Nach Kreta-Erdbeben
: Gibt es in Griechenland mehr seismische Aktivität?

Nach dem Erdbeben in Griechenland sind viele Reisende verunsichert. Ist das Urlaubstraumland gefährlicher geworden? Eine Statistik gibt Auskunft.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Tourismus in Griechenland: ARCHIV - 12.05.2022, Griechenland, Kissamos: Teilansicht des Strandes von Balos und seiner Lagune im nordöstlichen Teil der Insel Kreta. (zu dpa: «Drei starke Erdbeben erschüttern Kreta») Foto: Socrates Baltagiannis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Gibt es auf Kreta und in Griechenland mehr Erdbeben als gewöhnlich? Die Aufzeichnungen und Daten der letzten 25 Jahre geben Aufschluss.

Socrates Baltagiannis/dpa

Die Postkartenidylle einiger Urlaubsländer wie Griechenland, Italien und der Türkei wurde in jüngster Zeit häufiger von Erdbeben durchbrochen. Viele fragen sich, ob die Erde in letzter Zeit häufiger bebt, oder ob es sich dabei nur um ein diffuses Gefühl handelt. Fakt ist: Griechenland liegt auf der Grenze zweier großer Kontinentalplatten, die sich im östlichen Mittelmeer gegeneinander verschieben. Seismische Aktivität ist hier tagtäglich messbar.

Das verraten Aufzeichnungen für Griechenland der letzten Jahrzehnte über die Häufigkeit von Erdbeben.

Erdbeben in Griechenland: hat die seismische Aktivität zugenommen?

Die Seite volcanodiscovery.com liefert Erdbebenstatistiken der letzten 10 Jahre und gibt damit einen detaillierten Einblick in die tatsächliche Häufigkeit von Erdbeben in Griechenland. Das Land zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Europas, was sich auch in der aktuellen Erdbebenstatistik widerspiegelt. Laut VolcanoDiscovery wurden in den letzten 24 Stunden insgesamt 218 Erdbeben registriert, und in den vergangenen 7 Tagen waren es sogar 1.735 Beben. Die meisten dieser Erschütterungen liegen im Bereich von Magnitude 2 bis 3, was typisch für die Region ist. Solche leichten Beben sind Expertenangaben zufolge häufig und werden oft nicht einmal wahrgenommen.

Besonders auffällig ist die Aktivität rund um die Insel Santorin. Seit Januar 2025 wurden dort über 21.500 Erdbeben registriert, viele davon mit einer Magnitude über 4,0. Die Behörden haben aufgrund dieser ungewöhnlichen Häufung den Notstand ausgerufen und Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.

Hat also die seismische Aktivität in Griechenland in den letzten Tagen zugenommen? Nein, gibt die Auswertung der Daten preis. So gab es in Griechenland in den letzten 2 Tagen insgesamt 11 Prozent weniger Erdbeben als gewöhnlich, zumindest wenn man alle Erdbeben ab Stärke 1 zusammennimmt.

So oft bebte die Erde in Griechenland in den letzten 25 Jahren

Basierend auf den Daten der letzten 25 Jahre sowie dem Erdbebenarchiv des genannten Portals, in dem Daten seit 1900 verfügbar sind, gibt es durchschnittlich etwa 28.000 Erdbeben pro Jahr in Griechenland. Die meisten dieser Beben, nämlich 27.000, erreichen lediglich die Stärke 1.

Erdbeben der Stärke 5 oder höher werden im Schnitt 13,2 Mal im Jahr gemessen, wenn man die Daten der letzten 25 Jahre übereinander legt. Ein Erdbeben der Stärke 6 oder höher kommt statistisch gesehen nur 1,53 Mal im Jahr vor. Erdbeben der höchsten Kategorie mit der Stärke 7 passieren laut Statistik sogar nur alle 7 Jahre. Allerdings ist das letzte Erdbeben mit annähernd dieser Stärke bereits 11 Jahre her: Am 24. Mai 2014 kam es in Griechenland zu einem Beben der Stärke 6,9, welches 3 Todesopfer forderte.

Erdbeben der Stärke 6 und höher wurden ansonsten vor dem Beben mit der Stärke 6,1 am 13. Mai 2025 zuletzt im Jahr 2021 in Griechenland registriert. Damals in den folgenden Regionen: Südliche Ägäis, Mittelgriechenland, Kreta, Westgriechenland, Thessalien, Westmakedonien, Epirus sowie Zentralmakedonien.

Erdbeben der Stärke 7 oder höher wurde in den vergangenen 25 Jahren nicht gemessen. Das heftigste Beben der Neuzeit erreichte am 09.07.1956 in der Region Dodecanese einen Wert von 7.8 auf der Richterskala. 53 Menschen starben in der Folge. Durch das Beben wurde zudem ein Tsunami mit weiteren Opfern ausgelöst. Drei Jahre zuvor bebte die Erde in
Lixouri-Argostoli (Kephallenia) mit einer Stärke von 7,2. Das Beben forderte 476 Todesopfer. (Quelle)

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