Kreislaufversagen und Hitzegewitter
: Das gilt es beim Wandern im Hochsommer zu beachten

Ein strahlend blauer Himmel kann in den Bergen trügerisch sein: Hitze und Gewitter werden für Wanderer schnell zur Gefahr. Welche Warnzeichen Sie kennen sollten und was der DAV empfiehlt.
Von
Amelie Schröer,
Laura Mensch
Ulm
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Hitze in der Schweiz: 28.07.2026, Schweiz, Bern: Blick auf die Alpen und die Gletscherzunge des Aletschgletschers vom Triembiel oberhalb des Dorfes Belalp (VS) am Dienstag, 28. Juli 2026. Nachdem die Schweiz in diesem heißen Sommer bereits von mehreren Hitzewellen heimgesucht wurde, suchen viele Menschen Abkühlung in den Höhenlagen, während die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen die Alpenregion weiterhin prägen. Foto: Anthony Anex/KEYSTONE/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Blick auf die Schweizer Alpen: Wenn es richtig heiß ist, sollte man beim Wandern besonders vorsichtig sein. (Symbolfoto)

Anthony Anex/KEYSTONE/dpa
  • Hitze und Gewitter machen Sommerwanderungen riskant – Warnzeichen früh erkennen.
  • DAV rät: früh starten, Tour an Fitness und Bedingungen anpassen und Wetter laufend prüfen.
  • Durst, Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit sind Warnsignale; sofort pausieren und trinken.
  • Sonnenschutz, Kopfbedeckung und funktionale, leichte Kleidung schützen in großer Höhe.
  • Genug Wasser und Elektrolyte mitnehmen, Pausen planen und bei Gewitter rechtzeitig umkehren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Abstürze, Verletzungen, Todesfälle: Gerade im Sommer vergeht kaum eine Woche ohne neue Meldungen über schwere Bergunfälle. In den vergangenen Wochen sind unter anderem Wanderer in Tirol, im Allgäu und in Südtirol tödlich verunglückt. Gleichzeitig machen Hitze, Gewitter und schwierige Wetterbedingungen Touren in den Bergen zusätzlich anspruchsvoll. Wer bei hohen Temperaturen wandern geht, sollte deshalb nicht nur auf die richtige Ausrüstung achten – sondern auch auf seinen Körper hören.

Wandern bei Sonnenschein gehört für viele zum Sommer. Doch hohe Temperaturen können gerade in den Bergen schnell zum Problem werden. Die Belastung wird häufig unterschätzt: Der Körper verliert beim Aufstieg durch Schwitzen viel Flüssigkeit, während die Sonne in höheren Lagen besonders intensiv einwirkt. Kommt dazu ein aufziehendes Gewitter, kann sich die Situation innerhalb kurzer Zeit verschärfen.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) rät deshalb zu einer guten Vorbereitung und dazu, die Tour den Bedingungen anzupassen. Auch Simone Mahling von der Ulmer Sektion des DAV warnt davor, erste Anzeichen von Überlastung zu ignorieren.

Durst ist bereits ein Warnsignal

Ob Hitzeerschöpfung, Sonnenstich oder Hitzschlag: Wenn der Körper seine Wärme nicht mehr ausreichend abgeben kann und gleichzeitig viel Flüssigkeit verliert, kann es gefährlich werden. Erste Beschwerden können Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche oder Übelkeit sein. In schweren Fällen kommen Krämpfe, Atemnot oder Bewusstseinsstörungen hinzu.

Für Mahling ist deshalb bereits das Durstgefühl ein wichtiges Warnzeichen. „Wenn die Schleimhäute trocken werden und man schon nach Wasser lechzt, ist es eigentlich schon zu spät“, sagt die Trainerin. Wer bei Hitze unterwegs ist, sollte deshalb regelmäßig trinken und nicht erst dann zur Flasche greifen, wenn der Durst groß wird.

Neben Wasser können auch Elektrolyte wichtig sein. Mahling empfiehlt deshalb, beispielsweise auch Nüsse oder Müsliriegel mitzunehmen. Wie viel Flüssigkeit benötigt wird, hängt unter anderem von der Länge und Schwierigkeit der Tour und von den Möglichkeiten zur Einkehr ab. Genau deshalb sollte bereits bei der Planung geprüft werden, ob unterwegs Wasser nachgefüllt werden kann.

Sobald Beschwerden auftreten: Pause machen

Wer beim Wandern Kopfschmerzen, Schwindel oder ungewöhnliche Schwäche bemerkt, sollte nicht einfach weitergehen. „Sobald man irgendwas merkt, sollte man eine Pause einlegen“, sagt Mahling.

Am besten suchen Wanderer dafür einen möglichst schattigen und geschützten Platz auf, trinken und geben ihrem Körper Zeit zur Erholung. Verschlimmern sich die Beschwerden oder treten Bewusstseinsstörungen, Atemnot oder andere schwere Symptome auf, ist medizinische Hilfe notwendig.

Tückisch kann dabei auch Wind sein. Er sorgt dafür, dass sich die Temperaturen angenehmer anfühlen, obwohl die Sonneneinstrahlung und die körperliche Belastung weiterhin hoch sind. „Das ist aber ein trügerisches Gefühl“, sagt Mahling.

Diese fünf Tipps gibt der DAV

Damit es gar nicht erst zu einer gefährlichen Überhitzung kommt, empfiehlt der Deutsche Alpenverein einige grundlegende Maßnahmen:

1. Früh starten und die Tour anpassen

Wer bei großer Hitze wandern möchte, sollte möglichst früh am Morgen aufbrechen. Die kühleren Stunden lassen sich so für die anstrengendsten Abschnitte nutzen. Besonders sonnige und schattenarme Passagen sollten nicht ausgerechnet in die Mittagshitze gelegt werden.

Auch die Routenwahl kann helfen: Bei starker Sonneneinstrahlung bieten sich beispielsweise Anstiege an, die zumindest teilweise im Schatten liegen. Entscheidend ist außerdem, die Tour realistisch an die eigene Fitness und die aktuellen Bedingungen anzupassen.

2. Das Wetter ständig im Blick behalten

Hitze und Gewitter können gemeinsam zum Problem werden. Gerade an warmen Sommertagen können sich in den Bergen Gewitter entwickeln, die innerhalb kurzer Zeit aufziehen.

Deshalb sollte der Wetterbericht nicht nur vor dem Start geprüft werden. Wanderer sollten auch unterwegs beobachten, wie sich Wolken, Wind und Wetterlage entwickeln. Bei einer heranziehenden Gewitterfront gilt: nicht abwarten, sondern rechtzeitig einen sicheren Ort aufsuchen beziehungsweise die Tour abbrechen.

Wie schnell sich die Bedingungen verändern können, zeigte zuletzt auch ein Einsatz am Hochstaufen: Ein schwer verletzter Wanderer musste dort wegen eines Gewitters zunächst mit seiner Begleiterin in einem Notbiwak ausharren, bevor eine Wetterlücke die Rettung per Hubschrauber ermöglichte.

3. Funktionale Kleidung tragen

Auch die Kleidung spielt bei Hitze eine Rolle. Sie sollte Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren und dabei helfen, die Körpertemperatur zu regulieren. Leichte, funktionale Kleidung ist deshalb sinnvoll.

Eine Kopfbedeckung schützt zusätzlich vor direkter Sonneneinstrahlung. Je nach Tour und Höhe können außerdem lange, luftige Kleidungsstücke sinnvoll sein.

4. Sonnenschutz nicht vergessen

Dass es in den Bergen kühler ist als im Tal, bedeutet nicht, dass die Sonne weniger gefährlich ist. Im Gegenteil: Mit zunehmender Höhe nimmt die UV-Belastung zu.

Sonnencreme sollte deshalb nicht nur vor dem Aufbruch, sondern während der Tour regelmäßig aufgetragen werden. Auch Sonnenbrille und Kopfbedeckung gehören zur Grundausstattung.

5. Genug trinken – und Pausen einplanen

Ausreichend Flüssigkeit gehört bei einer Sommertour ins Gepäck. Dabei sollte nicht nur auf die Wassermenge, sondern auch auf die Möglichkeit zum Nachfüllen geachtet werden.

Ebenso wichtig sind regelmäßige Pausen. Wer merkt, dass die Kräfte nachlassen, sollte nicht versuchen, die Tour um jeden Preis fortzusetzen. Im Zweifel ist es besser, umzudrehen oder den Abstieg anzutreten.

Im Zweifel lieber umdrehen

Die jüngsten Bergunfälle zeigen, dass selbst erfahrene Wanderer nicht vor Unfällen geschützt sind. Erst kürzlich stürzte eine 14-Jährige vor den Augen ihrer Familie in den Tod. Im Juli kam ein deutscher Wanderer auf dem Pfunderer Höhenweg in Südtirol nach einem rund 300 Meter langen Absturz ums Leben.

Auch ein vermeintlich einfacher Weg kann im alpinen Gelände gefährlich werden. Im Juni stürzte ein 58-Jähriger in den Allgäuer Alpen bei Füssen in den Tod.

Die wichtigste Regel bleibt deshalb: Die Bedingungen entscheiden, nicht der ursprüngliche Tourenplan. Wer sich wegen Hitze, Gewitter, Erschöpfung oder unsicherem Gelände nicht mehr wohlfühlt, sollte umkehren.