Wanderunfälle
: Diese Dinge sollten jetzt in keinem Rucksack fehlen

Ein falscher Tritt, ein Sturz oder plötzliches Unwetter – beim Wandern kann es schnell ernst werden. Mit der richtigen Ausrüstung kann man sich selbst versorgen oder zumindest die Zeit bis zum Eintreffen der Bergrettung überbrücken.
Von
Amelie Schröer,
Laura Mensch
Ulm
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Großübung der Bergwacht des DRK: ARCHIV - 15.03.2026, Sachsen, Struppen: Ein Bergretter spricht während einer Übung der Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Dresden am Rauenstein in der Sächsischen Schweiz in sein Funkgerät. An mehreren Stationen trainieren die Bergretter verschiedene Hilfs- und Einsatztechniken für die Rettung von Personen. Diese reichen von der Kameraden- und Patientensicherung im absturzgefährdeten Gelände über die Rettung verunfallter Kletterer von Kletterfelsen bis zur Rettung aus Spalten mit umfangreichen Rettungshilfsmitteln. (zu dpa: «Bergwacht warnt vor Leichtsinn beim Wandern») Foto: Jürgen Lösel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Bergretter müssen in diesen Tagen oft ausrücken. Doch wie kann man sich selbst besser vorbereiten? (Symbolfoto)

Jürgen Lösel/dpa
  • Richtig ausgerüstet wandern: Ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack ist unverzichtbar.
  • Basis-Set laut DAV: Verbände, Pflaster, Schere, Handschuhe, Rettungsdecke und Signalpfeife.
  • Für längere Touren rät der DAV zu Biwaksack, Stirnlampe, geladenem Handy und ggf. Powerbank.
  • Persönliche Medikamente gehören dazu. Eine Sam-Splint-Schiene kann Verletzungen stabilisieren.
  • Gute Tourenplanung bleibt zentral – früh Hilfe rufen und Standort genau melden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sommerzeit ist Wanderzeit. Gerade in den Ferien zieht es viele Menschen in die Berge – und nicht jeder schätzt eine Tour, das Wetter oder die eigenen Fähigkeiten richtig ein. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu Wanderunfällen: Menschen stürzten ab, verletzten sich oder gerieten in schwierige Situationen. Nicht selten mussten Bergwacht und Rettungshubschrauber ausrücken. Ein gut ausgestattetes Erste-Hilfe-Set gehört deshalb in jeden Rucksack. Doch was sollte darin eigentlich stecken?

Standard-Erste-Hilfe-Set als Basis

„Ich empfehle immer ein klassisches Erste-Hilfe-Päckchen, was man standardmäßig kaufen kann“, sagt Simone Mahling vom Deutschen Alpenverein (DAV) in Ulm. Darin sind in der Regel die wichtigsten Utensilien für eine erste Versorgung enthalten:

  • Verbandpäckchen
  • großes Wundpflaster
  • Pflastersortiment
  • Wundkompressen
  • sterile Wundverbände
  • Dreiecktuch
  • Rolle Leukoplast oder Tape
  • sterile Alkohol- oder Desinfektionstupfer
  • Verbandschere und Pinzette
  • Einmalhandschuhe
  • Rettungsdecke
  • Signalpfeife

Für längere oder anspruchsvollere Touren empfiehlt die Trainerin, das Sortiment zu erweitern. Dazu gehört unter anderem ein Biwaksack. „Der ist für vieles zu gebrauchen“, sagt Mahling. Er schützt nicht nur vor Wind und Wetter, sondern kann im Notfall auch bei einer längeren Wartezeit auf Hilfe wertvoll sein.

Mahling empfiehlt einen Zweimann-Biwaksack. „Da man sich im Falle eines nächtlichen Biwaks zu zweit gegenseitig wärmen kann“, erklärt sie. Darüber hinaus könne er bei einer behelfsmäßigen Bergrettung hilfreich sein – beispielsweise, um daraus eine improvisierte Trage zu bauen.

Stirnlampe und geladenes Handy elementar

Zur Ausrüstung gehört für die erfahrene Wanderin außerdem eine Stirnlampe. „Damit man sich nachts orientieren kann“, sagt Mahling. Zwar kann im Notfall auch die Taschenlampe des Smartphones helfen, doch das Handy wird möglicherweise gleichzeitig für einen Notruf benötigt.

Das Mobiltelefon sollte vor jeder Tour vollständig geladen sein. Sinnvoll kann außerdem eine Powerbank sein, insbesondere bei längeren Touren. Wer in abgelegenen Regionen unterwegs ist, sollte sich zudem vorab informieren, wie gut die Mobilfunkversorgung entlang der Route ist.

Wichtig ist aber auch: Ein Erste-Hilfe-Set ersetzt keine gute Tourenplanung. Wer sich verläuft, in schlechtes Wetter gerät oder sich schwer verletzt, sollte möglichst früh Hilfe holen und nicht versuchen, eine gefährliche Situation allein zu lösen. Bei einem Notfall gilt es, Ruhe zu bewahren, den Standort möglichst genau zu bestimmen und den Rettungskräften die Situation zu schildern.

Schmerzmittel und andere Medikamente

Neben den Erste-Hilfe-Utensilien können persönliche Medikamente und individuell benötigte Mittel in die Rucksackapotheke gehören. Mahling selbst darf, wenn sie eine Gruppe in den Bergen anleitet, keine Medikamente verabreichen. Deshalb gelte: „Jeder sollte vorher schauen, was er braucht, und es selber mitnehmen.“

Je nach persönlichem Bedarf können etwa Schmerzmittel, Allergietabletten oder Medikamente gegen Übelkeit und Durchfall dazugehören. Entscheidend ist, nur solche Medikamente mitzunehmen, die man selbst verträgt und deren Anwendung man kennt.

Mahling selbst hat noch einen besonderen Tipp parat: Für den Fall einer Bänder-, Knochen- oder Gelenksverletzung hat sie eine sogenannte Sam-Splint-Schiene dabei. Sie besteht aus einem biegsamen Material und kann im Notfall zur Stabilisierung einer verletzten Körperpartie eingesetzt werden. „Die Schiene kann man sich biegen, wie man sie braucht, und dann mit einem Tape fixieren“, erklärt Mahling.

Gute Vorbereitung kann Unfälle verhindern

Bei aller Bedeutung des Erste-Hilfe-Sets gilt jedoch: Am besten ist es, wenn es gar nicht erst zum Notfall kommt. Dazu gehört, die eigene Kondition realistisch einzuschätzen und eine Route zu wählen, die zum eigenen Können passt. Auch Wetterbericht, Gehzeit, Höhenmeter und mögliche Ausweichrouten sollten vor dem Start geprüft werden.

Gerade bei sommerlichen Temperaturen sollte außerdem ausreichend getrunken werden. Festes Schuhwerk, wetterangepasste Kleidung und ein zusätzlicher Wärmeschutz gehören ebenfalls zur Grundausstattung – denn in den Bergen können sich die Bedingungen auch im Sommer schnell verändern.

Und wer trotz aller Vorbereitung in Schwierigkeiten gerät, sollte nicht zu lange warten, bevor er Hilfe holt. Ein Notruf kann im Ernstfall entscheidend sein. Denn was als schöne Wandertour beginnt, kann im unwegsamen Gelände schneller als gedacht zu einer Herausforderung werden.

Notruf in den Bergen: 112

In allen EU-Mitgliedsstaaten ist die 112 kostenlos erreichbar. Über die einheitliche Notrufnummer lassen sich Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei alarmieren – auch bei einem Bergunfall.

Wer keinen Empfang im eigenen Mobilfunknetz hat, sollte prüfen, ob ein anderes Netz verfügbar ist. Ein Neustart des Handys mit anschließender Eingabe der 112 statt der PIN kann je nach Gerät und Netzsituation den Notruf ermöglichen.

Zusätzlich zur 112 gibt es in verschiedenen Ländern und Regionen spezielle Bergrettungs-Notrufnummern. Damit erreicht man die jeweilige Bergrettung direkt und nicht über allgemeine Rettungsleitstellen. Diese finden Sie beispielsweise auf der Seite des Deutschen Alpenvereins (DAV).