Die Bundeswehr dient der Verteidigung Deutschlands. Doch auch im Ausland werden die deutschen Streitkräfte eingesetzt, wie etwa in Mali oder zuletzt in Afghanistan. Im Krieg in der Ukraine hat sich die Bundeswehr bisher zögerlich gezeigt. Nach anfänglicher Ablehnung von Waffenlieferungen entschied sich die Regierung letztlich doch dazu Rüstungsgüter wie Panzerabwehrwaffen und Boden-Luft-Raketen an die Ukraine zu liefern. Was schwere Waffen betrifft, hält sich die Regierung aber derzeit noch zurück.
  • Was sind schwere Waffen?
  • Warum zögert Deutschland mit weiteren Waffenlieferungen?
Was für Gründe dahinter stecken, wie stark die Bundeswehr ist und alle weiteren Informationen rund ums deutsche Militär lest ihr im Artikel.

Bundeswehr: Bestand, Ausrüstung, Truppenstärke

Jeden Monat veröffentlicht das Verteidigungsministerium die aktuellen Personenzahlen der Bundeswehr. Im Januar 2022 leisten 183.758 Soldatinnen und Soldaten für Deutschland ihren Dienst. 119.187 davon sind Soldaten auf Zeit, das heißt freiwillige Wehrdienstleistende, 55.434 sind Berufssoldaten. Nachfolgend weitere Daten zur Truppenstärke der Bundeswehr:
  • Heer: 62.766
  • Luftwaffe: 27.381
  • Marine: 16.196
Dazu kommen rund 82.000 zivile Beschäftigte. Insgesamt sind somit mehr als 260.000 Männer und Frauen bei der Bundeswehr tätig. Verglichen mit China, Russland und den USA ist das aber eine geringe Truppenstärke. Doch Deutschland ist ein NATO-Mitgliedsland und im Konflikt- oder Kriegsfall können Europa und Nordamerika auf 3,3 Millionen Soldaten der Nato zurückgreifen.

Bestand: Haubitzen, Mungo und Marder

Laut eigenen Angaben umfasste der Bestand der Bundeswehr 2019 über 4.600 gepanzerte und 11.500 ungepanzerte Fahrzeuge, darunter:
  • 250 Hubschrauber
  • 300 Flugzeuge
  • über 50 Schiffe und Boote
  • über 500 Feuerwehrfahrzeuge
Wie viele Waffen die Bundeswehr genau hat, ist aus strategischen Gründen nicht näher bekannt. Allerdings lässt sich vermuten, dass der Bestand nicht ausreicht, um umfassende Waffenlieferungen an die Ukraine zu zusichern. Gegenüber RTL und ntv sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Donnerstag: "Die Bundeswehr ist in einer Situation, in der sie leider keine Waffen abgeben kann.“ Begründet wird das damit, dass die Kapazitäten der Bundeswehr damit ausgereizt wären und die eigene Verteidigung dann nicht mehr gewährleistet werden könnte.
Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter findet das Zögern der Regierung gefährlich. Er plädiert für eine militärische Unterstützung der Ukraine und wiederspricht damit auch Bundeskanzler Olaf Scholz, der am Dienstag zwar angekündigt hatte, Rüstungsgüter der deutschen Industrie in die Ukraine zu liefern, eine direkte Einmischung seitens der Regierung aber für falsch hält.

Markus Laubenthal: Vize-General gegen Lieferung schwerer Waffen

Auch die Spitze der Bundeswehr rät von der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ab und verwies auf die ohnehin dürftigen Panzer-Bestände der Bundeswehr. Würden diese Panzer an die Ukraine weitergegeben, würde das die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands "doch erheblich schwächen", so Laubenthal.
Doch was genau sind eigentlich schwere Waffen? Eine Auflistung der Waffen und welche Länder diese bereits an die Ukraine liefern, findet ihr hier:

Aufrüstung: 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr

Nichtzuletzt wegen des Ukraine-Kriegs hat die Bundesregierung einen historischen Schritt gemacht: 100 Milliarden Euro steckt die Regierung zusätzlich in die Bundeswehr. Das „Sondervermögen“ soll für Investitionen und Rüstungsvorhaben genutzt werden. Auch das lange verfehlte Nato-Rüstungsziel könnte damit nun erfüllt werden. Denn zukünftig fließen mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung.

Waffenlieferungen: Radpanzer Fuchs und Kampfpanzer Leopard 2

Die Bundesregierung bereitet einen Ringtausch für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vor. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der NATO-Partner Slowakei mehrere T-72-Kampfpanzer an die Ukraine abgeben. Dafür erhalten die Slowaken aus Deutschland den Schützenpanzer Marder und den Radpanzer Fuchs. Auch Slowenien hat moderne Waffensysteme aus Deutschland angefragt, darunter den Kampfpanzer Leopard 2, den Radpanzer Boxer und den Schützenpanzer Puma.
Statt direkt Waffen an die Ukraine zu liefern, will die Bundesregierung Rüstungslieferungen der Industrie an die Ukraine finanzieren. Über einen sogenannten Ringtausch sollen somit Lieferung von Waffen sowjetischer Bauart aus osteuropäischen Nato-Ländern in die Ukraine ermöglicht werden.

Bundeswehr: Geschichte und Entstehung

Gegründet wurde die Bundeswehr 1955 – zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und zur Zeit des Kalten Kriegs. Nach anfänglich nur 7700 Soldaten, erreichte die Bundeswehr bis Ende der 1960er Jahre eine Truppenstärke von rund 500.000 Mann. Nach seinem Einsatz für die Nato im Kalten Krieg war die Wiedervereinigung ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte. Die rund 76.000 Soldaten der DDR wurden von Westdeutschland übernommen, 12.000 davon waren ehemalige DDR-Offiziere. Mit zwei Herausforderungen hatte die Bundeswehr in der Folge zu tun: Mit einer Verkleinerung und einer komplett neu konzipierten Truppe, einer „Armee der Freiheit“.
Bis zur Wiedervereinigung war die Bundeswehr ausschließlich landesintern im Einsatz, seit 1992 unterstützt sie weltweit in Krisengebieten.

Bundeswehr: Aufgaben und Auftrag

Dass der Bundesrepublik eine Armee zur Verteidigung zur Verfügung steht, ist im Grundgesetz festgeschrieben. Dort heißt es: „Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“ Auftrag und Aufgaben der deutschen Armee stehen im sogenannten „Weißbuch 2016“. Es ist das oberste sicherheits- und verteidigungspolitische Dokument und wird von der Bundesregierung herausgegeben. Der Kern der Verteidigung besteht vor allem in der Abwehr eines Angriffs auf Deutschland sowie Nato-Partnern und dem Schutz der Bevölkerung. Diese Aufgaben bestehen seit der Gründung der Bundeswehr, wurden aber inzwischen durch den Schutz vor Cyber-Bedrohungen, internationalem Terrorismus und Pandemien erweitert.

Russland-Ukraine-Konflikt: Wird die Bundeswehr eingesetzt?

In der Nacht auf den 24.02.2022 ist Russland in die Ukraine einmarschiert. Seitdem werden zahlreiche Städte bombardiert. Vor allem die ukrainische Hauptstadt Kiew war Opfer zahlreicher Angriffe.
Derzeit beteiligt sich die Bundeswehr nicht aktiv am Krieg in der Ukraine, da das Land kein NATO-Mitglied ist. Sollte Russland Nachbarländer, die zum NATO-Territorium gehören, angreifen, würde die Bundeswehr um einen aktiven Einsatz wohl nicht herum kommen.