• In Bayern stecken sich immer mehr Kinder und Jugendliche mit Corona an – es wurde jetzt sogar ein Rekordwert erreicht
  • Diskutiert werden neue Maßnahmen an Schulen
  • Im Freistaat sind außerdem viele Intensivbetten belegt, die Corona-Lage spitzt sich zu
  • Wo können Kinder eine Corona-Impfung bekommen?
  • Wie stecken sich Kinder mit Corona an?
Der Freistaat Bayern will ungeachtet teils drastisch gestiegener Corona-Inzidenzen etwa unter Schulkindern einen neuen Lockdown unbedingt vermeiden. „Wir wollen auch keinen Lockdown für Ungeimpfte als theoretisch denkbare Maßnahme“, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung. „Flächendeckende Lockdowns sind keine Option.“ Auch ein Wiedereinführen der Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler werde frühestens nach Ende der Herbstferien diskutiert, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

München

Angesichts der Rekord-Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen in Bayern schließt das Kultusministerium eine erneute Maskenpflicht am Platz im Schulunterricht unter bestimmten Bedingungen nicht aus. „Natürlich beobachten wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Infektionslage weiterhin sehr genau“, teilte das Ministerium am Montag auf Anfrage mit. „Falls notwendig, sind auch weitergehende Maßnahmen zum Infektionsschutz – wie zum Beispiel eine Maskenpflicht auch am Platz unter bestimmten Voraussetzungen – nicht ausgeschlossen.“ Schon jetzt könnten Gesundheitsämter vor Ort weitergehende Maßnahmen anordnen.

Corona bei Minderjährigen: Inzidenz bei über 400

„Wir haben vor Schuljahresbeginn ein dichtes Sicherheitsnetz für die Schulen geknüpft, unter anderem mit den neuen Pooltests an Grundschulen und Förderschulen“, erklärte das Ministerium. Weiter hieß es: „Die hohen Inzidenzwerte erklären sich auch durch die hohe Testquote bei Schülerinnen und Schülern, die es in keinem anderen Bereich der Gesellschaft mit derselben Intensität gibt.“
Nach den Sommerferien hatten Schülerinnen und Schüler einige Zeit lang auch am Platz einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen - diese Pflicht lief nach einigen Wochen aber aus.
Aktuell sind die Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen in Bayern so hoch wie nie zuvor. In der Altersgruppe sechs bis elf Jahre lag die Sieben-Tage-Inzidenz vergangene Woche bayernweit bei 415, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Montag mitteilte. Das ist ein Anstieg um 157 binnen Wochenfrist und der höchste Wert für eine Altersgruppe, den das LGL seit Beginn der Pandemie ermittelt hat. Für die Zwölf- bis 15-Jährigen meldet das LGL ebenfalls einen massiven Anstieg: Hier liegt die Inzidenz inzwischen bei 391. Bei den 16- bis 19-Jährigen sind es 324 Fälle pro Woche und 100 000 Einwohner.
Der bisherige Inzidenz-Rekord für eine Altersgruppe stammte von Ende vergangenen Jahres und hatte in der Altersgruppe über 80 damals den Wert von 376 erreicht.

Corona in Bayern: Sind Schulen die Treiber?

Über alle Altersgruppen hinweg gibt das LGL die aktuelle Inzidenz in Bayern mit 181,3 an. Das Robert Koch-Institut meldete am Montag die etwas niedrigere Zahl von 179,1 - allerdings mit einem leicht abweichenden Stichzeitpunkt. Demnach ist die Inzidenz in Bayern die dritthöchste in Deutschland hinter Thüringen und Sachsen. Allerdings sind die fünf Landkreise mit den höchsten Werten in Bayern, allen voran Mühldorf am Inn mit 522,8.
Aus einem Teil dieser fünf besonders betroffenen Landkreisen wurden am Montag auch Schulen als Treiber der Infektionszahlen genannt. So hieß es aus dem Landkreis Berchtesgadener Land, in Schulen und Kitas sei seit mehreren Wochen ein verstärktes Infektionsgeschehen zu beobachten. In Straubing-Bogen sieht man „ein diffuses Infektionsgeschehen mit Betonung auf Schulen und Kindertageseinrichtungen mit unmittelbar nachfolgender Ausbreitung auf die Familien der Infizierten.“
Aus dem Landkreis Traunstein hieß es dagegen, dass vor allem Infektionen im privaten Bereich die Zahlen trieben. Auch in Mühldorf am Inn treiben laut Landratsamt vor allem Infektionsketten im familiären Umfeld die Zahlen.
Im Landkreis Miesbach sieht man den Beitrag der Schulen zu den Inzidenzzahlen vor allem darin, dass dort viel getestet werde. Schuld an den hohen Zahlen seien die allgemeinen Lockerungen: „Es ist ja quasi alles wieder erlaubt, daher kommen die Menschen einfach mehr "physisch" zusammen“, heißt es aus dem dortigen Landratsamt.
Am Dienstag (26.10.) sollen Landräte und Oberbürgermeister aus besonders betroffenen Regionen an der Sitzung des bayerischen Kabinetts teilnehmen.

Intensivbetten in Bayern: Auslastung sehr hoch

Parallel dazu steigt die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Bayerns Krankenhäusern. Am Montag lagen laut Intensivregister 338 Covid-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen, fast 70 mehr als Mitte vergangener Woche. Das ist zwar weit unter dem Höchststand von rund 900 Corona-Intensivpatienten zu Beginn des Jahres, aber im Vergleich zur Lage zu Beginn der Sommerferien nahezu eine Versiebenfachung.
Anders als im ersten Jahr der Pandemie halten die Krankenhäuser mittlerweile keine Intensivbetten mehr eigens für Corona-Patienten frei. Da die Auslastung der Intensivstationen auch in normalen Zeiten sehr hoch ist, genügt nun eine ungleich geringere Zahl von Covid-Patienten als vor einem Jahr, um die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen zu bringen.
So gab es am Montag in 17 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns kein einziges freies Intensivbett mehr. In rund 35 Kommunen - und damit mehr als einem Drittel - waren weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei. Ein Sprecher der bayerischen Krankenhausgesellschaft sagte, regional sei die Situation an einer zunehmenden Zahl von Kliniken angespannt. An ersten Häusern müssten geplante Operationen verschoben werden, sofern dies medizinisch vertretbar sei.

Corona-Impfung für Kinder: Was Eltern wissen müssen

Seit dem 19. August hat die Ständige Impfkommission (Stiko) die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen. Dabei sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna zu verwenden.
Am 25. Oktober 2021 gab der Impfstoffhersteller Moderna bekannt, dass sein Impfstoff auch bei Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren geeignet ist. Die Ergebnisse einer Phase 2/3-Studie mit 4753 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter zwischen sechs und elf Jahren zeigten eine „robuste“ Anzahl an Antikörpern, wie Moderna am Montag mitteilte. Komplette Datensätze wurden nicht veröffentlicht, außerdem wurde die Studie noch in keinem Fachmagazin vorgestellt.
Für den Impfstoff Biontech/Pfizer wird eine Zulassung für die Altersgruppen zwischen fünf und elf Jahren in den kommenden Wochen erwartet. Der Hersteller durchläuft aktuell den Zulassungsprozess in den USA, danach könnte eine Zulassung in Europa folgen.
Es ist also gut möglich, dass bis Jahresende eine Impfempfehlung auf für unter-Zwölfjährige ausgesprochen werden kann.
Corona-Impfungen für alle Altersgruppen können bei allen niedergelassenen Ärzten sowie in den noch offenen Impfzentren bekommen werden.

Nebenwirkungen der Corona-Impfung bei Kindern

Folgende Impfreaktionen bei Kindern sind möglich und gelten als normale Reaktion:
  • Schmerzen und/oder Schwellung an der Einstichstelle
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Übelkeit/Erbrechen
In den meisten Fällen dauerten die Impfreaktionen zwei bis drei Tage an.

Kommt es in Bayern wieder zu einem Corona-Lockdown?

In Bayern steigen, wie in ganz Deutschland, derzeit die Corona-Zahlen. Die Inzidenz im Freistaat ist im Ländervergleich die dritthöchste. Kommt es deshalb wieder zu einem Lockdown in Bayern? Staatskanzleichef Florian Herrmann sagt, dass ein Lockdown keine Option sei. Allerdings können strengere Maßnahmen und Regeln kommen:

München

Übrigens: Alle Geschichten rund um das Thema Familie bündeln wir auf unserer neuen Dossier-Seite swp.de/familienleben. Es gibt regelmäßig Artikel rund um Kitas und Schulen. Wir stellen neue Angebote für Familien vor, von der Beratungsstelle bis zum Spielplatz. Wir geben Ernährungstipps für kleine und große Kinder. Und wir beschäftigen uns auch mit Medienkonsum, Work-Life-Balance und Beziehungsproblemen.