ukraine Ende Februar hatte die Nato rund 40.000 Soldaten ihrer schnellen Eingreiftruppe (Nato Response Force, NRF) in erhöhte Bereitschaft versetzt. Diese Truppen unter Nato-Kommando sollen nach Diplomatenangaben nun um einsatzbereite Kräfte in den Mitgliedsländern ersetzt werden.
Zudem sollen die multinationalen Gefechtsverbände im Osten der Allianz aufgestockt werden. Stoltenberg sprach von der "größten Neuaufstellung unserer kollektiven Verteidigung und Abschreckung seit dem Kalten Krieg".

Wie funktioniert die NRF und wer entsendet Soldaten?

Als Teil der Nato, ist die NRF wesentlich an Friedens- und Verteidigungsvorhaben der Nato-Länder beteiligt. Die Truppe besteht dabei aus Soldaten, die die Nato-Staaten jährlich rotierend zur Verfügung stellen. Für 12 Monate senden dann einzelne Partner ein gewisses Kontingent ihrer eigenen Truppen an die NRF. Dabei werden die entsendeten Soldaten zunächst vorbereitet und ausgebildet, bevor sie gemeinsam stationiert werden.
Die Bundeswehr entsendet zwischen 2022 und 2023 etwa 16.000 Soldaten an die NRF. Das entspricht rund einem Drittel der gesamten Eingreiftruppe. In dieser Zeit ist Deutschland „verantwortliche Rahmennation und wesentlicher Truppensteller“, 2023 zudem auch für die Speerspitze VJTF. Aktuell wird sie von Frankreich angeführt.

Tausende Soldaten der NRF nach Osteuropa geschickt

Die Nato hat beschlossen, zur Abschreckung Russlands, Soldaten der schnellen Einsatztruppe Nato Response Force (NRF) nach Osteuropa zu verlagern. Am Tag nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine kündigten die Mitgliedstaaten an, mehr Kräfte zur Verteidigung „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ bereitstellen, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die ersten Soldaten aus Frankreich und Belgien werden nach Rumänien und die Slowakei geschickt. Frankreich schickt insgesamt 500 Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und Kampfmittel nach Rumänien. Belgien schickt 300 Soldaten in das Land. Deutschland stellt für die schnellste Eingreiftruppe des Bündnisses derzeit rund 750 Kräfte.
Eine weitere Battlegroup“ wird in der Slowakei stationiert. Sie wird für ein „Patriot“-Flugabwehrraketensystem zuständig sein und soll mehr als tausend Soldaten aus Deutschland, den Niederlanden, Tschechien, Polen, Slowenien und den USA umfassen.