Die nächsten Tage werden mit Spannung in Deutschland beobachtet: Wird Russland uns vom Gas abschneiden? Bundesregierung und Bundesnetzagentur sind zumindest pessimistisch, und haben schon seit Tagen die Bevölkerung auf einen harten Winter eingestellt.
Am Montag, 11.07.2022 haben die Wartungsarbeiten an der Gas-Pipeline Nord Stream 1 begonnen. Das Gas fließt aktuell nicht. Am Donnerstag, den 21.07.202,2 soll der Gashahn eigentlich wieder aufgedreht werden. Kommt aus Russland danach wieder Erdgas? Wir klären auf:
  • Wartung von Nord Stream 1: Beginn, Dauer und Ende im Überblick
  • Warum wird die Pipeline gewartet?
  • Führt die Gaskrise zu weiter steigenden Gaspreisen?

Wartung von Nord Stream 1: Infos zur geplanten Dauer

Wartungsarbeiten an der Erdgas-Pipeline Nord Stream 1 sollen am Donnerstagmorgen, 21.07.2022, abgeschlossen werden. Dann könnte nach zehn Tagen Unterbrechung von 6 Uhr an wieder Gas aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland fließen. Ob dies tatsächlich geschieht und in welchem Umfang, war bis zuletzt offen. Wie die Bundesnetzagentur mitteilte, sollte nach der jüngsten Anmeldung bei den Transportnetzbetreibern am Donnerstag etwa 30 Prozent der maximalen Menge geliefert werden. Diese Anmeldung kann aber bis kurz vor Lieferbeginn noch geändert werden. Nord Stream 1 ist die wichtigste Pipeline für russisches Gas nach Europa.
Die Leitung ist seit 2011 in Betrieb und transportiert Gas unter der Ostsee bis nach Greifswald. Von dort aus wird das Gas über verschiedene Pipelines nach ganz Deutschland gefördert. Schon vor Monaten hatte Russland angekündigt, dass im Juli 2022 eine Wartung der Pipeline stattfinden würde. Das ist nicht weiter ungewöhnlich: Wie die Bundesnetzagentur auf ihrer Webseite erklärt, findet jährlich eine Inspektion statt, diese ist üblicherweise im Sommer. In dieser Zeit kann kein Gas durch die Leitung fließen.

Wann startete die Wartung von Nord Stream 1?

Die Wartung startete 2022 am 11. Juli. In der Regel dauert die Wartung laut Bundesnetzagentur zehn Tage. Allerdings kann der Zeitraum auch schwanken. Aus diesem Grund schätzt die Bundesnetzagentur eher konservativ und geht davon aus, dass spätestens nach 14 Tagen, also am 25. Juli 2022, die Inspektion vorbei sein müsste.

Kommt wieder Gas durch die Pipeline?

Kommt bis zum 25.07. kein Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1, muss Deutschland davon ausgehen, dass Russland den Gashahn zugedreht hat. Dies sollte als Antwort der Russen auf Deutschlands Engagement in der Ukraine verstanden werden.
Die Bundesregierung hatte befürchtet, Kremlchef Wladimir Putin könnte den Gashahn auch nach dem Ende der Wartungsarbeiten geschlossen lassen. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hatte der Westen Sanktionen gegen Russland verhängt. Russland wiederum hat Gaslieferungen an europäische Länder gedrosselt oder ganz gestoppt. Schon vor Beginn der Wartung von Nord Stream 1 hatte der russische Staatskonzern Gazprom die Lieferungen durch die Pipeline auf 40 Prozent gedrosselt und dies mit dem Fehlen einer Turbine begründet.

Gaskrise durch Lieferstopp: Preise steigen weiter

Die Furcht vor zunehmenden Angebotsengpässen hat die Gaspreise in Europa auf einen viermonatigen Höchststand getrieben. Der richtungsweisende Terminkontrakt TTF stieg an der Energiebörse in den Niederlanden bis auf rund 175 Euro je Megawattstunde. Das ist der höchste Stand seit März. Es wird erwartet, dass bei Ausbleiben des Gases die Preise noch deutlich ansteigen.
Ausschlaggebend bleibt das knappe Angebot. Russland hat seine Lieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 in den vergangenen Wochen um etwa 60 Prozent verringert. Russland begründet dies mit technischen Problemen. Westliche Staaten sehen eine politische Reaktion auf die Sanktionen, die sie wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine erlassen haben.

Wartung von Nord Stream 1: Was wird aktuell geprüft?

Die Rede ist von Überprüfung und gegebenenfalls Instandsetzung oder Kalibrierung etwa der Stromversorgung, des Brand- und Gasschutzes sowie bestimmter Ventile. Auch Software-Updates würden vorgenommen. Die Offshore-Pipelines blieben weiter unter Druck. Die Arbeiten finden laut Bundesnetzagentur nicht an der eigentlichen Leitung sondern an den Verdichterstationen statt, etwa in Lubmin.
mit dpa