Herkunftsländer: So viele Flüchtlinge beantragen in der EU und Deutschland Asyl

Flüchtlinge aus der Ukraine werden nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof von Mitarbeitern der Caritas und freiwilligen Helfern empfangen. Der Krieg von Russland gegen die Ukraine vertrieb mehrere Millionen Menschen in die EU und nach Deutschland.
Sven Hoppe/dpaNoch nie mussten so viele Menschen ihre Heimat verlassen wie heute: Laut dem Global Trends Report vom UNHCR waren Ende 2022 weltweit 108,4 Millionen Menschen vor Kriegen und Krisen auf der Flucht. Wie viele von Ihnen kommen in die Europäischen Union (EU) und nach Deutschland? Die Zahlen der Asylanträge nach Angaben der Deutschen Presse Agentur (dpa) für die EU und Deutschland:
Asylanträge in der EU
Die Asylagentur der Europäischen Union hatte 2023 den höchsten Wert an Asylanträgen seit 2016 verzeichnet. Rund 1,1 Millionen Anträge auf Asyl gingen ein. Das ist ein Anstieg um 18 Prozent gegenüber 2022. Davon ausgenommen sind Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die einen besonderen Schutzstatus in Europa erhalten. Vier Millionen Menschen aus der Ukraine kamen aufgrund Russlands Krieg gegen die Ukraine in die EU.
Von ukrainischen Flüchtlingen abgesehen wurden nach Angaben des Europäischen Rates 2022 die meisten Asylanträge von Menschen aus Syrien, Afghanistan, der Türkei und Venezuela gestellt. Fast 40 % aller in den EU–Mitgliedstaaten gestellten Asylanträge gingen 2022 auf diese Herkunftsländer zurück.
Das Hauptzielland war dabei weiterhin Deutschland. 25 % aller Asylanträge in der EU entfallen auf Deutschland. Danach folgen Frankreich mit 16 %, Spanien mit 12 %, Österreich mit 11 %, Italien mit 9 %.
Zuflucht in Deutschland
Im vergangenen Jahr wurden 330.000 Asylanträge in Deutschland gestellt. Von den insgesamt rund 1,1 Millionen Asylanträgen in der EU entfielen damit ein Drittel auf Deutschland. Nicht eingerechnet sind auch hier die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Von ihnen haben mehr als eine Million in Deutschland Zuflucht gefunden.
Im ersten Quartal 2024 wurden in Deutschland deutlich weniger neue Asylanträge gestellt. Von Januar bis März waren es über 65.000, teilte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg mit. Das sind rund 19 Prozent weniger als im ersten Quartal letzten Jahres.
Herkunftsländer: Ukraine, Syrien, Afghanistan, Türkei
Dem BAMF und der dpa zufolge stellten 2024 in Deutschland bisher Syrer die meisten Asylanträge (19.687), wie auch schon im Vorjahresquartal (22.702, minus 13,3 Prozent). Afghanen kamen mit 9.772 Anträgen auf Rang zwei (2023: 15.980, minus 38,8 Prozent). Türkische Staatsangehörige lagen mit 9.689 Anträgen auf Position drei (2023: 10.267, minus 5,6 Prozent). Entschieden wurde im ersten Quartal über 80.651 Erst– und Folgeanträge von Asylbewerbern. Die Chancen auf Asyl oder einen temporären Schutz sind gering. Mit 43 Prozent erhielten 2023 weniger als die Hälfte aller Flüchtlinge einen Schutzstatus.
Irreguläre Migration in Deutschland
Genau geschätzt werden kann dir irreguläre Migration nach Deutschland nicht. Dokumentiert werden kann jedoch, wer ausreisepflichtig ist und sich somit irregulär in Deutschland aufhält. Falls zum Beispiel ein Visum abgelaufen ist oder Asylanträge abgelehnt wurden, müssen diese Personen Deutschland eigentlich verlassen. Der MEDIENDIENST INTEGRATION gab diese Mindestzahl der Menschen, die sich irregulär in Deutschland aufhalten, mit rund 56.000 an (Stand Dezember 2022). Insgesamt waren Ende 2022 sogar 304.308 Menschen in Deutschland davon betroffen. Die meisten von Ihnen besaßen allerdings eine „Duldung“, sodass nur die angegebenen 56.000 Menschen tatsächlich ausreisepflichtig sind. Alle weiteren Personen waren zwar aufgefordert, das Land zu verlassen, konnten aber „aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen“ nicht abgeschoben werden. Zum Beispiel, wenn die Betroffenen Personen in ihrem Heimatland bedroht und einer Gefahr für das eigene Leben ausgesetzt wären. Mit der „Duldung“ erhielten diese Menschen zwar keinen echten Aufenthaltstitel, durften sich jedoch nachweislich legal in Deutschland aufhalten.
EU–Parlament stimmt über Asylreform ab
Das Europaparlament hat am 10.04.2024 über die Reform des Asylsystems abgestimmt. Ziel des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems ist es, die Migration in die EU zu begrenzen und zu steuern. Die Regeln für Migration wurden im Kern erheblich verschärft.
Die EU–Mitgliedsstaaten hatten sich nach jahrelangen harten Verhandlungen auf ein umfassendes Paket geeinigt. Es geht dabei unter anderem um umstrittene Grenzverfahren und eine schnellere Rückführung von Migranten. Hier gibt es die neuen Regeln und Änderungen im Überblick.
Quellen:
Global Trends Report vom UNHCR
Europäischer Rat: Asylanträge in der EU


