In der Energiekrise werden die europäischen Partner kreativ. Schon im Sommer lieferte Deutschland ins Nachbarland Frankreich Strom, da die Atomkraftwerke dort strauchelten. Seit Mitte Oktober bekommt Deutschland im Gegenzug aber auch etwas - und zwar Gas. Damit soll eine befürchtete Mangellage in Deutschland abgewendet werden. Das Gas strömt über den Grenzort Medelsheim im Saarland nach Deutschland.
Woher hat Frankreich aber das Gas? Kommt das nicht auch aus Russland? Hier wollen wir alle Fragen zum Erdgas aus Frankreich beantworten.

Gas aus Frankreich: Importiert aus Spanien und Afrika

Frankreich ist im Vergleich zu Deutschland weniger abhängig von Russland was Gas betrifft. Zwar hat auch Frankreich zum Teil Erdgas aus Russland bekommen – kann den nun fehlenden Anteil aber relativ einfach kompensieren. Frankreich importiert einen Teil seines Gases aus Spanien. Außerdem hat das Nachbarland seit Jahresbeginn den Import von Flüssiggas (LNG) um 66 Prozent erhöht. 2020 war Frankreich auf Platz 7 der Länder, die am meisten LNG importierten. Im südfranzösischen Marseille befinden sich LNG-Terminals, die seit dem russischen Angriffskrieg noch ausgebaut werden. Auch in den Hafenstädten Dünkirchen und Le Havre sollen neue Terminals entstehen.
Zwischen Frankreich und Spanien gibt es für Erdgas außerdem zwei Pipelines, die durch die Pyrenäen führen. Spanien hat Ende September bekanntgegeben, dass die Kapazitäten der Pipelines erhöht wurden und bis zu 1,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr darüber strömen könnten. Begonnen werden soll damit erst zum 1. November, früher wäre aber dem Vernehmen nach auch möglich. Zudem gibt es eine Pipeline zwischen Spanien und Nordafrika. Einer der wichtigsten Gas-Exportländer für Spanien ist Algerien.
Spanien hat ebenfalls LNG-Terminals und plant diese Kapazitäten auszubauen, um auch andere EU-Länder, wie Italien, mit Energie zu versorgen. LNG kann, im Vergleich zu Gas, relativ problemlos transportiert werden, zum Beispiel per Schiff. Neben den LNG-Terminals hat Spanien auch Regasifizierungsanlagen, die es ermöglichen, das Flüssiggas dann wieder über Pipelines transportieren zu können.

Gas aus Frankreich mit Schwefel-Duft versetzt

Um die Gaslieferungen von Frankreich nach Deutschland zu ermöglichen, mussten einige technische Hürden überwunden werden. Die Leitung, die dafür benutzt wird, gehört zur Mittel-Europäischen Gasleitung (Megal), die quer durch Süddeutschland Richtung Tschechien verläuft. Bislang floss Gas, unter anderem aus Russland, in die andere Richtung.
Zunächst musste also die Fließrichtung geändert werden. Zum anderen musste geklärt werden, inwiefern Deutschland das Gas aus Frankreich problemlos nutzen kann.
Ein weitere Hürde hat es auhc noch gegeben: Erdgas ist eigentlich geruchslos, doch wird aus Sicherheitsgründen ein Geruchsstoff hinzugefügt, damit austretendes Gas schnell bemerkt wird.
In Deutschland werden die Geruchsstoffe erst zugesetzt, wenn das Gas an die Endverbraucher geht. In Frankreich ist das schon früher der Fall. Die französische Industrie ist darauf eingestellt, Gas mit erhöhtem Schwefelgehalt zu bekommen - die deutsche Industrie hingegen nicht.
In manchen Industriezweigen könnte das unerwünschte Nebenwirkungen geben. So könne sich etwa Glas rötlich färben. Beim Einsatz in Erdgas-Fahrzeugen ließen sich möglicherweise Umweltgrenzwerte für Schwefel nicht einhalten.
Die Netzbetreiber im Saarland und in Rheinland-Pfalz sollen jeweils am Vortag über die Lieferungen aus Frankreich informiert werden, so dass die Beigabe von Geruchsstoffen angepasst oder ausgesetzt werden kann. Mittelfristig soll im saarländischen Grenzort Medelsheim eine Anlage gebaut werden, die die Geruchsstoffe aus dem französischen Gas entfernen kann, bevor es nach Deutschland weitergeleitet wird.

Warum bekommt Deutschland jetzt Gas aus Frankreich?

Deutschland war bisher sehr stark von Russland für Erdgas abhängig. Mit dem Beginn des Ukraine-Krieges haben sich auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland verschlechtert. Seit September 2022 fließt gar kein Gas aus Russland mehr nach Deutschland. Damit hierzulande keine Probleme in der Energieversorgung entstehen, wird in Deutschland seit längerem zum Sparen animiert. Des Weiteren wird verstärkt darauf geachtet, dass die Gasspeicher gefüllt werden, damit eine langfristige Unabhängigkeit von Russland möglich wird. Geplant sind zwei LNG-Terminals in Deutschland, die aber noch gebaut werden müssen. Um die Versorgung in Deutschland zu sichern, kommen jetzt auch noch die Importe aus Frankreich dazu, da das Nachbarland keine Probleme mit der Gasversorgung hat.

Frankreich bekommt Strom aus Deutschland: Warum die AKWs Probleme haben

Frankreich, dessen Atomkraftwerke im Moment schwächeln, soll im Gegenzug Strom aus Deutschland geliefert bekommen, um über die kritischen Wintermonate zu kommen. Wegen Wartungen sind von den 56 AKW im Moment nur 30 in Betrieb. In den nächsten Wochen sollen 40 Kraftwerke wieder am Netz sein und im Januar sollen es laut Frankreichs Präsident Macron 46 sein. Kürzlich begonnene Streiks von Kraftwerksbeschäftigten könnten diese Pläne möglicherweise aber durchkreuzen.
Bereits im Sommer hat Deutschland Strom nach Frankreich geliefert: Damals waren die AKWs zum Teil ins Straucheln gekommen, weil das Kühlwasser durch die Hitzewellen zu warm geworden war.

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