Nach dem tödlichen Angriff in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg bleiben Schock und Trauer. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof von Brokstedt soll ein Mann die Zugreisenden mit einem Messer attackiert haben. Mehrere Menschen sind verletzt worden, zwei sogar tödlich. Es drängen sich viele Fragen auf: Wer ist der Täter und was ist das Motiv? Die Ermittler haben nun neue Erkenntnisse zum mutmaßlichen Täter. Außerdem konnten die Opfer, die bei der Attacke ums Leben kamen, bereits identifiziert werden.

Täter der Messerattacke im Zug: Was bisher bekannt ist

Ein 33 Jahre alter staatenloser Palästinenser soll während der Fahrt auf mehrere Fahrgäste eingestochen haben. Ein vergleichbar schweres Gewaltverbrechen in einem Zug gab es nach Angaben von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) in Schleswig-Holstein noch nicht.
Nach Informationen von „Spiegel“ und „Welt“ soll der Mann aber mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Aus Sicherheitskreisen sei zudem bekannt, dass der mutmaßliche Täter bis letzte Woche inhaftiert gewesen war. Der Grund dafür ist laut „Spiegel“ ein Messerangriff: „Er wurde bereits im vorigen Jahr wegen eines Messerangriffs in Hamburg zu einer Gefängnisstrafe verurteilt“, heißt es unter Berufung auf den Hamburger Gerichtsprecher Kai Wantzen.

Identität der Toten ist geklärt: Opfer waren 16 und 19 Jahre alt

Nach der Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg hat die Polizei die Identitäten der beiden Toten ermittelt. Es handele sich um eine 16-jährige Jugendliche und ihren 19-jährigen Bekannten, beide stammten aus Schleswig-Holstein, teilte die Polizeidirektion Itzehoe am Donnerstag mit. Die genaue Zahl der Verletzten sei weiterhin in der Klärung, ebenso ihr Alter, ihre Herkunft und die Schwere der Verletzungen. Polizei und Staatsanwaltschaft setzen ihre Ermittlungen zu der Attacke fort.

Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen

Zwei Opfer starben, sieben Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen verletzt. Auch der mutmaßliche Täter, den Zeugen überwältigten, wurde verletzt. Zu den Identitäten der Opfer gab es am Mittwoch noch keine Angaben, sie seien noch nicht zweifelsfrei geklärt, teilte die Polizei mit. Schleswig-Holsteins Innenministerium ordnete für Donnerstag Trauerbeflaggung an. Am Donnerstag (14 Uhr) wollen sich Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) und der Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, Frank Matthiesen, bei einer Pressekonferenz in Kiel zum Stand der Ermittlungen äußern.

Motiv der Tat ist weiter unklar

Viele Fragen blieben in den Stunden nach der Tat offen. „Die Hintergründe sind noch unklar“, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Es gab erste Hinweise, dass der mutmaßliche Angreifer geistig verwirrt sein könnte, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Nach vorläufigen Erkenntnissen war er in Norddeutschland bislang nicht als Extremist aufgefallen.

Mutige Zeugen stoppten den Täter

Die Ermittler befragten Dutzende Zeugen aus dem Zug, der mit rund 120 Fahrgästen besetzt war, in einem Gasthof in der Nähe des kleinen Bahnhofs der Gemeinde im Kreis Steinburg. Offenbar konnten mutige Fahrgäste Schlimmeres verhindern, sie überwältigten den Angreifer und hielten ihn fest.
Nach der Tat drückte auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den Betroffenen ihr Mitgefühl aus. „All unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser furchtbaren Tat und ihren Familien“, schrieb die Politikerin im Kurznachrichtendienst Twitter. Dies sei eine „erschütternde Nachricht“. Sütterlin-Waack eilte am Nachmittag zum Tatort und ließ sich informieren. Sie hatte von dem Verbrechen während einer Landtagssitzung erfahren. Sie sei „in Gedanken bei den Familien und Angehörigen der Opfer“.

Günther: „Das ist ein furchtbarer Tag.“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach am Mittwochabend in Kiel von einer schrecklichen und sinnlosen Tat. „Schleswig-Holstein trauert - das ist ein furchtbarer Tag“, sagte Günther. Er denke an alle, die trauerten und um die Verletzten bangten. Er sei in Gedanken und Gebeten bei den Menschen, bei den Angehörigen. Der Regierungschef dankte den Einsatzkräften für deren Arbeit und auch denen, die sich um die Passagiere und Zeugen im Zug sowie um die Verletzten gekümmert hätten.