Jens Stoltenberg
: Wer ist der Generalsekretär der Nato?

Seine Rolle ist seit dem Ukraine-Krieg wichtiger denn je. Jens Stoltenberg ist seit 2013 der Vorsitzende der Nato. Jetzt haben sich die Verbündeten entschieden, seinen Vertrag zu verlängern. Alle Infos über den Norweger.
Von
Amelie Schröer
Ulm
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Jens Stoltenberg soll ein weiteres Jahr Generalsekretär der Nato bleiben. Die Mitgliedstaaten hätten vereinbart, das Mandat des Norwegers bis zum 1. Oktober 2024 zu verlängern, teilte das Verteidigungsbündnis in Brüssel mit.

Kay Nietfeld/dpa

Als Nato-Generalsekretär kommt Jens Stoltenberg im Ukraine-Krieg eine zentrale Rolle zu, um den Frieden in Europa wiederherzustellen.

  • Wer ist der Norweger?
  • Hat er Frau und Kinder?
  • Welche Sprachen spricht er?
  • Und was unternimmt er im Russland-Ukraine-Konflikt?

Familie, Beruf, Alter – Alle Infos über Jens Stoltenberg im Steckbrief

  • Name: Jens Stoltenberg
  • Geburtstag: 16.03.1959 (62 Jahre)
  • Geburtsort: Oslo
  • Beruf: Politiker, Wirtschaftswissenschaftler, Journalist
  • Partei: Arbeiderpartiet (Ap)
  • Ehefrau: Ingrid Schulerud
  • Kinder: zwei
  • Twitter: jensstoltenberg
  • Instragram: jensstoltenberg

Frau und Kinder – Das ist die Familie von Stoltenberg

Die politische Karriere von Jens Stoltenberg kommt nicht von ungefähr: Seine Eltern, Thorvald und Karin Stoltenberg, waren in Norwegen in der Politik tätig, seine Tante, Marianne Heiberg, ist Nahost-Expertin.

Seit 1987 ist Stoltenberg mit der Diplomatin Ingrid Schulerud verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.

Neun Jahre Staatsminister: Die politische Laufbahn von Jens Stoltenberg

Während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Oslo war Stoltenberg zunächst Vorstandsmitglied in der Arbeiderpartiet-Jugendorganisation Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF). Anschließend war er von 1990 bis 1992 Vorsitzender der Arbeiderpartiet in Oslo.

In seiner ersten Tätigkeit für die norwegische Regierung war Stoltenberg ab 1990 Staatssekretär im Ministerium für Umweltschutz. Parallel war er in einer Verteidigungskommission tätig, die sich mit der Rolle des norwegischen Militärs nach Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion auseinandersetzte. 1993 wurde Stoltenberg erstmals in das norwegische Nationalparlament „Storting“ gewählt. Dort wurde er zunächst Wirtschafts- und Energie-, später Finanzminister.

2000 wurde Stoltenberg während der laufenden Legislaturperiode neuer Ministerpräsident (Statsminister) in Norwegen. Bei erneuten Wahlen 2001 erhielt er nicht die absolute Mehrheit und gab das Amt wieder ab. Vier Jahre später wurde er wiederum Ministerpräsident einer rot-rot-grünen Koalition. Sein Amt behielt er bis 2013. Bei den Wahlen in diesem Jahr löste die bürgerliche Regierung Solberg die bisherige Koalition an der Regierungsspitze ab.

Stoltenbergs Amtszeit war geprägt von gesteigerten Militärausgaben. Außerdem sprach er sisch für eine Mitgliedschaft Norwegens im Europäischen Wirtschaftsraum aus.

Stoltenberg als Nato-Generalsekretär

Nach seinen Tätigkeiten im norwegischen Parlament wechselte Jens Stoltenberg auf die europäische Bühne. Am 28. März 2014 wurde er vom Nordatlantikrat zum Nato-Generalsekretär gewählt. Prominente Unterstützer seiner Bewerbung waren unter anderem die einstige Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama.

Als Vorsitzender des Verteidigungsbündnisses bestehend aus 30 Staaten lenkt Stoltenberg Diskussionen, leitet die Entscheidungsfindung und stellt die Umsetzung getroffener Beschlüsse sicher. Im Verlaufe seiner Amtszeit forderte Stoltenberg von den Nato-Mitgliedstaaten mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für das Militär bereitzustellen, was eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben bedeutete.

Stoltenberg bleibt bis 2024 im Amt

Jens Stoltenberg wird um ein weiteres Jahr im Amt bleiben. Der 64-Jährige äußerte sich am Dienstag, den 04.07.2023 über den Kurznachrichtendienst Twitter und sagte, er sei „geehrt durch die Entscheidung der Nato-Verbündeten, meine Amtszeit als Generalsekretär bis zum 1. Oktober 2024 zu verlängern“.

Die Verlängerung von Stoltenbergs Amtszeit war bereits vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine absehbar. Es gibt jedoch einen weiteren Hauptgrund: Die europäischen Mitgliedstaaten innerhalb des Bündnisses konnten sich nicht auf eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Stoltenberg einigen.

Deutsch, Englisch, Serbisch: Welche Sprachen spricht Jens Stoltenberg?

Wie viele Sprachen Jens Stoltenberg beherrscht ist nicht bekannt. Jedoch hört man ihn in Interviews neben norwegisch und englisch auch deutsch sprechen. Da er in seiner Kindheit (1961 bis 1964) einige Jahre mit seiner Familie in Serbien lebte, ist anzunehmen, dass Stoltenberg auch serbisch spricht.

Krieg in der Ukraine: Diese Rolle übernimmt Jens Stoltenberg

Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar begann ein Krieg in Osteuropa, den niemand für möglich gehalten hätte. Schnell legten sich die Nato-Mitgliedstaaten auf Sanktionen gegen Russland fest. Jens Stoltenberg als Vorsitzender des Verteidigungsbündnisses leitet in dieser Situation die Treffen und teilte sie der Öffentlichkeit mit. Außerdem führte er zahlreiche Telefonate mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Unmittelbar nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine beschloss die Nato, ihre schnelle Einsatztruppe sowie weitere Armeen an die Ostflanke zu verlagern, um die Staaten dort zu unterstützen. Angesichts des massiven Aufmarschs Russlands sprach er von der „größten Bedrohung für Europa seit Jahrzehnten.“ Russland habe den Frieden in Europa zerstört. Mehrfach forderte der Norweger den russischen Präsidenten auf, den Krieg zu beenden. Die verstärkte Präsenz der Nato-Truppen in Osteuropa hält er nach gescheiterten diplomatischen Verhandlungen als richtigen Schritt: „Wir werden tun, was notwendig ist, um jeden Verbündeten und jeden Zoll der Nato-Gebiete zu beschützen und zu verteidigen“, sagte er.

Auch eine Woche nach Kriegsbeginn werde die Nato ihre Truppenstärke in den osteuropäischen Staaten weiter erhöhen: „Wir erwägen nun ernsthaft eine erhebliche Verstärkung unserer Präsenz - mit mehr Truppen, mit mehr Luftverteidigung, mehr Abschreckung“, sagte der Nato-Generalsekretär am Freitag (4.3.2022) in Brüssel nach einem Treffen der Außenminister der Bündnisstaaten. Vor allem Georgien und Bosnien-Herzegowina werden dadurch unterstützt.