• Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich im Südwesten weiter aus.
  • Ihr Anteil an allen Neuinfektionen der vergangenen 14 Tage betrug am Freitag (Stand: 16.00 Uhr) bereits 11,46 Prozent.
  • Der Anteil möglicher Delta-Varianten stieg auf 7,2 Prozent. Am Vortag hatten die Anteile noch bei 10,83 Prozent und 6,03 Prozent für mögliche Delta-Varianten gelegen.
Das Infektionsgeschehen insgesamt nimmt weiter leicht ab. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche fiel auf 5,2. Am Vortag hatte der Wert noch bei 5,8 gelegen. Die Behörde verzeichnete 91 neue Corona-Fälle im Südwesten und 4 neue Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus. Damit gibt es nun 501 115 bestätigte Infektionsfälle und 10 276 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus.
40 der 44 Stadt- und Landkreise im Südwesten weisen eine sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz von 10 oder geringer auf. Vier Kreise liegen aktuell über dieser Schwelle. Die höchste Inzidenz verzeichnet weiterhin die Stadt Heilbronn mit 20,5.

Neu-Ulm

BW: Rund 55 Prozent sind mindestens einmal geimpft

In Baden-Württemberg sind bislang rund 55 Prozent der Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft, 37 Prozent gelten als vollständig geimpft. Beide Impfquoten liegen leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Druck steigt wegen Delta: Luftfilter in Klassenzimmern gefordert

Die Sorge vor einer vierten Corona-Welle im Herbst steigt. Womöglich droht ein weiterer Schul-Lockdown, weil Kinder nicht geimpft werden können. Bisher haben sich Kretschmann und seine neue Kultusministerin gegen teure und angeblich zu laute Luftfilteranlagen gesträubt.

Drohen im Herbst wieder Schulschließungen in BW?

Angesichts der Gefahr durch die Delta-Variante des Coronavirus steigt der Druck auf Grün-Schwarz die Schulen im Südwesten bis zum Herbst mit Luftfiltern auszurüsten. „Es muss jetzt jede Maßnahme ergriffen werden, um das Infektionsrisiko für unsere Kinder im Herbst zu senken“, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch am Freitag in Stuttgart. Viele Schülerinnen und Schüler würden dann noch nicht geimpft sein. „Deshalb braucht es Luftfilter in allen Klassenzimmern des Landes“, forderte der Ex-Kultusminister Stoch. Es dürfe nicht an der falschen Stelle gespart werden. Die Regierung dürfe sich „nicht erneut sehenden Auges in Schulschließungen hineinmanövrieren“. Auch die FDP und Lehrerverbände fordern seit langem die Anschaffung von mobilen Raumluftfiltern.

Filteranlagen: Kretschmann ist skeptisch

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und auch Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) hatten sich zuletzt beide skeptisch über die Wirkung der mobilen Filteranlagen geäußert, die etwa 3000 bis 4000 Euro kosten sollen. „Das ist nicht das Ei des Kolumbus“, hatte Kretschmann gesagt. Mobile Geräte seien zu laut und große Umbaumaßnahmen auch nicht die Lösung. Schopper erklärte erst am Donnerstag im Landtag: „Diese Luftfilter, ehrlicherweise sind die, wie wenn Du eine kleine Cessna in deinem Raum mithättest.“

FDF fordert sachliche Diskussion zum Thema Filteranlagen

Der FDP-Bildungsexperte Timm Kern forderte dagegen: „Die Landesregierung muss ihren Widerstand gegen die Luftfilter in den Klassenzimmern endlich aufgeben.“ Er hat die Regierung per Antrag gefragt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sie über die Luftfilter hat. „Denn solange die Kultusministerin die Lautstärke eines Luftfilters mit einem startenden Kleinflugzeug vergleicht, werden wir wohl keine sachliche Diskussion zum Thema führen können.“

Filteranlagen in Schulen: Markus Söder prescht vor

Das Umweltbundesamt hatte erklärt, dass mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten. Doch nun ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mal wieder vorgeprescht und hat das Ziel ausgerufen, dass es bis zum Herbst in allen bayerischen Klassenzimmern einen Luftreiniger geben soll. Der Freistaat will den Kommunen dafür 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion fordert schon länger die Ausrüstung der Klassenzimmer mit Luftfiltern, um die Schulen offen halten zu können.

Im Südwesten gibt es mehr als 67 000 Klassenzimmer

Die SPD schätzt die Kosten für die Ausrüstung auf etwa 120 Millionen Euro. Das Kultusministerium verwies noch mal darauf, dass das Land den Schulen über die Schulträger schon ein Budget von 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe, das auch für die Beschaffung mobiler Luftreiniger eingesetzt werden könne. Allerdings konnten mit dem Geld auch digitale Geräte beschafft werden.

Schulen sollen langfristig auf Wärmetauschanlagen setzen

Langfristig sprechen sich die Fachleute des Umweltbundesamtes dafür aus, Schulen mit Wärmetauschanlagen auszustatten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abtransport von Viren, verbrauchter Luft und Feuchte. In Neubauten ist das mit einer zentralen Lüftungsanlage am einfachsten umzusetzen, in bestehenden Schulgebäuden wären aufwendige Umbauten nötig. Schopper hatte mehrfach auch mit Blick auf ein entsprechendes Bundesförderprogramm erklärt, dass solche Umbaumaßnahmen nicht so schnell umzusetzen seien.

Kretschmann gegen Impfpflicht und für Überzeugungsarbeit

Je mehr Menschen geimpft sind, desto drängender die Frage, wie mit Menschen umgegangen wird, die sich nicht impfen lassen wollen. Ministerpräsident Kretschmann setzt auf Einsicht statt auf Zwang.
Man müsse für die Corona-Impfung werben, um den Menschen die Angst vor deren möglichen Nebenwirkungen zu nehmen, sagte der Regierungschef am Freitag am Mannheimer Lessing Gymnasium.

Kretschmann: Impfstoff so gut geprüft wie kein anderes Medikament

Die Nebenwirkung von Covid-19 könne der Tod sein. Impfen sei umso wichtiger, da bei der sich ausbreitenden Delta-Mutation erst eine Herdenimmunität erreicht werde, wenn sich 90 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, sagte er. Alle, die sich nicht impfen lassen, würden über kurz oder lang angesteckt und könnten dann andere infizieren. Die Impfung sei auch ein Zeichen der Solidarität untereinander. „Wir kommen anders nicht aus der Krise raus.“
Er gab zu bedenken, dass eine obligatorische Impfung ein großer Eingriff in die Grundrechte sei. Die Frage, wie die Skepsis gegenüber der Impfung vertrieben werden könne, sei ein „ein wunder Punkt“, sagte Kretschmann bei einer Diskussionsveranstaltung mit zwei zehnten Klassen.

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