• Trotz des Lockdowns in Deutschland sind die Corona-Zahlen in der Bundesrepublik sehr hoch
  • Regional gibt es in Deutschland hinsichtlich der Fallzahlen deutliche Unterschiede
  • Eine andere Zahl: In Baden-Württemberg ist die Zahl der Grippefälle deutlich niedriger
  • Wie entwickelt sich die Corona-Inzidenz, wenn in den kommenden Tagen wieder mehr getestet wird als über die Weihnachtsfeiertage?
  • Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland laut RKI heute, am Dienstag, 29.12.20
Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte es bereits vor Weihnachten hinsichtlich der Corona-Zahlen in Deutschland gesagt: Die Zahlen werden runtergehen. Und sie werden trügerisch sein. Denn über die Feiertage wurde weniger gemeldet und weniger getestet. So kam es auch. Nach, so hatte es Zeit Online vergangene Woche berichtet, 20 Tagen in Folge, in denen jeweils die Fallzahlen des Tages der Vorwoche übertroffen wurden. Die Wirksamkeit der härteren Regeln des Lockdowns? Waren noch nicht wirklich zu sehen.
Auf seinem Dashboard hatte das RKI bereits angekündigt, dass es aufgrund der geringeren Testumfänge und verlangsamten Übermittlung der Fallzahlen über Weihnachten zu Verschiebungen bei den Corona-Zahlen in Deutschland kommen könne.
Auf seinem Dashboard hatte das RKI bereits angekündigt, dass es aufgrund der geringeren Testumfänge und verlangsamten Übermittlung der Fallzahlen über Weihnachten zu Verschiebungen bei den Corona-Zahlen in Deutschland kommen könne.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI
Somit ist heute einer der ersten Tage, an denen nach knapp zwei Wochen Lockdown in Deutschland erkennbar sein könnte, ob die von Bund und Ländern auf dem Corona-Gipfel am 13.12. beschlossenen Maßnahmen greifen.
Wie hoch also sind die Corona-Zahlen in Deutschland heute, am Dienstag, 29.12.20? Und wie hoch sind sie im Vergleich zum Dienstag der Vorwoche, dem 22.12.20?

Corona Zahlen Deutschland: Neuinfektionen, Todesfälle und Inzidenz laut RKI am Dienstag

  • „Zeit Online“ berichtet, dass es heute 14.302 neue Infizierte gibt. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Infektionen der letzten sieben Tage: Nach Angaben von „Zeit“ haben sich in den letzten sieben Tagen 138.914 Menschen mit dem Virus angesteckt.
  • Infizierte: Insgesamt wurden, wie das RKI berichtet, seit Beginn der Pandemie in Deutschland 1.664.726 positive Fälle registriert.
  • Tote: Die Gesamtzahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, beträgt heute deutschlandweit 30.978 Personen. Das sind 852 Tote mehr als am Tag zuvor - am Dienstag vor einer Woche waren 731 neue Todesfälle binnen 24 Stunden registriert worden. „Zeit Online“ zufolge gab es am heutigen Dienstag 710 neue Todesfälle zu verzeichnen. Bei den Todesfällen war der Höchststand von 952 am Mittwoch vergangener Woche (16.12.20) registriert worden.
  • Genesene: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI wieder 1.277.900 Menschen von der Erkrankung erholt.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde mit 0,74 (Vortag: 0,83) angeben. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI verweist in seinem Bericht am Samstag aber darauf hin, dass während der Feiertage Covid-Fälle nur verzögert angezeigt, erfasst und übermittelt werden, „so dass der R-Wert zudem ggf. unterschätzt wird“.
  • 7-Tage-Inzidenz: Die zur Lagebeurteilung und für Beschlüsse rund um den Lockdown maßgebliche 7-Tage-Inzidenz ist weiter deutschlandweit sehr hoch. Der Wert beziffert die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen und liegt aktuell bei 149,2. Gestern war ein Wert von 157,8 gemeldet worden. Ihr bisheriger Höchststand war am Dienstag vor einer Woche, 22.12.20 mit 197,6 erreicht worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verhängung und Lockerung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz auf unter 50 zu drücken.
  • Corona-Neuinfektionen in den Regionen Deutschlands: Die meisten neuen Corona-Fälle wurden nach den Recherchen von Zeit Online in Berlin mit 646 Neuinfektionen gemeldet. Es folgten Dresden mit 421 neuen Fällen binnen 24 Stunden und die bayerische Landeshauptstadt München mit 354.
  • Todesfälle in den Regionen Deutschlands: Die meisten Corona-Todesfälle gab es der „Zeit“ zufolge mit 25 in Görlitz. Dahinter lagen Berlin mit 23 Toten und Zwickau mit 20.

Aktuelle Corona-Zahlen für die Bundesländer und Landkreise im RKI-Dashboard

Das Robert Koch-Institut ist nach eigenen Angaben auf seiner Homepage „das Public-Health-Institut für Deutschland“. Ziel sei es, die Bevöl­ke­rung in Deutschland vor Krank­heiten zu schützen und ihren Gesundheits­zu­stand zu verbessern. Daran arbeiten und forschen im RKI jeden Tag gemein­sam 1100 Menschen aus 90 verschiedenen Berufen.
In Zeiten der Corona-Pandemie liefert das RKI in seinem Dashboard jeden Tag die aktuellen Fallzahlen - für die gesamte Bundesrepublik, die Bundesländer, aber auch die darunter liegenden Kreise. Hier geht es zum RKI-Dashboard.
Die Corona-Zahlen für die Bundesländer und Landkreise in Deutschland veröffentlicht das RKI jeden Tag in seinem Dashboard.
Die Corona-Zahlen für die Bundesländer und Landkreise in Deutschland veröffentlicht das RKI jeden Tag in seinem Dashboard.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Neuinfektionen und Reproduktionszahl - Die wichtigsten Kennzahlen der Corona-Pandemie erklärt

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 30.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.

Corona und Grippe: Weniger Influenzafälle in Baden-Württemberg

Die Zahl der Grippefälle in Baden-Württemberg ist im Vergleich zum Vorjahr aktuell sehr niedrig. Das LGA geht davon aus, dass Schutzmaßnahmen gegen das Corona auch einen Effekt auf den Verlauf der Grippesaison haben.

Nächster Corona-Gipfel: Lockerungen oder Verlängerung des Lockdowns? Das sagen Schwesig und Ramelow

Ungeachtet des bundesweiten Impfstarts mehren sich die Zeichen, dass die aktuell gültigen Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie über den 10. Januar hinaus verlängert werden. „Ich gehe davon aus, dass wir die Maßnahmen verlängern müssen“, sagte die mecklenburg-vorpommerische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hält eine Fortsetzung der Beschränkungen für wahrscheinlich.
Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, liegt bundesweit aktuell bei 157,8. Ab einer Inzidenz über 50 können Gesundheitsämter Infektionsketten nicht mehr sicher nachverfolgen.
Schwesig sagte im „Bild“-Talk „Die richtigen Fragen“ am Sonntagabend: „Wir müssen deutlich unter eine Inzidenz von 50 kommen, damit wir wieder in besserem Fahrwasser sind - und das wird noch eine lange Strecke.“
Auch Ramelow betonte, es sei „zu früh, Entwarnung zu geben“. Er richte sich darauf ein, „dass wir bis März mit Einschränkungen leben müssen“, sagte er dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Montag). „Wenn die Ministerpräsidenten am 5. Januar erneut beraten, wird nichts auf Lockerungen hindeuten. Wir gehen alle davon aus, dass der Lockdown verlängert werden muss.“