Demo in Berlin heute
: Große Friedensdemo für die Ukraine: Mindestens 100.000 Menschen in Berlin

Am Wochenende gehen tausende Menschen in Deutschland auf die Straßen, um für Frieden zu demonstrieren. In Berlin findet eine Großdemo statt.
Von
Amy Walker, Agenturen
Berlin
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Weltweit gehen Menschen für die Ukraine auf die Straße. Am Sonntag gibt es in Berlin eine große Friedensdemo.

ODD ANDERSEN/AFP

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat den Westen aufgerüttelt. Überall auf der Welt machen die Menschen ihre Fassungslosigkeit deutlich, indem sie für den Frieden demonstrieren gehen. In Deutschland sind bereits am Samstag, 26. Februar tausende Menschen auf die Straßen gegangen. Doch auch am Sonntag gibt es große Friedensdemos. Mindestens 100.000 Menschen kamen zur Friedensdemonstration in Berlin.

Friedensdemo in Berlin: Wann und wo geht es los?

An der Berliner Siegessäule hält am Sonntag (13.00 Uhr) ein Bündnis aus zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen eine Kundgebung für den Frieden in der Ukraine und Europa ab. Unter dem Motto „Stoppt den Krieg“ wollen sie sich gemeinsam für ein „Europa der Abrüstung, der Entspannung und der Verständigung“ aussprechen. Dabei sind unter anderem Gewerkschaften, Umweltschutzverbände, Menschenrechts– und christliche Organisationen.

Sie fordern die russische Regierung auf, „sofort alle Angriffe einzustellen, sich aus der Ukraine zurückzuziehen und deren territoriale Integrität wieder herzustellen“, erklärten sie in der Ankündigung. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind bereits in einigen deutschen Städten Menschen für den Frieden auf die Straße gegangen.

Demo in Berlin: Zehntausende Menschen sollen kommen

Bei der Demo in der Hauptstadt wurden zunächst 20.000 Menschen erwartet. In anderen deutschen Städten hat es bereits tausende Menschen auf die Straßen gezogen. Bei einer Großdemo in Köln am Rosenmontag werden ebenfalls Zehntausende Personen erwartet.

In der Tat sind deutlich mehr Menschen auf den Straßen der Hauptstadt: Die Großdemonstration in Berlin gegen den Krieg in der Ukraine ist am Sonntag auf enormes Interesse gestoßen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am frühen Nachmittag trotz weiteren Zustroms bereits „auf eine niedrige sechsstellige Zahl“ geschätzt. Das Veranstalterbündnis berichtete von 500.000 Menschen.

Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchen, Initiativen, Umweltschutzorganisationen und Friedensgruppen wollte gegen den Angriff Russlands demonstrieren. Zum Auftakt sagte der Verdi–Vorsitzende Frank Werneke, angesichts der dramatischen Situation sei diese Demonstration ein starkes Zeichen der Solidarität. „Auch das ist wichtig: Putin ist nicht Russland„, sagte der Gewerkschaftschef. Respekt und Solidarität gehörten auch den mutigen Aktivistinnen und Aktivisten in Russland, die gegen das Regime demonstrierten.

Durch den Überfall Russlands auf die Ukraine sei eine neue Zeitrechnung entstanden. Frieden bleibe das Ziel. Gewerkschaften seien Teil der Friedensbewegung, aber nicht neutral. Oligarchen dürften nicht Millionen verdienen, während in der Ukraine Menschen sterben, sagte Werneke.

Friedensdemo weltweit: Helsinki, Bern, New York

New York / USA

Mehrere Hundert Menschen haben auf dem New Yorker Times Square gegen den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine demonstriert. Fotos vom Samstag zeigten Menschen mit ukrainischen Flaggen und Schildern unter anderem mit der Aufschrift „Stop Putin — Help Ukraine“. Auch in anderen Städten der USA, unter anderem vor dem Weißen Haus in Washington, gab es Berichten zufolge kleinere Proteste. In der Nacht zum Samstag war das Empire State Building in New York bereits als Geste der Solidarität mit Kiew in den ukrainischen Farben Blau und Gelb angestrahlt worden.

Israel

Tausende Menschen haben in Israel gegen Russlands Einmarsch in die Ukraine protestiert. Die Demonstranten forderten am Samstagabend ein Ende des Krieges sowie eine stärkere Unterstützung für die Ukraine, wie israelische Medien berichteten. Die ukrainische Botschaft in Israel lobte die Kundgebung in einem Tweet: „Starke Stimme der Unterstützung für die Ukraine aus dem Herzen Tel Avivs“.

Beide Länder pflegen gute Beziehungen. Die Ukraine gehörte in den vergangenen Jahren stets zu den Ländern, aus denen die meisten Zuwanderer nach Israel kamen — teilweise mehr als 7000 Menschen pro Jahr. In der Ukraine leben nach Angaben der Jewish Agency aktuell rund 43 000 Juden. Die Zahl derjenigen, die aufgrund jüdischer Verwandter nach Israel einwandern könnten, liegt bei rund 200 000. Nach Angaben des Außenministeriums leben grundsätzlich rund 15 000 Israelis in der Ukraine.

Bern / Schweiz

In der Schweizer Regierungsstadt Bern haben bis zu 20 000 Menschen für Frieden in der Ukraine demonstriert. Die geschätzte Teilnehmerzahl wurde von den Organisatoren bekanntgegeben. Der Protest am Samstag richtete sich nicht nur gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und seinen Einmarsch in die Ukraine, sondern auch gegen die Schweizer Regierung, die die EU–Sanktionen gegen Moskau nicht vollständig mitträgt. „Es ist verantwortungslos, dass der Bundesrat die Milliarden in russischem Besitz nicht sofort einfriert“, sagte Cédric Wermuth, Co–Präsident der Schweizer Sozialdemokraten, in einer Rede. Unter den Demonstranten waren sowohl Schweizer als auch Ukrainer verschiedener Altersgruppen.

Wien

Mehrere tausend Menschen haben in Wien gegen Russlands Präsident Wladimir Putin und seine Invasion in die Ukraine demonstriert. Eine Ukrainerin forderte dabei am Samstag Russen zum aktiven Widerstand gegen ihren Staatschef auf. „Macht doch verdammte Scheiße etwas“, sagte sie auf Russisch. Eine andere Demonstrantin forderte anwesende Russen auf, ihre Verwandten in der Heimat zu kontaktieren und zum Protest zu bewegen.

Helsinki

Mehr als 10 000 Menschen haben am Samstag in der finnischen Hauptstadt Helsinki bei mehreren Kundgebungen gegen die russische Invasion in die Ukraine demonstriert. Wie die finnische Polizei mitteilte, verliefen die Demonstrationen allesamt friedlich. Auf Bildern war zu sehen, wie Menschen in der Innenstadt Helsinkis ukrainische Fahnen schwenkten oder Banner hochhielten mit Slogans wie: „Stop Putin — Stop war“. Teilweise zogen die Demonstranten auch vor die russische Botschaft. Auch in anderen Städten des Landes gingen Menschen auf die Straßen, um ihre Kritik an der Invasion zum Ausdruck zu bringen.

Finnland hat eine mehr als 1300 Kilometer lange Grenze mit Russland. Die Menschen betrachten die Ereignisse in der Ukraine daher mit besonderer Sorge. Erst am Freitag hatte eine russische Regierungssprecherin eine Drohung in Richtung Finnland ausgesprochen. Sollte das Land der Nato beitreten, würde das „ernsthafte militärische und politische Konsequenzen“ nach sich ziehen, sagte sie.