Eklat im Weißen Haus: Treffen von Trump und Selenskyj eskaliert – entsetzte Reaktionen

Der Schlagabtausch zwischen Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj und J. D. Vance fand im Oval Office des Weißen Hauses statt.
SAUL LOEB/AFP- Eskalation zwischen Trump und Selenskyj im Oval Office, heftige Wortgefechte.
- Trump wirft Selenskyj Undankbarkeit vor, droht mit Rückzug der Unterstützung.
- US-Vizepräsident J.D. Vance unterstützt Trumps aggressive Haltung.
- Trump betont, ohne US-Hilfe wäre der Krieg nach zwei Wochen beendet.
- Geplante Vereinbarung über seltene Erden durch Streit gefährdet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach einem für Staatsmänner beispiellosen Streit vor laufenden Kameras haben US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein gemeinsames Treffen in Washington vorzeitig abgebrochen. Eine gemeinsame Pressekonferenz wurde abgesagt. Selenskyj stieg in eine vor dem Westflügel geparktes Fahrzeug und fuhr davon, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.
Kurz davor hatte Trump dem ukrainischen Präsidenten schon über sein Online-Sprachrohr Truth Social die Tür gewiesen. „Er kann zurückkommen, wenn er zu Frieden bereit ist“, schrieb Trump dort. Selenskyj habe „die Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem geschätzten Oval Office nicht respektiert“.
J. D. Vance unterstützt Trumps aggressive Haltung
Der Ukrainer sei „nicht zum Frieden bereit ist, wenn Amerika beteiligt ist, weil er glaubt, dass unsere Beteiligung ihm einen großen Vorteil bei den Verhandlungen verschafft“. Beim Trump-nahen Fernsehsender Fox News hieß es, Selenskyj sei schlicht hinausgeworfen worden.
Bei dem Treffen im Oval Office hatte Trump Selenskyj mit schweren Vorwürfen überzogen und den Ukrainer bezichtigt, mit seinem Verhalten einen dritten Weltkrieg zu riskieren. Bei der Auseinandersetzung ging es unter anderem um die Frage, ob vor einem umfassenden Friedensabkommen über eine Waffenruhe verhandelt werden sollte. Auch die Frage von Sicherheitsgarantien für die Ukraine war zwischen beiden Seiten strittig.
Lautstarke Vorwürfe im Oval Office
Trump hatte seinen ukrainischen Kollegen in den vergangenen Wochen bereits mit haarsträubenden Beschimpfungen überzogen und ihn Diktator genannt - vor dem Besuch Selenskyjs aber seinen Ton gemildert. Eigentlich wollte Selenskyj eine Vereinbarung mit den USA über seltene Erden unterzeichnen. Denn Trump knüpft US-Hilfen für die Ukraine an Zugang zu deren Vorrat an Rohstoffen.
Trump beendete den Austausch schließlich mit den Worten „Ich denke, wir haben genug gesehen“ und, mit Blick auf die anwesende Presse im Raum: „Das wird großartiges Fernsehen sein, das kann ich Ihnen sagen.“
Das Treffen zwischen den beiden Präsidenten im Weißen Haus war mit Spannung erwartet worden - und begann zunächst auch friedlich. Rund 40 Minuten beantworten Selenskyj und Trump vor Beginn ihres Gesprächs hinter verschlossenen Türen Fragen der Presse im Oval Office. Dann geriet die Zusammenkunft aus dem Ruder. Auch US-Vize J.D. Vance machte dem Ukrainer heftige Vorwürfe.
Rohstoffabkommen nicht unterzeichnet
Das Rohstoffabkommen zwischen den USA und der Ukraine ist nach Angaben des Weißen Hauses nicht unterzeichnet worden. Selenskyj und Trump sollten das Abkommen zur gemeinsamen Nutzung von Bodenschätzen in der Ukraine eigentlich bei dem Treffen am Freitag unterzeichnen.
Entsetzen in der Ukraine
In der Ukraine herrschte zunächst Entsetzen. „Wer freut sich am meisten darüber, was heute passiert ist? Ich denke, das ist (Russlands Präsident Wladimir) Putin“, schrieb der oppositionelle Parlamentsabgeordnete, Olexij Hontscharenko, bei Telegram. Von der Sache her habe der Hauptverbündete live im Fernsehen alle Verbindungen abgebrochen. „Ich habe keine Worte“, schloss er.
Reaktionen und Unterstützung für Selenskyj und Ukraine
Nach dem Eklat in Washington hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zu Respekt für Selenskyj und die Ukraine gemahnt. „Es gibt einen Aggressor, und das ist Russland, und es gibt ein angegriffenes Volk, und das ist die Ukraine“, sagte Macron am Freitagabend am Rande eines Staatsbesuches in Portugal. Macron rief dazu auf, „diejenigen zu respektieren“, die seit Kriegsbeginn kämpften.
Hier können Sie sich das Gespräch im Original anschauen (auf Englisch):
Bundeskanzler Olaf Scholz hat in einer ersten Reaktion den Friedenswillen der Ukraine betont und sich damit von US-Präsident Donald Trump abgegrenzt. „Niemand will Frieden mehr als die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine!“, schrieb Scholz auf der Plattform X auf Deutsch und Englisch. „Deswegen suchen wir gemeinsam den Weg zu einem dauerhaften und gerechten Frieden.“ Angesichts von Trumps Drohung, die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland im Stich zu lassen, betonte Scholz: „Auf Deutschland – und auf Europa – kann sich die Ukraine verlassen.“
Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hat der Ukraine allgemein die weitere Unterstützung Deutschlands zugesagt, nachdem US-Präsident Donald Trump mit dem Entzug der amerikanischen Hilfe gedroht hat. Merz wandte sich auf der Plattform X direkt an den ukrainischen Präsidenten: „Lieber Wolodymyr Selenskyj“, schrieb er, „wir stehen der Ukraine in guten wie in schwierigen Zeiten zur Seite. Wir dürfen in diesem schrecklichen Krieg niemals Angreifer und Opfer verwechseln.“
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat der Ukraine die unverbrüchliche Solidarität Deutschlands und Europas versichert. „Die Ukraine ist nicht allein“, schrieb sie auf ausschließlich auf Englisch auf der Plattform X. „Deutschland steht gemeinsam mit unseren europäischen Verbündeten an der Seite der Ukraine – und gegen die russische Aggression. Die Ukraine kann auf unerschütterliche Unterstützung aus Deutschland, Europa und darüber hinaus bauen. Ihre Verteidigung der Demokratie und ihr Streben nach Frieden und Sicherheit sind unsere.“
Der polnische Präsident Donald Tusk sicherte Selenskyj und der Ukraine derweil Polens Solidarität zu: „Lieber @ZelenskyyUa, liebe ukrainische Freunde, ihr seid nicht allein“, schrieb er am Abend wenige Minuten nach Selenskyjs vorzeitiger Abreise aus dem Weißen Haus.
Nach Ansicht des SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil zeigt der Vorfall in Washington, dass Europa stärker werden und Deutschland eine Führungsrolle übernehmen muss. „Das Verhalten der US-Regierung zeigt einmal mehr, dass Europa seine Zukunft stärker in eigene Hände nehmen muss. Wir müssen gemeinsam auf allen Ebenen stärker werden“, schrieb Klingbeil auf der Plattform X. „Deutschland muss und wird vorangehen. Auch, um der Ukraine zu helfen.“
„Sie sind nie allein“, schrieben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Antonio Costa an Selenskyj gerichtet am Freitagabend im Onlinedienst X. „Seien Sie stark, seien Sie mutig, seien Sie furchtlos“, ergänzten die EU-Spitzen. „Wir werden weiterhin mit Ihnen für einen gerechten und dauerhaften Frieden arbeiten“.
Führende deutsche Außenpolitiker haben bestürzt auf den Eklat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus reagiert. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth (SPD), sagte dem „Tagesspiegel“ (Online), Trump und sein Vizepräsident J. D. Vance hätten den ukrainischen Präsidenten „auf offener Bühne gedemütigt“. Die Grünen-Außenpolitikerin Agnieszka Brugger prangerte „ein zynisches Spiel von Donald Trump“ an.
Der SPD-Außenexperte Roth reagierte entsetzt. „Bar jeglichen Respekts und jeder Sachkenntnis dreschen sie auf Selenskyj ein. Sie nehmen damit nicht nur ihm, sondern auch seinem Volk die Würde“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Dies sei „politisch verheerend und menschlich zutiefst unanständig“. Putin und alle autoritären Herrscher dürften jubilieren. Mit Blick auf die Rolle der USA fügte Roth hinzu: „Die USA spielen nicht mehr im Team ‚liberale Demokratie‘“.
Roth sprach von „historischen Ausnahmezustand“. „Wer sich auf Trumps Amerika verlässt, der ist verlassen“, sagte der SPD-Politiker. Die EU brauche nun „mehr Führung und Ambition“. „Sie muss vor allem aus Berlin, Paris und Warschau kommen“, forderte Roth mit Blick auf das sogenannte Weimarer Dreieck, das Frankreich, Deutschland und Polen umfasst. Die europäischen Staaten müssten zudem „massive und rasche Investitionen in unsere eigene Sicherheit und in Abschreckung“ vornehmen.
Die Grünen-Außenpolitikerin Agnieszka Brugger sagte dem „Tagesspiegel“: „Präsident Selenskyj hat sich in Washington geweigert, das zynische Spiel von Donald Trump mitzuspielen, bei dem am Ende nur Wladimir Putin gewinnt.“ Es habe „noch nie geholfen, sich bei Typen wie Präsident Trump einzuschleimen“, fügte die Grünen-Politikerin hinzu. „Was die Bullys dieser Welt verstehen, sind klare Worte und entschlossene Taten. Dafür braucht die Ukraine jetzt mehr denn je ihre Freunde in Europa und wir brauchen die Ukraine umgekehrt genauso.“


Die USA wollen als Gegenleistung für die Unterstützung der Ukraine bei der Verteidigung gegen Russland Zugriff auf wichtige ukrainische Rohstoffe erhalten. Für US-Präsident Donald Trump kann dabei nichts schiefgehen – selbst, wenn Kiew fallen sollte. Einer schaut ohnehin in die Röhre.