Die eiligen Lockdown-Beschlüsse von Bund und Ländern ziehen bereits weitere Folgen und Reaktionen nach sich. Wurde gestern noch angekündigt, dass Schulen und Kitas nicht betroffen seien, so fordern Lehrer und Erzieher wegen Corona nun eine Einschränkung von Unterricht und Betreuung.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt einen besseren Schutz der Beschäftigten gegen die Pandemie. Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben, hieß es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Lehrkräfte und Erzieherinne müssten besonders geschützt werden, so die GEW, deren Interessengruppe sich bereits beim Lockdown im Frühjahr massenhaft in den Heimunterricht oder in den Krankenstand begeben hatte. Über 20 Prozent Personalausfall musste das Land Baden-Württemberg dadurch zeitweise kompensieren.

Berlin/Stuttgart

Schulen und Kitas: Fernunterricht ab der 5. Klasse gefordert

„Die GEW schlägt vor, dem Rat des Robert Koch-Instituts zu folgen und in der Schule in kleineren Gruppen zu unterrichten“, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe. Sie forderte einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht ab der fünften Klasse, wenn der sogenannte Inzidenzwert die Marke von 50 erreicht. „So können die Gruppen verkleinert und Abstände eingehalten werden“, sagte Tepe. Zusätzlich müsse gesichert sein, dass in den Klassenzimmern regelmäßig und konsequent gelüftet werde. „Räume, in denen Lüften nur eingeschränkt möglich ist, müssen umgehend mit wirksamen Luftfiltern ausgestattet werden.“ Tepe sprach sich dafür aus, die Grundschulen so lange wie möglich geöffnet zu lassen.

Berlin

Kitas und Schulen: „Lockdown nicht ausschließen“

Für die Kitas verlangte die GEW-Vorsitzende „passgenaue und wirksame Hygienepläne“ und Betriebsärzte zur Beratung und gegebenenfalls Freistellung von Beschäftigten aus Risikogruppen. Zudem sprach sie sich für freiwillige, kostenfreie Coronatests und eine Grippeschutzimpfung für die Beschäftigten aus. „In Einrichtungen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, ist ein Betrieb der Kita nicht zu verantworten.“ Kitaschließungen dürften nicht ausgeschlossen werden, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse nahelegten, dass Kitas eine Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus spielen oder es ein erheblich erhöhtes Risiko für die Beschäftigten gebe. Im Übrigen haben die Gewerkschaften wegen Corona auch eine finanzielle Prämie für die Mitarbeiter im Bildungs- und Erziehungswesen ins Gespräch gebracht.

Schulbusse und ÖPNV oftmals überfüllt

Unterdessen werden denkbar einfache Vorsichtsmaßnahmen teilweise außer Acht gelassen. So verkehrten Schulbusse und öffentliche Verkehrsmittel bis zum Beginn der Herbstferien noch in vielen Gemeinden völlig überfüllt. Dass es dort Infektionen geben kann ist jedoch bekannt. Entsprechende Einzelfälle waren unter anderem im Juni im Kreis Göppingen zu verzeichnen.