Handel in Baden-Württemberg
: Lockdown sorgt für leere Innenstädte

Durch den Lockdown seit 2. November sieht sich der Handel in Baden-Württemberg vor dem Ruin. Es wird zur Unterstützung aufgerufen, gleichzeitig wird gegen die Corona-Panik appelliert.
Von
Michael Maier
Stuttgart
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Der Einzelhandel leidet unter dem Corona-Lockdown. (Symbolbild)

dpa

Gespenstische Leere auf der Stuttgarter Königstraße und kaum eine Menschenseele beim Herrenausstatter, der auf einmal ganz viel Zeit für individuelle Beratung hat: Auf der Einkaufsmeile ist in den ersten Novembertagen des Jahres 2020 eine gewisse Corona-Panik zu spüren, die dem Einzelhandel schwer zu schaffen macht, bevor im Dezember dann womöglich der Weihnachtsansturm bei noch höheren Corona-Zahlen auf die überfüllten Innenstädte zukommt.

Dass in Lockdown-Zeiten immer weniger Verbraucher im Innenstadthandel einkaufen gehen, bestätigt jedenfalls eine Blitzumfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg (HBW) unter knapp 600 Händlern im Südwesten. Die Folge: Die Mehrheit der Geschäfte klagt derzeit über einen Umsatz- und Frequenzverlust von mehr als 50 Prozent. „Damit bewahrheiten sich unsere schlimmsten Befürchtungen“, sagt HBW-Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann, „die Verbraucher sind verunsichert und gehen nicht mehr einkaufen. Dabei haben alle Geschäfte weiterhin geöffnet und sind mit umfangreichen Hygieneschutzkonzepten und überschaubarer Frequenz so sicher wie sonst nirgends.“

Innenstädte in BW vor dem Aus? – Keine Infektionen im Handel

Sabine Hagmann befürchtet nun eine wirtschaftliche Katastrophe kurz vor Weihnachten: „Ein Großteil der befragten Händler rechnet mit dem Aus ihres Geschäfts – verursacht durch die immensen finanziellen Belastungen durch die Corona-Krise und der Verlagerung zum Online-Shopping.“

An die Verbraucher gerichtet, appellierte Hagmann: „Der Einzelhandel braucht einkaufende Kunden, die ihren Einkauf und ihre Weihnachtsgeschenke im sicheren Einzelhandel erledigen“, so Hagmann. „Leider ist die Verunsicherung unter den Verbrauchern derzeit groß, das ist verheerend für die Geschäfte. Wir wollen erneut an alle appellieren: Gehen sie einkaufen, die Geschäfte sind geöffnet, und sicher sind sie auch: In ganz Baden- Württemberg ist bislang kein einziger Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus beim Einkaufen bekannt – weder bei Kunden, noch bei Mitarbeitern.“

Branche hofft auf Nothilfe und Unterstützung auf allen Ebenen

„Angesichts der derzeit dramatischen Entwicklungen fordern wir, auch den Einzelhandel in ein staatliches Nothilfeprogramm aufzunehmen“, erklärt Verbandssprecher Hilmar Pfister. „Vor allem – und das ist auch eine wichtige Form der Unterstützung – bitten wir die Städte und Kommunen und die Politik, die Händler nicht nur geöffnet zu halten, sondern die Öffnung unserer Läden positiv zu kommunizieren und zu unterstützen, beispielsweise durch kommunale Werbekampagnen, Weihnachtsbeleuchtung, kostenloses Parken im November und Dezember, kostenlosen ÖPNV, durch Einkaufsschecks für die Bürger oder ähnliche Maßnahmen“, so Pfister. Der lokale Handel müsse nun sowohl von Verantwortlichen auf allen Ebenen unterstützt werden, erhofft sich Pfister mehr Unterstützung für die nächsten Wochen.