Gaspreis Entwicklung
: Wird Gas jetzt wieder teurer?

Die Gasspeicher sind gefüllt, die Preise sinken, die Energiekrise scheint überwunden. Doch das könnte ein Trugschluss sein.
Von
Philipp Staedele
Berlin
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  • Momentan ist der Gaspreis auf einem sehr niedrigem Niveau.

    Momentan ist der Gaspreis auf einem sehr niedrigem Niveau.

    Hauke-Christian Dittrich
  • Die Entwicklung der Energiepreise.

    Die Entwicklung der Energiepreise.

    dpa-infografik
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Die Großhandelspreise für Gas sind in Europa weiter gesunken und haben den niedrigsten Stand seit Juli 2021 erreicht. Auch die Gasspeicher sind gut gefüllt. Versorgungsengpässe durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind auch nicht eingetreten. Dennoch waren Experten, dass sich der Gaspreis verdoppeln könnte.

Niedrigster Stand der Gaspreise seit 2021

Der als Referenz geltende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in den Niederlanden fiel am Donnerstagvormittag kurzzeitig auf unter 40 Euro pro Megawattstunde, bevor er wieder leicht auf 40,20 Euro kletterte. Die Großhandelspreise für Gas in Europa sind somit weiter gesunken und haben den niedrigsten Stand seit Juli 2021 erreicht.

Mitverantwortlich für die Entwicklung sind die Erdgasspeicher, die gegen Ende der Wintermonate vergleichsweise gut gefüllt sind. Laut dem europäischen Speicherverband GIE betrug der Füllstand in allen deutschen Speichern am 25. März etwas über 64 Prozent.

Gaspreise sinken für Verbraucher erst in einigen Monaten

Im Moment gibt es also viel Positives zu berichten. Doch bis sich die sinkenden Großhandelspreise auch bei den Verbrauchern bemerkbar machen, wird es nach Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, noch etwas dauern. „Es dürfte noch sechs bis zwölf Monate dauern, bis die Senkung der Großhandelspreise für Gas und Strom auch bei den Haushaltskunden ankommt“, sagte er der „Rheinischen Post“ vom Samstag. „Das liegt an der Laufzeit der Verträge und an der Einkaufsstrategie der Unternehmen.“

Müller dämpfte ebenfalls Hoffnungen auf einen kräftigen Preissturz: „So billig wie 2021 wird es allerdings nicht mehr werden“, sagte er. „Die Großhandelspreise für Gas, die im Spätsommer auf über 300 Euro pro Megawatt gestiegen waren, sind auf um die 50 Euro gefallen. Das ist weit mehr als im Jahr 2021, doch die neue Normalität“, so Müller weiter. „Wir müssen uns an höhere Preise gewöhnen, die Zeit der billigen Energie aus Russland ist endgültig vorbei.“

Zur aktuellen Versorgungslage sagte der Behördenchef, die Gasspeicher seien zu 64 Prozent gefüllt. „Selbst wenn es in den nächsten Wochen noch einmal richtig kalt werden sollte, ist die Versorgung dank der Speicher gesichert. Wir haben es geschafft, für diesen Winter schließen wir eine Gasmangellage endgültig aus.“ Müller fügte allerdings hinzu, dass man sich darauf nicht ausruhen könne. „Im nächsten Winter kann das anders aussehen.“ Eine Gasmangellage im Winter 2023/2024 lasse sich nicht ausschließen. Der Netzagentur–Chef mahnte, weiter Gas zu sparen. „Wenn wir am 1. Mai noch deutlich über 50 Prozent in den deutschen Gasspeichern haben, wäre ich froh“, sagte er.

Ein Tankbehälter auf dem Gelände des Gasturbinenkraftwerks des Energiekonzerns LEAG. Steigen die Gaspreise bald wieder?

Patrick Pleul/picture alliance/dpa

Marktexperten warnen vor Verdoppelung des Gaspreises

Auch Marktexperten blicken mit Vorsicht auf den derzeit niedrigen Gaspreis. Denn die EU und Deutschland sind nun angewiesen auf LNG–Importe, die Preise dafür unterliegen den Schwankungen der Weltmärkte. Dabei wird China eine entscheidende Rolle zugesagt: Wird die Nachfrage aus China wieder anspringen, und wenn ja, in welchem Umfang?

Wie Ntv berichtet, warnt das Rohstoffanalyse–Team der Investmentbank Goldman Sachs vor einer Verdoppelung des derzeit niedrigen Gaspreises. „Wir erwarten erst 2025 eine nachhaltige Lösung für die europäische Energiekrise“, heißt gegenüber ntv — abhängig von LNG–Produktionskapazitäten, die derzeit noch aufgebaut würden.

Aber auch Goldman Sachs hatte den akuten Preisverfall beim Erdgas nicht in dieser Höhe vorhergesehen, die US–Banker hatten für das Frühjahr 2023 demnach eher mit 85 als mit 40 Euro pro Megawattstunde gerechnet.

Den Gaspreis befeuern könnte wohl auch eine wieder steigende Ammoniakproduktion. Aufgrund der hohen Gaspreise hatten europäische Konzerne die Produktion von Ammoniak zurückgefahren. Ammoniak ist ein Grundstoff, der unter anderem für Dünger gebraucht wird. Die nun wieder sinkenden Gaskosten aber führen dazu, dass sich der Markt dreht und die Herstellung in Europa wieder rentabel wird: „Nach unserer Einschätzung könnte das zehn Milliarden Kubikmeter an zusätzlicher Nachfrage bedeuten, wenn die Fabriken ihre Produktion wieder voll hochfahren“, zitiert ntv Analysten von Wood Mackenzie, einer auf Energiefragen spezialisierten Beratungsgruppe.

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