Klimawandel
: Diese Länder stoßen am meisten CO2 aus – Auf der Suche nach dem größten Klimasünder

Die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, sind oft am stärksten davon betroffen. Ursache und Wirkung liegen bei der globalen Erwärmung oft weit auseinander. Doch welches Land ist am meisten für den Klimawandel verantwortlich?
Von
David Hahn
Berlin
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Für 81 Prozent der weltweiten CO2 Emissionen 2021 waren die G20 Staaten verantwortlich

Jens Büttner/dpa

Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast – dieser Rat wird Churchill nachgesagt. Bei der Auflistung der vermeintlichen „Klimasünder“ und einem vorschnellen Fingerzeig ist ebenfalls Vorsicht geboten. Auch wenn die Datenerhebungen und Statistiken zum CO₂ Ausstoß der Länder richtig sind: Das Konzept des „Klimasünders“, kann unterschiedlich definiert werden.

Diese Länder haben 2021 am meisten CO₂ ausgestoßen

2021 war laut Statista der größte Emittent von CO₂ mit 30 Prozent China. Das Land stieß fast dreimal so viel CO₂ aus wie die USA, mit 13,49 Prozent auf Platz zwei. Beide Werte verstehen sich als relativer Anteil an den weltweiten CO₂-Emissionen. Darauf folgen Indien, Russland, Japan und der Iran im einstelligen Bereich. Deutschland belegt mit 1,82 Prozent den siebten Platz der größten Länder nach Anteil am weltweiten CO₂-Ausstoß im Jahr 2021. Zwar kommt all diesen Ländern, und insbesondere China, damit eine große Verantwortung zu. Die Rangfolge ändert sich jedoch drastisch, wenn die Emissionen pro Kopf betrachtet werden.

Der höchste CO₂-Ausstoß pro Kopf – Wechsel auf dem Podest der Klimasünder

Natürlich sind größere Länder mit mehr Einwohnern weltweit auch für einen größeren Anteil an CO₂ Emissionen verantwortlich. Das schmälert zwar nicht die politische Bedeutung des Klimaschutzes dieser Länder auf globaler Ebene, aber der pro Kopf-Ausstoß mag bei der Suche nach dem größten „Klimasünder“ eventuell mehr Aufschluss geben. In dieser Betrachtung dominieren bei den fossilen CO₂-Emissionen pro Kopf laut den IEA-EDGAR CO₂ Daten mehrere Golfstaaten wie Katar, Kuwait, Bahrain oder Saudi-Arabien die oberen Plätze. Da der Energiesektor den Hauptanteil der weltweiten Treibhausgasemissionen darstellt, haben Länder, die wirtschaftlich stark an fossile Brennstoffe gebunden sind, in dieser Auflistung einen höheren Anteil am CO₂-Ausstoß. Mit der Nummer 1 der Länder, die 2021 am meisten CO₂ pro Kopf ausgestoßen haben, könnte demnach auch der größte „Klimasünder“ gefunden sein. Und der erste Platz geht an … Palau. Das ist ausgerechnet ein Inselstaat im Pazifischen Ozean, der sogar von dem steigenden Meeresspiegel massiv bedroht ist.

Warum ist der CO₂ Ausstoß pro Kopf in Palau am größten?

Jährlich verkehren Urlauber zwischen den Inseln und hinterlassen somit den größten C02 Fußabdruck aus fossilen Brennstoffen pro Person - weltweit. Der Grund ist laut der Augsburger Allgemeinen der Tourismus. Kann hier vom größten „Klimasünder“ gesprochen werden, wenn der Tourismus auch ausländisch bedingt ist?

Schwierigkeiten bei der Suche nach dem größten „Klimasünder“

Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass es gar nicht so einfach ist, die Rolle des größten „Klimasünders“ einem Land zuzuweisen. In den meisten Erhebungen wird das CO₂ auch dem Land zugeordnet, in welchem es verursacht wurde. Falls also ein Spielzeug in China hergestellt wird, welches für den Markt in den USA gedacht ist, rechnen die meisten Studien nach Angaben des Moment Instituts das bei der Produktion emittierte CO₂ China zu. Wer ist nun schuld? Die Nachfrage oder das Angebot?

Der Klimawandel – eine historische Verantwortung

Um noch eine letzte weitere Möglichkeit der Betrachtung ins Spiel zu bringen: Man kann den CO₂ Ausstoß auch über die Jahre zusammenrechnen. Denn wer nun am meisten für den Klimawandel verantwortlich ist, bedingt sich nicht nur durch den jährlichen Ausstoß, sondern auch über die Treibhausgase, die über Jahrzehnte hinweg verursacht wurden. Bei dieser Art von Berechnung führen laut der am 29. März in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature publizierten Studie von Jones, M.W. et.al. die USA die Rangliste an.

Der Kampf gegen den Klimawandel – nur gemeinsam möglich

Vielleicht ist es bei der Eindämmung des Klimawandels gar nicht so zielführend, den größten Schuldigen zu suchen. Zu sehr sind die Länder vernetzt und lassen sich nicht völlig losgelöst voneinander betrachten. Zwar braucht es eine Erhebung vom CO₂-Ausstoß der jeweiligen Länder, sodass überhaupt Ziele für den Klimaschutz formuliert werden können. Eine direkte Übertragung auf das Konzept des größten „Klimasünders“ ist allerdings nicht so leicht möglich. Letztendlich sollten die Werte eher dazu dienen, die inländischen und ausländischen Gründe für den Klimawandel zu untersuchen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, welche diesen auf das 2 Grad, bzw. 1.5 Grad Ziel vom Pariser Klimaabkommen begrenzen. Dieser Weg geht aufgrund der gegenseitigen Abhängigkeiten nur gemeinsam, wie das Umweltbundesamt betont. Der Kampf gegen den Klimawandel erfordert somit eine starke internationale Koordination, aber auch eine gegenseitige Kontrolle, wie sie das Pariser Abkommen vorsieht, da alle Länder voneinander abhängig sind. Ein Fingerzeig wird dabei wahrscheinlich wenig helfen.

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