Familienunternehmer
: AfD-Öffnung sorgt für scharfe Kritik – Deutsche Bank reagiert mit Kündigung

Die Öffnung des Familienunternehmer-Verbands zur AfD löst massive Kritik bei CDU und Grünen aus. Offenbar hat auch die Deutsche Bank einen Vertrag mit dem Verband gekündigt.
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dpa/afp
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Kritik am AfD-Umgang der Familienunternehmer: ARCHIV - 25.04.2024, Hessen, Wiesbaden: Marie Christine Ostermann, Präsidentin von „Die Familienunternehmer“, spricht auf den Familienunternehmer-Tagen. Die Gesprächsbereitschaft des Verbandes der Familienunternehmer gegenüber der AfD trifft auf scharfe Kritik von Grünen und CDU.  (zu dpa: «Kritik am AfD-Umgang der Familienunternehmer») Foto: Thomas Frey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Marie Christine Ostermann, Präsidentin von „Die Familienunternehmer“, spricht auf den Familienunternehmer-Tagen. Die Gesprächsbereitschaft des Verbandes der Familienunternehmer gegenüber der AfD trifft auf scharfe Kritik von Grünen und CDU.

Thomas Frey/dpa
  • Der Verband „Die Familienunternehmer“ öffnete sich für Gespräche mit der AfD, was Kritik auslöst.
  • CDU und Grüne kritisieren die Annäherung an eine „rechtsextreme Partei“ und fordern eine Kurskorrektur.
  • Präsidentin Marie-Christine Ostermann hebt ein „Kontaktverbot“ zur AfD auf, um inhaltliche Auseinandersetzung zu suchen.
  • Deutsche Bank kündigte einen Vertrag mit dem Verband nach einem Treffen mit AfD-Vertretern.
  • Experten und Politiker warnen vor wirtschaftlichem Schaden durch eine Annäherung an die AfD.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Gesprächsbereitschaft des Verbandes der Familienunternehmer gegenüber der AfD trifft auf scharfe Kritik von Grünen und CDU. „Eine gesichert rechtsextreme Partei, vor der unsere Sicherheitsbehörden vehement warnen, kann kein Gesprächspartner für Demokratinnen und Demokraten sein“, sagten die stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz und Andreas Audretsch, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Sie seien der festen Überzeugung, dass die Präsidentin des Familienunternehmerverbands, Marie-Christine Ostermann mit ihren Aussagen ihre persönliche politische Agenda betreibe und nicht für die große Mehrheit der Familienunternehmen spreche. „Die rund 6.500 Unternehmen, die im Verband organisiert sind, sollten sich sehr ernsthaft überlegen, ob Frau Ostermann als Vorsitzende des Verbandes tatsächlich in ihrem Namen einer solchen gefährlichen Relativierung und Entwicklung das Wort redet. Insofern erhoffen und erwarten wir eine Korrektur dieser jüngsten, geschichtsvergessenen Aussagen“, sagten von Notz und Audretsh.

„Kontaktverbot“ zur AfD aufgehoben

Ostermann, hatte dem „Handelsblatt“ gesagt, das „Kontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei mit dem jüngsten Parlamentarischen Abend Anfang Oktober aufgehoben worden. Bereits im Frühjahr sei im Verband beschlossen worden, „dass wir mit einzelnen AfD-Fachpolitikern ins Gespräch kommen“, sagte sie. Die Partei müsse inhaltlich gestellt werden.

„Empörung allein hat sich als politische Strategie erschöpft“, erklärte Ostermann dann in einer am Montagnachmittag verbreiteten Erklärung. „Jedenfalls wächst die AfD trotz Brandmauer kräftig. (...) Die Hoffnung, man könne ein Viertel der bundesdeutschen Wähler durch moralische Ausgrenzung zur Umkehr bewegen, ist nicht aufgegangen.“ Jetzt helfe „nur noch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der AfD“. Ziel auch der Familienunternehmer bleibe, dass sie „keine Regierung mit AfD-Beteiligung“ wollten. Eine Diskussion über den Umgang mit der AfD gibt es auch im Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Auch die Chefin des CDU-Wirtschaftsflügels, Gitta Connemann, kritisierte den Verband. Das AfD-Programm und ihre Haltung schadeten dem Standort Deutschland massiv, sagte Connemann dem „Handelsblatt“. Weiter warnte die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit Blick auf den Außenhandel: „Eine nationalistische Wirtschaftspolitik à la AfD würde diese Exporte torpedieren, Lieferketten und Arbeitsplätze zerstören.“

Axt an Wirtschaftsmodell

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, hat die Annäherung einzelner Wirtschaftsverbände an die AfD ebenfalls kritisiert. „Wer als Unternehmerverband die Nähe zur AfD sucht, legt die Axt an die Wurzel unseres Wirtschaftsmodells“, sagte der Europapolitiker dem Magazin „Focus“ laut Vorabmeldung vom Montag.

„Die AfD steht für Abschottung, Protektionismus und eine anti-europäische Agenda - das ist Gift für unsere exportorientierte Wirtschaft und für jeden mittelständischen Betrieb, der auf Fachkräfte angewiesen ist“, sagte Radtke dazu. „Wer sich dieser Partei andient, handelt nicht nur fahrlässig, sondern verantwortungslos gegenüber Standort, Arbeitsplätzen und sozialer Stabilität.“

Auch Ökonom Marcel Fratzscher warnte davor, die AfD wie eine normale Partei zu behandeln. Dies „könnte erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft im Ausland wie im Inland anrichten“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung dem „Handelsblatt“. Verbände und Unternehmen dürften „politisch wie gesellschaftlich klare Positionen beziehen und diese öffentlich und sichtbar kommunizieren“.

Kündigung durch Deutsche Bank?

Die Öffnung zur AfD hat für die Familienunternehmer zudem bereits Konsequenzen gehabt. Die Deutsche Bank hat nach Informationen des „Handelsblatts“ auf die Einladung von AfD-Vertretern zu einem Treffen des Verbands in ihren Räumlichkeiten reagiert und einen Vertrag für eine künftige Veranstaltung gekündigt. Das berichtete die Zeitung am Montag unter Verweis auf „mit dem Sachverhalt vertraute Personen“.

Die Veranstaltung sollte im kommenden Jahr erneut in der Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank stattfinden. Die Vertragskündigung bestätigte die Bank laut „Handelsblatt“ zunächst nicht offiziell. Zu der Einladung von AfD-Abgeordneten erklärte ein Sprecher lediglich, dass die Deutsche Bank „keine Kenntnis von der Gästeliste und auch keinen Einfluss darauf“ gehabt habe.