Klimaaktivsten schmeißen Tomatensuppe und Kartoffelbrei auf Gemälde, legen den Verkehr in Großstädten lahm und ketten sich an Bäume, um deren Abholzung zu verhindern. Was dabei gelegentlich verloren geht ist, dass die Gruppierungen oft sehr unterschiedlich sind was Mitglieder, politische Positionen und Forderungen betrifft. Man kann schon mal den Überblick verlieren – daher hier eine kleine Einführung mit allen wichtigen Umweltgruppen, die in Deutschland aktiv sind.

Fridays for Future: Das Sammelbecken

Die weltweit wohl bekannteste Klimabewegung, die auch in Deutschland eine Rolle spielt, ist Fridays for Future (FFF). Initiiert von der Schwedin Greta Thunberg hat sie sich von einem Protest eines einzelnen Schulmädchens zu einer weltweiten Jugendbewegung entwickelt. 2019 organisierte FFF den bisher größten Klimastreik der Welt mit mehr als vier Millionen Teilnehmenden weltweit und mehr als 1,4 Millionen Demonstranten in Deutschland allein.

Mitglieder

Die Bewegung profilierte sich in ihren Anfängen zunächst als Jugendbewegung. Greta Thunberg hatte die zündende Idee: Sie würde an Freitagen nicht mehr zur Schule gehen, solange die Regierungen nichts gegen den Klimawandel unternahmen. So setzte sich die Bewegung fort – bis tausende Schülerinnen und Schüler an Freitagen die Schule schwänzten, um stattdessen beim Klimastreik mitzumachen.
Mittlerweile ist FFF nicht mehr nur eine Schülerbewegung, sondern ein Sammelbecken für viele Umwelt- und Klimaaktivsten. Es gründeten sich auch Partnerorganisationen wie „Scientists for Future“ und „Parents for Future“.

Politische Einordnung & Aktionen

Politisch ist FFF daher schwer einzuordnen. In Deutschland haben sich in der Vergangenheit viele Teilnehmer für die Grünen als Partei ausgesprochen, andere kritisieren die Partei als zu wenig radikal. Die Aktionen von FFF begrenzen sich in der Regel auf Demonstrationen und und Streiks.

Forderungen

FFF hat in Deutschland folgende Forderungen formuliert:
  • Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels
  • Deutschland soll bis 2035 klimaneutral sein
  • bis 2035 sollte die Energieversorgung zu 100 Prozent aus Erneuerbaren entstehen
  • Keine Subventionen für fossile Energien mehr
  • Abschaltung der Kohlekraftwerke
  • Eine CO2-Steuer auf alle Emissionen einführen
Fridays for Future ist das Sammelbecken der Klimabewegung.
Fridays for Future ist das Sammelbecken der Klimabewegung.
© Foto: dpa

Extinction Rebellion: Rebellion gegen das Aussterben

Extinction Rebllion (XR) wurde 2018 gegründet und erlangte zunächst in London größere Bekanntheit. Extinction Rebellion kann ins Deutsche übersetzt werden als „Rebellion gegen das Aussterben“. XR hat sich dem gewaltfreien zivilen Ungehorsam verpflichtet.

Mitglieder

Über die Anzahl der Mitglieder bei XR ist wenig bekannt, da die Organisation dezentral arbeitet. Es gibt also mehrere Ortsgruppen, die alle unabhängig voneinander ihre Aktionen planen.

Politische Einordnung & Aktionen

XR bekennt sich zu keiner politischen Partei und befürwortet neue politische Strukturen. Stattdessen hat XR aber Werte und Prinzipen, denen sich alle Mitglieder bekennen müssen. Diese sind:
  • Wir haben eine gemeinsame Vision der Veränderung
  • Unser Fokus liegt auf dem Erreichen des Notwendigen
  • Wir brauchen eine Kultur der Regeneration
  • Wir stellen uns selbst und unser toxisches System offen in Frage
  • Reflexion und Lernen sind uns wichtig
  • Alle sind willkommen - so wie sie sind
  • Wir überwinden hierarchische Machtstrukturen
  • Wir vermeiden Schuldzuweisungen und Beleidigungen
  • Wir sind ein gewaltfreies Netzwerk
  • Wir stützen uns auf Selbstbestimmung und Dezentralität
XR versucht sich mittels zivilen Ungehorsams Gehör zu verschaffen. Die Aktionen sollen aber gewaltfrei sein – nach Angaben von XR Deutschland sollen die Teilnehmenden keine Straftaten begehen, „maximal Delikte“. Zu den Aktionen von XR gehören die Blockade von Autobahnen und anderen wichtigen Straßen, die Färbung von Flüssen in Kohlerevieren und Flashmobs.

Forderungen

Extinction Rebellion hat für Deutschland folgende Forderungen:
  • Anerkennung der ökologischen Krise und deren Ursachen und Folgen
  • Treibhausgasemissionen müssen bis 2025 auf null fallen
  • Einberufung einer Bürgerversammlung, die Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe formuliert
Im internationalen Kontext hat XR diese drei Forderungen, die national angepasst werden, wie folgt formuliert: Tell the truth (sagt die Wahrheit) - Act Now (Handelt jetzt) - Beyond Politics (Politik neu leben)
Das Logo von Extinction Rebellion: Eine Sanduhr in einer Weltkugel.
Das Logo von Extinction Rebellion: Eine Sanduhr in einer Weltkugel.
© Foto: dpa

Letzte Generation / Last Generation

Die Gruppe „Letzte Generation“ bildete sich 2021 aus dem „Hungerstreik der letzten Generation“, bei dem junge Menschen vor der Bundestagswahl in den Hungerstreik traten, um die drei Kanzlerkandidaten zum Gespräch zu zwingen. Nach der Wahl beendeten die Teilnehmer den Hungerstreik und die Aktionsgruppe wurde gegründet, zunächst mit dem Namen „Aufstand der letzten Generation“.

Mitglieder

Die meisten Mitglieder der Letzten Generation sind junge Menschen. Eigenen Angaben zufolge reicht das Alter aber von 19 bis 73 Jahren. Die Gruppe ist hauptsächlich in Deutschland und Österreich aktiv, allerdings kooperiert sie auch mit anderen Umweltbewegungen weltweit, zum Beispiel mit Extinction Rebellion.

Politische Einordnung & Aktionen

In Deutschland traten einige Mitglieder in einen Hungerstreik, der die Organisation letztlich gründete. Genauso wie XR versucht sich die Letzte Generation durch zivilen Ungehorsam Gehör zu verschaffen. Sie bekennen sich zu keiner politischen Partei und wurden für ihre Aktionen von Politikern aus allen Lagern kritisiert. So haben sie Sitzblockaden an Autobahnen organisiert, blockierten Teile des Hamburger Hafens und Zufahrtsstraßen zu Flughäfen. Im Oktober 2022 haben zwei Aktivisten Kartoffelbrei auf ein Gemälde des Künstlers Claude Monet im Potsdamer Barberini-Museum geworfen. Im November 2022 ging der Protest weiter - mittlerweile sind sie im Volksmund auch einfach als „Klima-Kleber“ bekannt.

Forderungen

Die Letzte Generation hat folgende Forderungen:
  • Einführung eines Tempolimits von 100 km/h auf Autobahnen
  • Einführung eines dauerhaften 9-Euro-Tickets
  • Erlassung der Schulden für den globalen Süden, damit diese Länder den Klimawandel bekämpfen können
  • Öffentliche Anerkennung, dass das 1,5 Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen ist
Die Letzte Generation blockiert in Deutschland Straßen.
Die Letzte Generation blockiert in Deutschland Straßen.
© Foto: dpa

Ende Gelände - Gegen den Kohleabbau

Ende Gelände ist eine der älteren Umweltschutzbewegungen, da sie bereits 2015 gegründet wurde. Ende Gelände hat sich auf die Themen Kohle und Atomkraft spezialisiert.

Mitglieder

Ende Gelände besteht aus 59 lokalen Gruppen in Deutschland. Zudem gibt es Kooperationen mit Gruppierungen in anderen europäischen Ländern wie Belgien, Österreich, Frankreich oder Schweden. Bei den Aktionen nehmen mehrere tausend Personen teil, die größte Aktion zog 5000 Teilnehmende an.

Politische Einordnung & Aktionen

Der Verfassungsschutz hat 2019 Ende Gelände als „linksextremistisch beeinflusst“ bezeichnet. Ende Gelände arbeitet eng mit der linksextremen Gruppe Interventionistische Linke zusammen. Im Wesentlichen konzentrieren sich die Aktionen von Ende Gelände auf eine einmal jährlich stattfindende Aktion, immer in einem anderen Kohlerevier. Dabei werden Tagebaue blockiert sowie Gleise, Bagger und andere Infrastruktur gestört. Bei den jährlichen Aktionen nehmen regelmäßig zwischen drei und fünf Tausend Menschen teil. 2022 fand die Aktion von Ende Gelände in Lützerath statt.

Forderungen

Ende hat folgende Forderungen:
  • Sofortiger Kohleausstieg
  • Abkehr vom fossilen Kapitalismus
  • Abkehr von allen fossilen Energieträgern
Das Logo von Ende Gelände.
Das Logo von Ende Gelände.
© Foto: dpa