Befindet sich Finanzminister Christian Lindner in einem Interessenskonflikt? Das suggeriert zumindest eine neue Recherche des „Spiegel“, in dem die Reporter die merkwürdigen Immobilienkredite von Lindner mit der BBBank aufdecken. Demnach soll der Finanzminister einen Kredit in Höhe von 2,8 Millionen Euro bekommen haben – für ein Haus, das 1,65 Millionen Euro gekostet haben soll. „Eine derartige Überfinanzierung gilt in der Branche als äußerst ungewöhnlich,“ schreibt der Spiegel.

Lindner hat für die BBBank Werbung gemacht

Warum die BBBank einen solchen Kredit an Christian Lindner vergeben hat, ist nicht ganz klar. Auch nicht, warum Lindner scheinbar kaum Eigenkapital für den Kauf seiner Immobilie gebraucht hat. Eine mögliche Erklärung wäre aber diese: Christian Lindner und diese Bank haben eine längere Geschichte. Lindner hat beispielsweise 2018 einen Imagefilm für die Bank gemacht, er hat seit 2017 mehrmals Vorträge bei der Bank gehalten – auch als Finanzminister. Für seine Auftritte wurde er immer gut bezahlt, das steht fest. Genaue Summen sind aber nicht bekannt, nur dass sie zwischen 35.000 und 73.000 Euro liegen müssen.

Interessenskonflikt: Was bedeutet das?

Die Frage schwebt also im Raum: Ist das für den Finanzminister ein Interessenskonflikt? Als Finanzminister ist er auch für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verantwortlich – die Organisation, die Banken kontrolliert. Wenn Lindner auch in seiner Rolle als Finanzminister noch Vorträge für die BBBank hält, dann könnte das einen Interessenskonflikt darstellen.
Ein Interessenskonflikt herrscht dann, wenn eine Person nicht mehr objektiv ihrer Verpflichtung nachgehen kann – in der Regel weil sie beim Nachgehen dieser Verpflichtung möglicherweise ihren eigenen Interessen schaden würde. Das führt dazu, dass die Person ihre Aufgabe nicht mehr korrekt ausführen kann.

Lindner und die Immobilie: Ungewöhnliche Konditionen

Ob die Situation von Lindner ein Interessenskonflikt ist, ist die eine Frage. Die zweite ist, ob der Finanzminister mit dem Kredit, der zu ungewöhnlichen Konditionen bewilligt wurde, bevorzugt behandelt wurde. Die Fragen des „Spiegel“ dazu beantwortete Lindner über seinen Anwalt. Die Konditionen für Lindners Kredit seien „marktüblich“, die Summe erkläre sich dadurch, dass das Haus unsaniert sei, so der Anwalt. Das beantwortet aber noch nicht die Frage, warum Lindner genau diese Bank für seinen Kredit auswählte – und nicht etwa eine andere, für die er noch keine Honorare bekommen hat.
Das Haus steht in Berlin-Nikolassee im Südwesten der Hauptstadt. Es ist ein Zweifamilienhaus mit 165 Quadratmetern. Lindner und seine Ehefrau Franca Lehfeldt wohnen dort wohl noch nicht, da das Haus in der Tat noch saniert wird.