• Die Inzidenz bei schulpflichtigen Kindern steigt in Bayern und Baden-Württemberg stark an
  • Vermuteter Hintergrund: mehrfaches Testen pro Woche, vermehrter Kontakt und zu niedrige Impfquote an den Schulen
  • In Baden-Württemberg ist derzeit keine Klasse oder Schule vollständig geschlossen
Bereits vor Schulbeginn am Montag, 13.09.2021, wurde mit einer steigenden Zahl der Infektionen an Schulen gerechnet. „Es ist zu erwarten, dass die Inzidenz nach dem Beginn des neuen Schuljahres etwa in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen deutlich steigen wird“, sagte der Leiter des Referats für Gesundheitsschutz und Epidemiologie im Regierungspräsidium Stuttgart, Stefan Brockmann, am 10.09.2021. „Die Inzidenz bei den Jüngeren dürfte deutlich höher ausfallen als im Rest der Bevölkerung“, so Brockmann.
Diese Prognose hat sich sowohl für Baden-Württemberg als auch für Bayern bestätigt. Nach den Sommerferien gehen die Infektionszahlen bei schulpflichtigen Kindern rasant nach oben. Vermutet wird, dass dieser rasante Anstieg an den häufigen Testungen in der Schule liegt. Aufgrund mehrfacher Coronatests pro Woche würden mehr Infektionen entdeckt. Auch vermehrte Kontakte und die noch niedrige Impfquote bei Schülerinnen und Schüler können die Ursache sein. Wie ist die Lage in den einzelnen Bundesländern?

Schule in Bayern: Corona-Infektionen steigen

Seit Schulbeginn nach den Sommerferien steigen die Corona-Infektionszahlen bei Schülerinnen und Schülern in Bayern. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zeigt in den aktuellen Infektionszahlen, dass die Inzidenz in der Altersgruppe der 6- bis 15-Jährigen in der zurückliegenden Woche deutlich gestiegen ist. In fast allen anderen Altersgruppen war die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat sonst rückläufig.
  • In der ersten Schulwoche stieg die Inzidenz in der Gruppe der 6 bis 11 Jahre alten Kinder von 149 auf 191. Auch bei den 12- bis 15-Jährigen stieg die Inzidenz: von 175 auf 202.
  • Bei Kindern jünger als 6 Jahre ging die Inzidenz leicht zurück (aktuell 87). Bei Jugendlichen zwischen 16 bis 19 Jahre wird ebenfalls ein Inzidenz-Rückgang verzeichnet, von 194 auf 173.
  • Damit liegen die Altersgruppen der 6- bis 11-Jährigen, der 12- bis 15-Jährigen und der 16- bis 19-Jährigen deutlich über dem landesweiten Durchschnitt einer Inzidenz von 85,2.
Es ist nicht ganz klar, woran der Anstieg bei schulpflichtigen Kindern liegt. Henrike Paede vom Bayerischen Elternverband vermutet einen Zusammenhang mit den seit 14. September wieder stattfindenden Schultestungen. „Im Urlaub wurde nicht getestet“, sagte Paede. Dass sich die Kinder erst in der Schule angesteckt haben, schließt die stellvertretende Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes als Grund für den deutlichen Anstieg jedoch aus. Allerdings verweist das bayerische Gesundheitsministerium darauf, dass auch der Schulbetrieb selbst Infektionen begünstigen könne. Das läge an dem vermehrten Kontakt unter Kindern und Jugendlichen, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums erklärt. Hinzu komme auch, dass der Impffortschritt in der Altersgruppe 12-17 Jahre deutlich hinter dem anderer Altersgruppen liege: Erst ein Viertel der Jugendlichen in dieser Gruppe sei vollständig geimpft.

Corona-Infektionen an Schulen: Steigende Inzidenzwerte in Baden-Württemberg

Auch in den Schulen in Baden-Württemberg steigen die entdeckten Infektionen unter den rund 1,47 Millionen Schülerinnen und Schülern. Am Tag des ersten Schultags nach den Sommerferien, am 13.09., wurden 126 Schülerinnen und Schüler mittels PCR-Test positiv auf Covid-19 getestet (0,01 Prozent der gesamten schulpflichtigen Kinder in BW). Am Dienstag, 21.09., waren es bereits 1.112 entdeckte Infektionen (0,08 Prozent der schulpflichtigen Kinder in BW). Während sich am 13.09. noch 263 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne befanden, waren es am 21.09. bereits 1.408 Schülerinnen und Schüler. Vollständig oder teilweise geschlossene Schulen gibt es in Baden-Württemberg derzeit keine. Aktuell ist auch keine Schulklasse vollständig in Quarantäne. Vom 14.09. bis 16.09. befand sich eine Schulklasse in Baden-Württemberg in Quarantäne.

Corona-Fälle an Schulen: Wie geht es Lehrerinnen und Lehrern in Baden-Württemberg?

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg meldet, dass am Dienstag, 21.09., 34 Lehrkräfte positiv auf Covid-19 getestet wurden. Am selben Tag befanden sich 24 Lehrkräfte in Baden-Württemberg in Quarantäne.

Corona-Infektionen an Schulen: In Bayerns Grundschulen kommen die Pooltests

Die Schnelltests an den Grundschulen in Bayern sollen laut Kultusminister Michael Piazolo noch Ende dieser Woche passé sein. Anstelle der mit Schwierigkeiten für die Kinder verbundenen Schnelltests sollen nun die PCR-Pooltests rücken. Für diese PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden und als genauer gelten, sollen die Schulkinder an zwei Tupfern lutschen. Diese Proben von allen Kindern werden in einem größeren Röhrchen gesammelt und gemeinsam untersucht, daher der Name Pool-Tests. Wird ein Hinweis auf eine Infektion in einer Klasse gefunden, werden erneut Proben genommen und die Tests einzeln untersucht. Lehrerverbände kritisierten die kurzfristige Umstellung der Teststrategie. Piazolo wies diese Kritik zurück.