In Polen gibt es so viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Am Dienstag verzeichneten die Behörden 680 Neuinfektionen binnen eines Tages, wie das Gesundheitsministerium in Warschau mitteilte. Der bisherige Rekordwert war am Samstag erfasst worden, er lag bei 658 Neuinfektionen. In Polen haben sich nach offiziellen Angaben bislang 48.149 Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. 1738 Menschen starben demnach mit dem Virus.

Corona in Polen: Virus verbreitet sich auch unter Politikern in Warschau

Das Virus scheint sich auch unter Parlamentariern in Warschau auszubreiten. Drei Mitglieder des Senats, der zweiten Kammer des Parlaments, sind bereits positiv getestet worden. Plenarsitzungen wurden verschoben.
Die für Donnerstag geplante Amtseinführung und Vereidigung von Präsident Andrzej Duda für seine zweite Amtszeit soll aber unter Corona-Schutzmaßnahmen stattfinden. Duda wird seinen Eid vor der Nationalversammlung abgelegen, die aus den Vertretern beider Kammern des Parlaments besteht.

Corona in Slubice bei Frankfurt/Oder: Beliebter Markt bleibt geschlosssen

Wegen mehrerer Corona-Fälle unter Händlern bleibt ab Dienstag auch der bei deutschen Kunden beliebte zentrale Markt in der westpolnischen Grenzstadt Slubice nahe Frankfurt/Oder geschlossen. Alle Händler und Standbesitzer sollen getestet werden, teilte die Stadt bereits am Montag mit. In den kommenden Tagen sollen auch die Händler von zwei weiteren Märkten in der Stadt einen Corona-Test machen. Nur nach einem negativen Testergebnis sollen die Markthändler wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren dürfen, sagte der Leiter des örtlichen Gesundheitsamtes.

Deutsch-polnische Grenze: So ist die Corona-Lage in Mecklenburg-Vorpommern

Obwohl mit 35 Neuinfektionen innerhalb einer Woche zuletzt auch im Nordosten wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen gewesen sei, gingen Experten noch nicht von einer zweiten Corona-Welle in Mecklenburg-Vorpommern aus, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Bei den jüngsten Infektionsherden, ausgelöst durch Urlaubsrückkehrer oder bei Familienfeiern, hätten die Gesundheitsämter schnell und konsequent gehandelt. Nur so könnten Infektionsketten unterbrochen und ein zweiter Lockdown vermieden werden. „Das Corona-Virus ist nicht weg. Es bleibt gefährlich“, warnte Schwesig.
Als besondere Risikobereiche für die erneute Zunahme von Corona-Infektionen wurden nach Angaben der Regierungschefin Familienfeiern, religiöse Zusammenkünfte, Arbeitsbereiche mit räumlicher Nähe der Mitarbeiter, insbesondere aber Rückkehrer aus Risikogebieten ausgemacht. Gesundheitsminister Glawe kündigte daher Corona-Tests für Reiserückkehrer in den Seehäfen und an der Grenze zu Polen an. Außerdem werde es auch stichprobenartige Kontrollen an den Autobahnen geben. Die Bundesregierung will noch in dieser Woche eine Corona-Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten einführen.

Ulm/Palma de Mallorca

Polens Nachbarland Weißrussland: Corona-Kontroverse vor der Wahl

In Polens Nachbarland Weißrussland steht derweil Staatschef Alexander Lukaschenko kurz vor der Wahl am Sonntag unter Druck. Der 65-Jährige hatte das Coronavirus wiederholt kleingeredet, zuletzt aber selbst eine „symptomlose“ Infektion eingestanden. Insgesamt sind in dem Land zwischen Russland und Polen fast 70 000 Menschen infiziert und knapp 570 mit dem Coronavirus gestorben. Lukaschenko meinte, sein Land habe „diese schwere Prüfung bestanden“. „Wer das nicht sieht, ist blind“, sagte er vor den 2500 Zuhörern, die in einem riesigen Saal ohne Masken nebeneinander saßen.