• Beim Thema Impfung gab es zuletzt mehrfach schlechte Nachrichten - meist ging es dabei um Astrazeneca
  • Jetzt rät die Ständige Impfkommission „Stiko“ allen unter 60 Jahren von einer Zweitimpfung mit Impfstoff von Astrazeneca ab
Wer mit einer ersten Astrazeneca-Dosis geimpft und unter 60 Jahren alt ist, der soll nach einer aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für die zweite Impfung auf einen anderen Impfstoff setzen. Das steht in einem am Donnerstag (01.04.) veröffentlichten Beschlussentwurf der Stiko.

Keine Zweitimpfung mit Astrazeneca unter 60 Jahren: Die StikoEmpfehlung im Detail

Wörtlich heißt es mit Blick auf die betroffene Gruppe: „Für diese Personen wird empfohlen, anstelle der zweiten Astrazeneca-Impfdosis eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Hintergrund hierfür ist, dass der von einer einmaligen Astrazeneca-Impfung ausgelöste Schutz nach 12 Wochen abzunehmen beginnt.“ In Deutschland sind momentan folgende mRNA-Impfstoffe zugelassen:
  • Biontech/Pfizer
  • Moderna

So viele Menschen in Deutschland haben eine Erstimpfung mit Astrazeneca

Die Empfehlung dürfte zahlreiche Menschen in Deutschland betreffen. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts haben mit Stand Donnerstag 2,85 Millionen Personen eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Präparat erhalten, ein zweites Mal geimpft wurden lediglich knapp 2000 Menschen. Allerdings sind hier auch die über 60 Jahre alten Geimpften eingerechnet - für sie gilt die Empfehlung für eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin nicht.

Video Stiko: Kein Astrazeneca bei Zweitimpfung

Das sagt Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens zur Zweitimpfung mit Astrazeneca

Thomas Mertens ist Vorsitzender der Stiko und sagte dem „Spiegel“ in einem am Donnerstagabend (01.04.) veröffentlichten Interview, über das Risiko bei zweimaliger Impfung mit dem Astrazeneca-Mittel könne man derzeit nur spekulieren - da bislang nur sehr wenige Menschen bereits beide Spritzen erhalten hätten. „Der naheliegende Ausweg ist aus meiner Sicht, es gar nicht zu probieren, sondern zur Sicherheit eben als Alternative einen mRNA-Impfstoff zu geben.“
Mit Blick auf eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff sagte Mertens: „Tierexperimentelle Daten zeigen, dass die Immunreaktion nach heterologer (zweiter) Impfung gleich ausfällt. Man muss noch wissenschaftlich klären, wie gut der Schutz dann beim Menschen ist. Ich hoffe, dass dazu bald Daten vorliegen.“

Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Bei mRNA-Impfstoffen handelt es sich um eine völlig neue Art von Vakzinen, die im Zuge der Corona-Pandemie erstmals für die Anwendung bei Menschen zugelassen wurden. Die sogenannte Boten-RNA (engl: messenger ribonucleic acid, mRNA) in Impfstoffen liefert einen Teil der Erbinformation des Virus in die menschlichen Zellen, um eine Abwehrreaktion des Körpers hervorzurufen und ihn so gegen eine spätere Infektion zu wappnen.
Bund und Länder waren am Dienstag einer Empfehlung der Stiko gefolgt, das Astrazeneca-Mittel in der Regel nur noch Menschen über 60 verabreichen zu lassen. Grund dafür waren 31 gemeldete Verdachtsfälle einer Hirnvenenthrombose. Davon verliefen neun Fälle tödlich. Experten vermuten, dass das sehr geringe Risiko nur junge Menschen betrifft.