Aktuell wird überall über die hohen Energiepreise in Europa diskutiert. Viele Menschen machen sich angesichts des kommenden Winters Sorgen um Energieknappheit und die nächste Nebenkostenabrechnung. Allerdings gibt es jetzt Nachrichten, die im Kontext der aktuellen Energiekrise überraschend wirken können: Der Gaspreis ist zuletzt stark gesunken. Was ist der Grund für diese Entwicklung und welche Auswirkungen hat der Preisabfall auf dem europäischen Markt für die Verbraucherinnen und Verbraucher?
  • Gaspreisentwicklung: Wie hoch ist der aktuelle Gaspreis am Spotmarkt und wo liegt der TTF-Referenzwert?
  • Sinkende Gaspreise: Wann profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher?
  • Warum fällt der Gaspreis aktuell und wie wird er sich entwickeln?

Die aktuelle Gaspreisentwicklung im Überblick: TTF und Spotmarkt

An der deutschen Energiebörse EEX betrug der Preis für eine Megawattstunde Erdgas zu Beginn der Woche weniger als 30 Euro. Im Vergleich: Vor einem Monat lag der Preis noch bei mehr als 200 Euro. Gemeint ist hier der Spot-Markt. Per Definition bezeichnet das einen Markt, an dem ein Geschäft, bestehend aus Lieferung, Abnahme und Bezahlung, zum aktuellen Preis innerhalb von zwei Tagen abgewickelt ist. Gemeint ist also Gas, das man heute kauft und morgen bezieht. Bis Mitte des Jahres 2021 lag der Spotmarkt-Preis in der Regel zwischen 10 und 30 Euro.
Das Gegenmodell zum Spotmarkt ist der Terminmarkt. Auch bei Terminkontrakten, also Verträgen mit garantiertem Preis für spätere Lieferungen, ist der Gaspreis in den letzten Wochen gesunken. Der TTF-Kontrakt des niederländischen Handelspunkts TTF gilt als Richtschnur für das europäische Preisniveau. Zuletzt kostete ein auf den nächsten Monat ausgerichteter Terminkontrakt am TTF weniger als 100 Euro und damit halb so viel wie noch vor einem Monat.

Welche Folgen hat die Gaspreisentwicklung für Verbraucher?

Der Gaspreis sinkt – Wann macht sich das bei Verbraucherinnen und Verbrauchern bemerkbar? Wer angesichts der aktuellen Preisentwicklung am Gasmarkt davon ausgeht, dass die Gasrechnung doch niedriger ausfallen wird wie befürchtet, liegt leider daneben. „Für die Verbraucher bleibt es sehr teuer, der aktuelle Preisverfall am Markt hat für sie keine unmittelbaren Folgen“, sagt Matthis Brinkhaus vom Analysehaus Energy Brainpool gegenüber der Deutschen Presseagentur.
Denn in der Regel würden Versorger sich mit langfristigen Termingeschäften eindecken und nur zum kleinen Teil mit Einkäufen am kurzfristigen Spotmarkt.
„Selbst wenn mancher Versorger vor kurzem noch mit etwas höheren Einkaufspreisen gerechnet und jetzt etwas weniger zahlen muss, so fließt das erstmal in seine allgemeine Kostenkalkulation ein.“ Direkte Preissenkungen an die Kunden gebe es nicht, zumal die „Preisanpassungen“ üblicherweise nur einmal im Jahr durchgeführt werden, sagt Brinkhaus. Lediglich industrielle Großverbraucher, deren Tarif teilweise an die aktuelle Marktpreisentwicklung gekoppelt ist, könnten dank der aktuellen Preissituation etwas entlastet werden.

Warum sinkt der Gaspreis aktuell?

Für die fallenden Gaspreise gibt es laut Expertinnen und Experten mehrere Gründe. Einerseits ist es Deutschland gelungen, seine Gasspeicher zügig zu füllen. Die deutschen Speicher sind inzwischen zu 97,5 Prozent voll, einige bereits zu 100 Prozent. Und noch eine weitere Ursache sorgt dafür, dass die Speicher aktuell so voll sind: die milde Witterung. Dadurch fällt es vielen Menschen leicht, die Gasheizung noch auszulassen, wodurch ihr Energieverbrauch niedriger ist als sonst um diese Zeit. „Verbrauchsdaten der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Bürger es ernst meinen mit dem Energiesparen“, sagt Georg Zachmann vom Thinktank Bruegel gegenüber der dpa. Die Märkte hätten daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass Europas Energiehunger im Winter doch nicht so groß sein könnte wie vorher angenommen. „Das zeigt, dass sich Energiesparen doppelt lohnt: Zum einen verbrennt man weniger Gas und zum anderen hat das Sparverhalten eine dämpfende Wirkung auf die Preisentwicklung am Energiemarkt.“ Außerdem erreichen seit dem Lieferstopp des russischen Energiekonzerns Gazprom durch die Gaspipeline Nord Stream 1 zusätzliche Flüssiggaslieferungen die europäischen Häfen. Es hat sich also im Lauf der letzten Wochen ein Überangebot entwickelt.

Wie wird sich der Gaspreis entwickeln?

Es ist wahrscheinlich, dass der Gaspreis in den kommenden Monaten wieder spürbar ansteigt. „Die aktuellen Preise am Spotmarkt sind nur eine Momentaufnahme“, sagt Energiefachmann Brinkhaus. „Wird es kälter, werden die Preise anziehen.“ Bereits jetzt ist sicher, dass sich die Speicher in den kommenden Wintermonaten leeren werden. Sinkt ihr Speicherstand schneller als erhofft, könnte der Gaspreis wieder stark ansteigen und sogar eine Gasmangellage ausgerufen werden.
mit dpa

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