• Am Dienstagabend meldete das Sozialministerium, dass Astrazeneca ab Mittwoch zum Einsatz komme bei Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (66/CDU) und Gesundheitsminister Jens Spahn (40/CDU) berieten mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) und den Gesundheitsministern der Länder über Astrazeneca.

Neuer Beschluss: Impfung mit Astrazeneca ab 60 Jahren

Am Abend, noch vor Beginn der Pressekonferenz mit Angela Merkel und Jens Spahn, verschickte das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg eine Pressemitteilung, in der es hieß, dass die Gesundheitsministerkonferenz der Länder zu folgendem Beschluss gekommen sei:
„Der Impfstoff von AstraZeneca kommt, beginnend ab dem 31. März 2021, zum Einsatz bei
  • Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Den Ländern steht es frei, bereits jetzt auch die 60-69-Jährigen für diesen Impfstoff mit in ihre Impfkampagne einzubeziehen. Dies gibt die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Welle nun schneller zu impfen.
  • Personen aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 („höchste und hohe Priorität“ nach §§ 2 und 3 der CoronaImpfV), die das 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entscheiden, mit AstraZeneca geimpft werden zu wollen.
In einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn am späteren Abend wurde das bestätigt.
Jens Spahn rief Menschen über 60 Jahre nach den neuen Beschlüssen zum Einsatz des Impfstoffs von Astrazeneca zur Impfung auf. Sie könnten jetzt schneller geimpft werden, sagte Spahn. „Insofern kann ich alle über 60-Jährigen tatsächlich ausdrücklich nur bitten, dieses Impfangebot auch wahrzunehmen“. Sie könnten auch Vorbild sein, fügte er hinzu. Der Impfstoff sei sehr wirksam, gerade auch bei den Älteren.

Thrombosen: Impfstoff von Astrazeneca soll schwere Nebenwirkungen haben

Der Impfstoff steht im Verdacht, Blutgerinnsel (Thrombosen) in Hirnvenen auszulösen. Es gibt Verdachtsfälle für eine spezielle Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie). Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) vermerkte in seinem Sicherheitsbericht „eine auffällige Häufung“ in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit Astrazeneca.

Astrazeneca-Impfungen wegen Blutgerinnseln zeitweise ausgesetzt

Mitte März hatte die Bundesregierung alle Astrazeneca-Impfungen ausgesetzt - wie mehrere andere Länder auch. Nach erneuten Prüfungen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gaben Bund und Länder nach vier Tagen Pause dann wieder grünes Licht - aber verbunden mit neuen Warnhinweisen für Ärzte und Patienten auf das Thrombose-Risiko.

Erneut gefährliche Nebenwirkungen - bei jüngeren Frauen

Jetzt gibt es wieder Auffälligkeiten mit Fällen von Thrombosen, die vor allem bei jüngeren Frauen gemeldet wurden. Das löst erneut Wirbel und Bedenken aus, die Stiko beschloss am Dienstag, 30.03.2021 in einem Entwurf, das Mittel erst ab 60 Jahren zu empfehlen. Endgültig beschlossen wird in der RKI-Behörde am Donnerstag. Die Stiko kündigte auch an, zur zweiten Impfdosis für Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Dosis von Astrazeneca erhielten, bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abzugeben.

Was Kanzlerin Merkel und Jens Spahn zu Astrazeneca sagen

Am Dienstagabend berieten Kanzlerin Angela Merkel (66/CDU), Gesundheitsminister Jens Spahn (40/CDU), die Ministerpräsidenten der Länder sowie die Gesundheitsminister der Länder in Informationsgesprächen und Krisentreffen über die Zukunft der Impfkampagne. Denn: Astrazeneca spielt eine wichtige Rolle, auch für die nach Ostern angestrebte stärkere Einbeziehung der Arztpraxen. Im ganzen Jahr werden mehr als 56 Millionen Dosen erwartet.

Kanzlerin Merkel wirbt um Vertrauen in Impfstoff-Entscheidung

Angela Merkel und Jens Spahn informierten am späten Abend über die Beschlüsse. Bei einer Pressekonferenz warb die Bundeskanzlerin um Vertrauen in die Entscheidung von Bund und Ländern zur weitgehenden Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen bei unter 60-Jährigen. „Das alles wird Verunsicherung mit sich bringen“, sagte sie am Dienstagabend. Doch Offenheit und Transparenz seien die beste Möglichkeit mit einer solchen Situation umzugehen. Die Alternative sei gewesen, etwas unter den Teppich zu kehren oder die Fälle ernst zu nehmen, sagte Merkel. „Und deshalb glaube ich, unter allen Abwägungen ist dies der Weg, der noch zu dem möglichst besten Vertrauen führt auf dem Weg zu einer Verwendung von Astrazeneca. Wenngleich ich die Verunsicherung nicht wegreden kann.“

Verschärfungen der Corona-Regeln wegen dritter Welle?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, wie ein schärferer bundeseinheitlicher Kurs zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aussehen könnte. „Der Prozess des Nachdenkens ist noch nicht abgeschlossen“, sagte die CDU-Politikerin. „Ich weiß nur, dass es wichtig ist, angesichts der dritten Welle, in der wir sind, alles zu tun, um diese Welle möglichst schnell zu brechen.“
In Medien wurde zuvor schon spekuliert, dass der für den 12.04.2021 geplante Corona-Gipfel angesichts steigender Zahlen und Problemen beim Impfen vorgezogen werden könnte.