Nach Tod von Laura Dahlmeier: Experte: „Fehlt der Leichnam oder ein Grab, wird immer etwas fehlen“

Im Geschäft der Eltern von Laura Dahlmeier ist eine Gedenkstelle für die Ex-Biathletin errichtet worden.
Uwe Lein/dpa- Ex-Biathletin Laura Dahlmeier stirbt bei Steinschlag im Karakorum-Gebirge – Bergung nicht möglich.
- Experten betonen: Fehlender Leichnam oder Grab erschwert Trauerbewältigung erheblich.
- Orte der Trauer, auch ohne klassischen Grabstein, werden immer wichtiger – neue Bestattungstrends.
- Vermisstenfälle belasten Hinterbliebene besonders, da Ungewissheit bleibt.
- Dahlmeier war erfahrene Bergführerin und aktive Bergwachtlerin – sie wurde 31 Jahre alt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Fehlt wie im Fall der Sportlerin Laura Dahlmeier der Leichnam einer verunglückten Person, kann das für Hinterbliebene eine große Belastung darstellen. „Hinterbliebene brauchen die absolute Gewissheit, dass jemand wirklich tot ist, um es zu begreifen. Und um diese Gewissheit zu haben, brauchen Menschen ihre ganzheitliche Sinneswahrnehmung und im besten Fall einen Ort, an dem wir zum Toten gehen können“, sagte Dirk Pörschmann, Leiter des Museums für Sepulkralkultur, also der Kultur des Todes, des Sterbens, des Bestattens sowie des Trauerns in Kassel, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Für die Trauerarbeit sei entscheidend, den Tod auch physisch zu vergegenwärtigen. Menschen seien darauf angewiesen, im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, was bei tiefgreifenden Veränderungen wie einem Todesfall geschehe, so der Experte. „Ich mache über meine Sinne Erfahrungen, die mir klarmachen: Da ist etwas passiert und das ist nicht mehr rückgängig zu machen.“ Rein intellektuell ließe sich das Geschehene verstehen, doch zum Begreifen brauche es Orte der Trauer. „Fehlt der Leichnam oder ein Grab, wird immer etwas fehlen.“
Noch schwieriger gestalte sich die Verarbeitung, wenn Vermisste für tot erklärt werden. „Wer nicht weiß, ob eine Person vielleicht doch noch lebt, rechnet vielleicht jeden Tag mit einem Wiedersehen“, so Pörschmann weiter.
Trauerbewältigung gestern und heute
Davon unabhängig beobachtet Pörschmann neue Entwicklungen in der Bestattungskultur. „Weil Menschen viel mobiler geworden sind, sind Familiengräber oft von den Wohnorten entfernt.“ Daher gingen neue Überlegungen auf Friedhöfen in die Richtung, Trauerorte zu schaffen, die ohne klassische Gräber gestaltet sind. „Die tote Person liegt vielleicht in München, aber ihre Verwandten in Berlin haben dort einen öffentlichen Ort für ihre Trauer.“
Die frühere Biathletin und Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier war am Montag beim Bergsteigen im Karakorum-Gebirge in Pakistan in einen Steinschlag geraten. Laut ihrem Management war sie sofort tot. Rettungs- und Bergungsversuche scheiterten. Dahlmeiers Leichnam wird in dem Gebirge bleiben. Denn niemand solle für sie sein Leben aufs Spiel setzen, verfügte die ehemalige Spitzensportlerin, die aus Garmisch-Partenkirchen stammte. Dahlmeier war staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin und aktives Mitglied der Bergwacht. Am 22. August wäre sie 32 Jahre alt geworden.

